Übung für den Ernstfall

Warum in Castrop-Rauxel Sirenen heulen

CASTROP-RAUXEL - Irgendwie war es immer ein mulmiges Gefühl, wenn die Sirenen heulten: Was ist da los? Muss ich mir Sorgen machen? Bin ich hier sicher? Sind wir im Krieg? Am Mittwoch (25. Oktober) werden die Sirenen im ganzen Kreis Recklinghausen Probealarm geben. Was soll das im Jahr 2017 noch? Strittige Thesen und Antworten darauf.

Man braucht man heute doch keine Sirenen mehr! Stimmt nicht. Man hat eingesehen, dass der Rückbau der Sirenen - zu Zeiten des Kalten Kriegs gab es noch über 70 Sirenen-Standorte allein in Castrop-Rauxel (siehe Karte) - ein Fehler war. "Wie schaffen wir es, die Leute nachts zu erreichen? Wie bekommen wir sie wach?", fragt Svenja Küchmeister, Sprecherin des Kreises Recklinghausen. Man habe heute andere Ereignisse als den damals befürchteten Krieg - man brauche das akustische Signal einfach.

Castrop-Rauxel hat genug Sirenen! Nein, ganz und gar nicht. Bis auf drei Standorte wurden die einst 90 Sirenen in der Stadt zurückgebaut. Sie dienten nur noch der Alarmierung der Feuerwehrleute. Vom Land NRW ging nun vor einigen Jahren die Initiative aus, untermauert mit 30.000 Euro Anschubfinanzierung. Je nach Bevölkerungsdichte, Art der Bebauung, Standort öffentlicher Gebäude und anderen Faktoren verteilte die Feuerwehr Prioritäten für Standorte: Rauxel, Bladenhorst und Habinghorst haben höchste, Castrop und Ickern mittlere, Frohlinde, Merklinde, Deininghausen, Schwerin, Henrichenburg, Pöppinghausen und Dingen untere Priorität. Bis November 2020 sollen alle Sirenen nach Prioritäten aufgebaut und angeschlossen sein. 25 werden es am Ende sein. Damit sollen 85 bis 90 Prozent der bewohnten Bereiche des Stadtgebietes erreicht werden. Den Rest erreicht die Feuerwehr mit mobilen Sirenen. Das kostet zusammen bis 2020 rund 330.000 Euro. Dafür haben alle Sirenen einen Akku, sind also autark mit Strom versorgt, und man kann Sprachmeldungen absetzen.

Den Alarm am Mittwoch kann ich einfach missachten. Ja und nein: Ja, denn er ist nur ein Probealarm. Aber auch nein: Zwischen 17 und 17.10 Uhr heulen die Sirenen - und man sollte schon hinhören und wissen, was man dann zu tun hätte, wenn ein Ernstfall ansteht. Warnungen vor Unwetter oder Katastrophen sind gemeint. Das Schadensereignis muss allerdings von außergewöhnlichem Ausmaß sein. Sobald man einen auf- und abschwellenden Heulton vernimmt, sollte man das Radio einschalten, und Radio Vest (94,6 MHz) oder WDR2 (99,2 MHz) einschalten. Sofern es die Strom- und Handynetz-Versorgung zulässt, helfen auch Online-Seiten wie die des Kreises Recklinghausen: "Wir bespielen unsere Kanäle zur Not auch nachts um 3 Uhr", sagt Svenja Küchmeister - anders als zum Beispiel Radio-Redaktionen, die nachts zwar Programm spielen, das aber aus Zentralredaktionen kommt. Zudem soll man Ruhe bewahren, in der Wohnung bleiben, Türen und Fenster schließen und Nachbarn informieren.

Castrop-Rauxel ist doch immer ganz hinten dran bei solchen Dingen. Das stimmt nicht. Hier sind es aktuell die Nachbarn Marl und Recklinghausen: Menschen in Castrop-Rauxel, Datteln, Dorsten, Gladbeck, Haltern am See, Herten, Oer-Erkenschwick und Waltrop werden Mittwoch per Sirenen gewarnt. Die beiden größeren Städte sind noch nicht ans Sirenensystem angeschlossen.

Dann muss ich also Mittwochabend früher Feierabend machen. Nein, Sie können ganz entspannt bleiben. Das geht auch aus der Art der Alarmierung hervor: Zuerst wird das Signal mit der Bedeutung "Entwarnung" (eine Minute Dauerton) ausgelöst. Dann weiß der fachkundige Zuhörer also schon: Da ist nix Ernstes. Danach erfolgt ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton. Der würde bedeuten: Gefahr! Fenster und Türen schließen und das Radio einschalten. Zum Abschluss erfolgt noch mal der Ton "Entwarnung".

Einmal halte ich das durch. Danach ist wieder Ruhe! Eher nicht: Der Kreis kündigt an, dass der Probealarm künftig einmal pro Halbjahr ausgelöst wird, um möglichst viele Teile der Bevölkerung mit den Signalen erreichen zu können. Zum Test der Geräte und zur Schulung der Gehörgänge der Menschen.

Aber das ist doch Mist! Ich bin doch gar nicht mehr sensibel für ernste Alarme! Doch, denn über die Warn-App Nina und die CAS-App (unter anderem) wird ein Probealarm angekündigt. Dass es zudem mit dem Ton "Entwarnung" los geht, ist bei echten Störfällen anders.

Die Sirenen braucht nur die Feuerwehr. Auch das kann man so nicht sagen. Sie nutzt sie auch, um die Kameraden der "Freiwilligen" von ihren Arbeitsplätzen oder daheim auf die Wache zu beordern. Aber auch und vor allem Warnungen vor Unwetter oder Katastrophen will man aussprechen können. Das Schadensereignis muss dazu von außergewöhnlichem Maß sein. Sobald man den auf- und abschwellenden Heulton vernimmt, sollte man das Radio einschalten, und Radio Vest (94,6 MHz) oder WDR2 (99,2 MHz) einschalten. Sofern es die Strom- und Handynetz-Versorgung zulässt, helfen auch Online-Seiten wie die des Kreises Recklinghausen: "Wir bespielen unsere Kanäle zur Not auch nachts um 3 Uhr", sagt Svenja Küchmeister - anders als zum Beispiel Radio-Redaktionen, die nachts zwar Programm spielen, das aber aus Zentralredaktionen kommt. Zudem soll man Ruhe bewahren, in der Wohnung bleiben, Türen und Fenster schließen und Nachbarn informieren.

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