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Vor der offiziellen Eröffnung verbarg der Angeklagte aus Datteln sein Gesicht mit einem Ordner vor den Fotografen. Links neben ihm Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff.

Landgericht Bochum

62-facher Missbrauch in Datteln: Angeklagter hantierte mit Filetiermesser und Nadeln

Eine Stunde verlas die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen einen 54-jährigen Briefzusteller aus Datteln. Elf Opfer soll er betäubt, misshandelt und dabei gefilmt haben. Nun will er aussagen.

Sprach- und fassungslos machten die in der Anklage beschriebenen Szenen, die von Staatsanwältin Nicole Abts am ersten Prozesstag vorgetragen wurden. Elf Opfer werden in der Anklage aufgeführt, sie sind heute zwischen zehn und zwölf Jahren alt. Die Beruhigungsmittel sollen in Cola oder Milchshakes gemischt worden sein, ehe der Angeklagte seine Opfer malträtiert, missbraucht oder vergewaltigt haben soll. 

Datteln: Schulfreundinnen des Sohnes und Kinder von Internetbekanntschaften

Die Opfer seien Kinder von Frauen, die der 54-Jährige Mann aus Datteln über die Jahre im Internet kennengelernt hat. Aber auch Schulfreundinnen des Sohnes zählen zu den Opfern. Der Dattelner soll die gefundenen Videos, auf die  die Anklageschrift beruht, selbst angefertigt haben. 

„Als das Kind aus der Bewusstlosigkeit zu erwachen droht, injizierte der Angeklagte mit einer Spritze eine weitere Dosis des Betäubungsmittels in den Mund“, heißt es gleich an mehreren Stellen der Anklageschrift. Zudem soll der Dattelner vor den Übergriffen Reaktionstest bei seinen Opfern durchgeführt haben.Er habe während der Taten Selbstgespräche geführt mit Filetiermessern oder Nadeln hantiert und auch Verstümmelungen im Brust- und Intimbereich angedeutet haben.

Am zweiten Verhandlungstag, 30. August, will sich der Angeklagte "umfassend zu den Vorwürfen erklären" - dann aber wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ließ Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff durchblicken. Es ist von einem Geständnis des Großteils der Vorwürfe auszugehen, da die Beweislage durch die Videos erdrückend ist.

Am 9. August startet der Prozess gegen einen Dattelner

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Februar hatte die Polizei in Datteln an der Castroper Straße einen 54-jährigen Dattelner festgenommen. Ihm wird schwerer Missbrauch in 62 Fällen vorgeworfen. Bei der Festnahme entdeckte die Polizei kistenweise Datenmaterial mit kinderpornografischen Inhalten. Es dauerte Wochen, bis die Beamten die Datenträger gesichtet hatten und die Opfer identifizieren konnten.

Datteln: Erst betäubt und dann den Missbrauch gefilmt

Das perfide an der Masche des Dattelners: Erst hatte er seine elf Opfer, sechs davon waren zur Tatzeit noch minderjährig, erst mit Medikamenten betäubt und dann sexuell misshandelt. Deswegen erfuhren die Betroffenen erst durch die Polizei von der Misshandlung.

Auch eine Sicherungsverwahrung ist möglich

Nachdem die Staatsanwaltschaft im Juli Anklage erhoben hatte, beginnt am Freitag der Prozess vor dem Landgericht Bochum. Das Strafgesetzbuch (StGB) sieht im Falle eines Schuldspruchs für jede Tat eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren. Auch eine Sicherungsverwahrung ist möglich.

In Datteln gibt es zwei Anlaufstellen, bei denen sicgh Betroffene im Falle von sexueller Gewalt an Kindern wenden können. Das ist die Kinderschutzambulanz und die Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung wenden können.

62-facher Missbrauch in Datteln - nun steht plötzlich der Prozess auf der Kippe

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