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Die neuen Steilhänge an der Lippe bieten ideale Brut-Bedingungen für den Eisvogel.

Lippe-Renaturierung

Seeadler am Haus Vogelsang gesichtet

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Datteln - Die Renaturierung der Lippe ist noch nicht abgeschlossen. Aber sie zeigt schon eine beachtliche Wirkung. Seltene tierische Besucher wurdem am Areal rund um das Haus Vogelsang gesichtet.

Anfang Juni gibt es prominenten Besuch in Ahsen. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser kommt zum Haus Vogelsang. Anlass ist die dann abgeschlossene Lippe-Renaturierung. Aber es ist nicht der einzige Gast an der umgestalteten Lippe, über den sich Nicole Büsing, Geschäftsführerin der an dem Projekt beteiligten Landschaftsagentur Plus, freut. Die fast fertige Renaturierung und das ökologisch sehr wertvolle Areal rund um Haus Vogelsang lockt seltene, tierische Besucher an.

Begeistert ist Nicole Büsing vor allem darüber, dass sich Anfang Februar sogar ein Seeadler das umgestaltete Gelände aus der Nähe angesehen hat. „Wir haben erstmals einen Seeadler in Ahsen beobachtet. Wir hoffen, dass sich diese seltene Tierart hier niederlässt. Das käme schon einer kleinen Sensation gleich“, so die Geschäftsführerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Das einzige Seeadler-Brutpaar in NRW gebe es ihres Wissens nach im Kreis Wesel, in diesem Bundesland lebten nur zehn Exemplare dieser Art. Auch Fischadler sind in Ahsen gesichtet worden. „Von der Umgestaltung der Lippe mit neu entstandenen Flutrinnen und Flachgewässern profitieren die Fische. Und der steigende Fischbestand lockt auch die Jäger an“, erklärt Nicole Büsing.

Aber auch unter Wasser hat sich eine Menge getan. Vor der Renaturierung war der Fluss sehr tief, hatte eine hohe Fließgeschwindigkeit. Unterwasseraufnahmen haben gezeigt, dass die Lippe quasi tot war. Jetzt bietet sich die Möglichkeit für eine ganz neue, vielfältige Unterwasservegetation.

Bedeutsam für die Stadtentwicklung

Von der seit Jahren laufenden ökologischen Aufwertung des knapp 120 Hektar großen Areals rund um Haus Vogelsang profitieren aber nicht nur Flora und Fauna. Auch für die Stadtentwicklung Dattelns ist das von großer Bedeutung. Die Landschaftsagentur Plus verfügt über ein proppevolles Konto mit fünf Mio. Öko-Punkten. Der ökologische Wert wird von unabhängiger Seite begutachtet und der Landschaftsagentur werden entsprechende Öko-Punkte zugeschrieben. Wenn jetzt Unternehmen oder Behörden wie der Landesbetrieb Straße für Bau-Projekte an anderer Stelle in die Natur eingreifen (z.B. neue Gewerbegebiete oder Straßenbauprojekte) bewerten Gutachter diesen Eingriff. Für notwendige Kompensationsmaßnahmen können sich die Schädiger an die Landschaftsagentur in Ahsen wenden und dem Unternehmen die erforderliche Anzahl an Öko-Punkten abkaufen. „Die Pflege unseres Gebietes muss ja auch irgendwie refinanziert werden“, so Nicole Büsing. Die Kompensation bei Eingriffen in Natur und Landschaft müsse nicht zwingend direkt am Ort der Schädigung erfolgen. Andreas Beilein, neuer Stadtplaner im Rathaus, zeigt nach Angaben von Nicole Büsing hinsichtlich des geplanten Industriegebietes newPark großes Interesse an diesem Öko-Pool der Landschaftsagentur. Eine Kompensation vor Ort in den Rieselfeldern würde die ohnehin schon knappen Ackerflächen weiter dezimieren.

Zwei Strände für die Bevölkerung

Die „Fluss- und Auenentwicklung Lippe Haus Vogelsang“, die Ende 2015 startete, ist ein Teil des Lippe-Programms mit dem Ziel einer naturnahen Lippe-Renaturierung. Auf fünf Kilometern Flusslänge gestaltete der Lippeverband im Auftrag des Landes NRW dazu Uferflächen um. So entstand eine Aue, die im Wechsel der Jahreszeiten mal Teil des Flusses, mal Uferbereich ist. Angelegte Flutrinnen laufen dann bei höheren Wasserständen voll, Dünen an den Ufern nähern die Flusslandschaft wieder an ihren Ursprungszustand an, zu dem auch Sandablagerungen gehören. Auf weiten Flächen legte der Lippeverband die Flussaue tiefer, damit die Lippe diese Bereiche immer wieder überfluten kann und so eine wechselfeuchte, artenreiche Landschaft entsteht. Mit Landesmitteln von 15 Mio. Euro sorgt der Lippeverband für eine ökologische Entwicklung von Fluss und Aue. Die Renaturierung der Lippe ist auch Teil des Regionale-2016-Projekts „2Stromland“. In diesem Projekt arbeiten die Städte Olfen, Haltern am See und Datteln gemeinsam mit dem Lippeverband, der Haus Vogelsang GmbH, der Landschaftsagentur Plus, der Gelsenwasser AG und der RAG Montan Immobilien GmbH.

Nach Abschluss der Renaturierung besteht auch für die Bevölkerung die Möglichkeit, die umgestaltete Fluss- und Auenlandschaft zu erleben. Wie Nicole Büsing erklärt, sind zwei Strände – einer auf Ahsener und einer auf Olfener Seite – vorgesehen. Auch der Hohemark-Steig soll durch die Auen führen. Die Geschäftsführerin appelliert aber schon jetzt an die Besucher, respektvoll mit der wertvollen und empfindlichen Ökologie umzugehen.

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