+
Seit Freitag ist der Bereich zwischen Spundwand und Kanalufer zugeschüttet. Auf den letzten Metern sollen dabei noch einmal Hunderte Fische verendet sein, klagt Ralf Kositzki, Vorsitzender des Fischereivereins.

Anzeige vom Angler

Fischsterben auf Kanalbaustelle

  • schließen

DATTELN - Das Fischsterben auf einer Baustelle am Kanal, auf der die RAG den alten Zechenhafen zurückbauen lässt, wird wohl ein Nachspiel haben. Ralf Kositzki, Vorsitzender des Dattelner Fischereivereins, will Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstatten.

Wie berichtet, war das tierische Drama im Mai bekannt geworden. Im Wasser zwischen der neuen Spundwand und der alten Hafenmauer waren Tausende Fische eingeschlossen worden. Hohlräume unter der Kaimauer hatten offensichtlich als Rückzugs- und Laichquartier gedient – in diesem Ausmaß für RAG, Baufirma und auch Tierschützer überraschend.

Gegen die Idee, ein Loch in die neue Spundwand zu schneiden, durch das die eingeschlossenen Fische in den Kanal schwimmen sollten, hatte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ihr Veto eingelegt. Es wurde befürchtet, dass belastetes Baustellenwasser die Wasserqualität im Kanal trüben könnte.

Der mehrere Hundert Meter lange Zwischenraum wurde über Monate verfüllt, das Wasserbecken für die Fische im Zuge dessen immer kleiner. Mehrere Fischrettungsaktionen hatte es gegeben. Aber Helfer bargen auch jede Menge tote Tiere. Das Wasser im Becken war über Monate mittels Pumpen umgewälzt worden, um die Überlebenschance der Fische zu erhöhen.

Am vergangenen Freitag verfüllten Arbeiter die letzten Meter – und die sollen, so Ralf Kositzkis Vorwurf, „einfach zugekippt“ worden sein. „Wohl um einen Baustopp zu verhindern“, meint er.

Kositzki schätzt, dass „Hunderte“ Fische im Schlamm, Sand und Kies verendeten. „Ich halte das für Vorsatz“, wettert der Fischereivereins-Vorsitzende und kündigte Montag an, Anzeige wegen Verstoßes gegen des Tierschutzgesetz bei der Wasserschutzpolizei erstatten zu wollen. Er wolle auch das Kreisveterinäramt und die Bezirksregierung einschalten, sagt Kositzki.

„Der Vorwurf ist nicht berechtigt“, sagt Christian Knoblauch, Bauleiter der Firma Heitkamp, die den Hafen im Auftrag der RAG abreißt. Zuletzt seien noch Fische „mit dem Bagger rausgelöffelt und rübergesetzt“ worden – darunter bis zu 1,70 Meter große Welse sowie viele Aale.

Dass nicht alle Fische gerettet werden konnten, räumt er ein, meint aber: „Aus ökologischer Sicht haben wir das Bestmögliche getan.“

So sieht es auch Ines Mogge, die sich für ihren Arbeitgeber, die RAG, um die ökologische Baubegleitung kümmert. Sie meint, alle Welse, Hechte, Aale und Rotaugen, die sich einfangen ließen, seien in den Kanal umgesetzt worden. Auch Ines Mogge räumt ein: „Der RAG ist bekannt, dass Fische verendet sind. Es wird Ersatz geleistet.“ Sprich: Die RAG will Jungfische in den Kanal setzen lassen.

Die Meinungen, ob wirklich alles zur Tierrettung getan wurde sowie zum Ausmaß des Fischsterbens gehen auseinander. Kositzki schätzt, dass rund 2 000 Fische verendeten. 1 400 tote Tiere seien von Angelfreunden bei diversen Einsätzen per Fotos dokumentiert worden. „Gerettet haben wir leider nur ca. 300 Stück.“

Was Ralf Kositzki besonders aufregt: Am Freitag sollte es einen letzten Fischrettungsversuch geben, zu dem er auch eingeladen war. Doch als er am Vormittag zum Kanal kam, war schon fast alles zugeschüttet. „An der Oberfläche sah man Fische im Todeskampf.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare