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Zwei verschiedene HIV-Bluttests für die Eigenanwendung sind seit ein paar Wochen auch bei Angela Riphaus in der Amandus-Apotheke frei verkäuflich.

Ergebnis nach 15 Minuten

Sinkende Zahlen, große Hemmungen

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Datteln - Heute ist Welt-Aids-Tag. Die Meinungen zum neuen HIV-Test für zu Hause gehen auseinander. Eine persönliche Beratung ist wichtig.

Ein Pieks in den Finger, ein kleiner Tropfen Blut und das Hoffen beginnt. Seit wenigen Wochen gibt es einen Aids-Schnelltest für zu Hause.

Verkauft hat Angela Rip-haus in ihrer Amandus-Apotheke noch keinen dieser Tests, frei verkäuflich sind sie seit etwa zwei Monaten. „Die Anwendung ist relativ einfach und die Tests haben eine recht hohe Zuverlässigkeit“, sagt die Apothekerin. Zwei Bluttests hat sie im Angebot, beide dauern etwa 10 bis 15 Minuten und kosten zwischen 20 und 35 Euro. Rip-haus zeigt sich zwiegespalten, was die Tests betrifft: „Viele haben große Hemmungen, zum Arzt oder zu einer Beratungsstelle zu gehen und sich testen zu lassen“, sagt sie. „Aber man sollte mit so etwas nicht alleine da stehen.“ Die persönliche Betreuung eines Arztes sei „unheimlich wichtig“. „Der Test hat eine Zuverlässigkeit von 99,7 Prozent - bei drei von Tausend ist er also falsch“, sagt Angela Riphaus. Dann lieferten die Tests aber eher ein falsches positives Ergebnis als ein negatives. Darin sieht auch Dr. Peter Mönninghoff ein Problem: „Eine gewisse Angst und Unsicherheit schwingt bei solchen Tests immer mit – ganz besonders bei denen aus der Apotheke“, sagt er. Eine große Gefahr bestehe bei einer falschen Diagnose. Einige Betroffene haben sich deswegen schon das Leben genommen.

Häufige Partnerwechsel erhöhen das Risiko einer Infektion

Die kritische Haltung zum Selbsttest teilt Astrid Platzmann-Scholten von der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit: „Den Heimtest halte ich für problematisch. In unserer Beratungsstelle kann man einen Schnelltest anonym und kostenlos durchführen und sich beraten lassen.“ Nach etwa 20 Minuten hat man das Ergebnis. Aufgabe der Beratungsstelle sei auch, den Menschen die Ängste zu nehmen oder sie zu reduzieren: „Man muss sich die betroffenen Gruppen anschauen und sich fragen – begebe ich mich in ein Risiko?“ Homosexuelle Männer gehören zu der hauptbetroffenen Gruppe. Zudem sei es eine Frage der Statistik. „Bei wechselnden Geschlechtspartnern ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV infiziert zu haben, höher.“

Die Beratung drumherum sei sehr wichtig, daher sei der Heimtest für viele keine gute Alternative. „Der Test ist problematisch, wenn Leute im Vorfeld schon Angst haben“, sagt die Gynäkologin. Wenn die Menschen durch Angst vor einer HIV-Infektion sehr belastet sind, rät sie zu einem Test: „Damit es aus dem Kopf kommt.“ Die Beratungsstelle bietet während ihrer offenen Sprechstunden auch Untersuchungsangebote zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten an. „HIV ist das, wovor alle Angst haben, aber auch Chlamydien sind gefährlich.“ Auch die Rate der Syphilis-Erkrankungen steige zurzeit weiter an. Die Zahlen der HIV-Infektionen nehmen dagegen weiter ab. „Zusätzlich hat man ganz andere Behandlungsmöglichkeiten als noch vor zehn Jahren – da hat sich einiges getan.“

INFO Beratungsstellen „Sexuelle Gesundheit“ des Kreises Recklinghausen, Sprechstundenzeiten gibt es unter @ www.kreis-re.de/Inhalte/Buergerservice

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