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Die erste eigene Wohnung. Florian kommt schon gut zurecht.

Serie Glücksmomente

Selbst ist der Florian

ICKERN/DATTELN Florian allein zuhaus. Für den 22-Jährigen ist das ein völlig neues Gefühl. Florian hat eine geistige Behinderung. Im Januar ist er bei seinen Eltern in Ickern ausgezogen und im „Haus von Anne und Klaus“, einem Wohnprojekt in Datteln, eingezogen. Wir haben ihn dort besucht:

In der Küche ist Florian gerade mit dem Abwasch beschäftigt, als er die Tür öffnet. „Das mache ich eben noch fertig“, sagt er. Man merkt gleich, dass er sich in den eigenen vier Wänden schon ganz gut eingewöhnt hat. „Darüber bin ich auch sehr froh. Natürlich war das am Anfang erstmal sehr schwierig“, meint Mutter Angelika, die regelmäßig zu Besuch ist. Das Heimweh machte Florian schwer zu schaffen. Ein bisschen hat er damit immer noch zu kämpfen. Aber Alina Finke, die Mitarbeiterin des Vereins Lebenshilfe Waltrop, spricht viel mit ihm über den neuen Lebensabschnitt und hilft ihm im Alltag. „Mittlerweile komme ich ganz gut klar. Schön ist, dass ich jetzt kochen und essen kann, wann ich will und mein Freund Thomas gleich nebenan wohnt“, erzählt Florian spürbar begeistert.

„Es ist einfach wichtig, dass Menschen mit geistiger Behinderung von der Kindheit bis ins Alter so normal und selbstständig wie möglich leben können“, erklärt Bianca Boy vom Lebenshilfe-Verein, der sich für das Wohl solcher Menschen und ihrer Angehörigen einsetzt.

„Wir machen das“

Bei aller anfänglichen Skepsis hat Mutter Angelika den Abnabelungsprozess ihres Sohnes unterstützt. „Wir haben uns die Wohnstätte in Waltrop angeschaut und uns mit dem Thema befasst. Nachdem Florian dann in einer Wohnschule gut zurecht gekommen ist, haben wir gesagt: Wir machen das!“ In der Wohnschule lernte Florian einige Tage lang, was es heißt, zuhause auszuziehen – selber Ordnung halten, lüften, saugen, einkaufen und und und.

Florian hat das alles gut gemeistert. Jetzt lebt er in einer gepflegten neuen Wohnsiedlung in Datteln. Als Gärtner arbeitet er in einer Werkstatt der Diakonie in Recklinghausen und nachmittags ist er dann „sein eigener Herr“. Na ja – fast. Alina Finke hilft ihm täglich beim Kochen, Wäschewaschen, Putzen oder bei der Freizeitgestaltung.

Keine Sorgen

Allein zuhaus ist Florian in seinem 64-Quadratmeter-Appartement also nicht. Auch deshalb nicht, weil es sich bei dem „Haus von Anne und Klaus“ um ein Haus mit fünf Wohnungen handelt, in denen neun junge Leute mit geistiger Behinderung in Wohngemeinschaften leben. Florian bekommt demnächst noch einen Mitbewohner, auf den er sich schon freut. „Der Zusammenhalt hier und die unterstützende Betreuung sind klasse. Um meinen Sohn brauche ich mir keine Sorgen mehr machen“, freut sich Mutter Angelika.

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