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Bischof Franz-Josef Overbeck überzeugt mit klaren Worten.

Hoher Besuch

Bischof Franz-Josef Overbeck in Datteln: Kommt bald das Ende des Zölibats?

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Bischof Franz-Josef Overbeck war auf Einladung des Rotary Club Datteln Lippe angereist. Themen waren unter anderem die Missbrauchsfälle in der Kirche, sowie das Ende des Zölibats.

Als Franz-Josef Overbeck das Jammertal Resort am Rande der Kanalstadt betritt, versammelt sich augenblicklich eine große Menschentraube um den Bischof. Unter den Gästen sind viele alte Bekannte und Freunde aus seinen Jugendtagen in seiner Geburtsstadt Marl. Dort besuchte Overbeck auch das Geschwister-Scholl Gymnasium, das er 1984 erfolgreich mit dem Abitur abschloß. 

Der Präsident der Rotarier, Dr. Thomas Hölscher, ließ es sich nicht nehmen, Mitglieder, Gäste und den Bischof mit einer kurzen, persönlichen Ansprache zu empfangen. Als Dr. Franz-Josef Overbeck schließlich an das Rednerpult tritt, sind sämtliche Augen im Saal auf ihn gerichtet. Overbeck ist bekannt dafür, ein Mann klarer Worte zu sein, der nicht "um den heißen Brei" redet. Die Erwartungen der Gäste sollten auch an diesem Abend nicht enttäuscht werden. 

Datteln: Gemeinsame Ideologie reicht nicht aus

Europa sei ein Bereich, „den geopolitisch eigentlich nichts eint“, so die These Overbecks. Die gemeinsamen christlichen Werte, die Einführung des Römischen Rechts und die durch die Griechen eingebrachte und aktuell oft infrage gestellte Demokratie hätten dieses friedensstiftende Projekt erst möglich gemacht. Eine Staatenbildung sei also "ohne den Glauben an den einen Gott" nicht denkbar gewesen, unterstreicht Overbeck den Einfluss der Kirche. Nach dem 2. Weltkrieg habe sich aber gezeigt, dass eine gemeinsame Ideologie nicht ausreiche um die Staatengemeinschaft auf Dauer zu einen. 

Der Staatenbund sei ebenso ein Wirtschafts- und Sozial-Projekt, erklärt Overbeck. Darüber hinaus müsse Europa zudem für die Würde und die Rechte aller Menschen einsstehen. Auch wenn die Mitgliederzahl in den christlichen Kirchen auf dem absteigenden Ast sei, obliege ihnen eine friedensstiftende Aufgabe. Gerade in Zeiten eines erhöhten Konflikt-Potenzials. 

"Stellen Sie sich vor, jemand wäre in der Lage, in unserer durchdigitalisierten Welt von einem auf den anderen Moment den Strom komplett abzuschalten", beschreibt Overbeck ein mögliches Schreckensszenario. "Nach spätestens fünf Tagen hätten wir einen Bürgerkrieg." Die Kirche könne hier bei Beantwortung ethisch moralischer Fragen hilfreich sein. Nicht Hierarchien sollten Entscheidungen treffen, sondern das bessere Argument. „Wir alle sind dafür zuständig, neues Vertrauen in die Demokratie zu schaffen“, so Overbeck hinsichtlich der weltweit immer stärker werdenden politischen Extreme.

Datteln: Klare Meinung zum Zölibat

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Overbeck sich den Fragen des Lokalchefs der Recklinghäuser Zeitung, Jörn Tüffers. Warum gerade im Osten der Republik demokratiefeindliche Einstellungen erstarken würden, will dieser wissen. Overbeck glaubt das Fundament dafür sei durch die Spätfolgen des Kommunismus zu begründen. Zudem werde "Heimat mittlerweile sehr identitär gedacht", so Overbeck. "Ich halte das für sehr gefährlich." Besorgniserregend sei zudem, dass die klassische Parteienlandschaft zunehmend verschwinden werde.

Das Publikum treibt vor allem Fragen zur Geschlechtergerechtigkeit um, sowie die Haltung des Bischofs hinsichtlich der Missbrauchsfälle durch katholische Priester. Letztere seien leider ein globales Problem, die durch nichts zu entschuldigen seien. Besonders wichtig ist aus Overbecks Sicht die Rolle der Frau in der Gesellschaft sowie in der Kirche. Auch zum Thema Zölibat vertritt Overbeck eine klare Meinung. Ob er das Zölibat abschaffen würde, wenn der Papst ihm diese Entscheidung überlassen würde, will ein Besucher wissen. "Ja, das würde ich tun", antwortet dieser direkt. Er glaube jedoch nicht, dass er oder die Anwesenden das noch erleben werden. 

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