Der Parkstreifen an der Castroper Straße ist für den Audi von Anwohner Ingo Wassermann zu schmal – für das Parken auf dem Sicherheitsstreifen gab es daher ein Knöllchen
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Der Parkstreifen an der Castroper Straße ist für den Audi von Anwohner Ingo Wassermann zu schmal – für das Parken auf dem Sicherheitsstreifen gab es daher ein Knöllchen

Schmaler Parkstreifen

Audi Q7 zu breit für die Parklücke: "Falschparker" zieht vor Gericht - so lautet das Urteil

  • Fabian Hollenhorst
    vonFabian Hollenhorst
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  • Sarah Kuhlmann
    Sarah Kuhlmann
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Nicht nur für breite Autos ist das Parken in Datteln auf dem Seitenstreifen der Castroper Straße problematisch: Gegen das Knöllchen, das an seinem Audi Q7 hing, hat sich ein Anwohner nun gewehrt.

  • Der Dattelner Ingo Wassermann erhielt ein Knöllchen, weil sein Audi über die Parkplatz-Markierung am Seitenstreifen ragt
  • Die Stadtverwaltung spricht von einem "Park-Angebot" - es bestehe keine Pflicht
  • Das Amstgericht Recklinghausen gab Wassermann jetzt recht. 

Update, 19. Juni, 14.20 Uhr: Nach Anhörung des Betroffenen erscheint „eine Ahndung nicht als geboten“, urteilt die zuständige Richterin am Amtsgericht Recklinghausen. 

1,97 Meter ist der Audi Q7 laut offiziellen Angaben breit, die Parklücke an der Castroper Straße misst 1,70 Meter. Ein korrektes Parken ist somit nicht möglich, wenn zum einen der Sicherheitsstreifen nicht berührt werden soll und auf der anderen Seite der Wagen nicht zu weit auf die eh schon schmalen Straße stehen soll.

Datteln: Keine Knöllchen, wenn das Auto auf die Fahrbahn ragt

Wenn die Fahrzeuge die Abgrenzung zur Verkehrsstraße berühren, würde die Stadt laut Sprecher Dirk Lehmanski keine Knöllchen schreiben. Das Unfall-Risiko tragen dann aber die Autofahrer.

Seit Jahren gilt die Castroper Straße als Brennpunkt für Verkehrsunfälle. Häufig verunfallen dort Rad- oder Pedelec-Fahrer. Der Sicherheitsstreifen soll verhindern, dass sie von offenen Beifahrertüren überrascht werden. Anfang des Jahres gab es zuletzt eine solche Situation – eine Pedelec-Fahrerin verletzte sich dabei leicht. Auch beim Abbiegen werden Radfahrer auf der B 235 häufig von Fahrzeugen übersehen.

Update, 18. Juni, 17.35: Für sein Knöllchen wollte Ingo Wassermann nicht zahlen, deswegen war der Dattelner nun sogar vor Gericht. Das Amtsgericht Recklinghausen gab ihm recht, das Verfahren wurde eingestellt. Die Kosten, 20 Euro für das Knöllchen, 25 Euro Mahngebühr und 3,50 Auslagen, werden dem Dattelner erlassen. Die Kosten für des Verfahrens trägt die Staatskasse. 

Parkplatz-Problem in Datteln bleibt bestehen

Das Parkplatz-Problem ist trotz des erfolgreichen Einspruchs nicht beseitigt, Wassermann weiß, dass das Ordnungsamt weiterhin Knöllchen verteilt. "Wir machen das, um die Fahrradfahrer zu schützen", erklärt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. 

7. März: Ingo Wassermann spricht von "Abzocke": Er gebe sich stets Mühe seinen Audi so zu parken, dass er keine Verkehrsteilnehmer an der Castroper Straße beeinträchtigt. In die Parklücke passt er mit seinem Wagen aber nicht. Dafür gab es ein 20-Euro-Knöllchen vom Ordnungsamt.

Anwohner in Datteln will sein Knöllchen nicht zahlen

Mit zwei Reifen steht der Audi von Ingo Wassermann auf dem sogenannten Sicherheitsstreifen an der Castroper Straße. Dieser trennt Parkstreifen von Fahrradweg und soll für die Sicherheit der Radler sorgen. Zahlen will Wassermann sein "Ticket" nicht - er will rechtliche Schritte einleiten.

Für Wassermann ist die Stadtverwaltung in der Pflicht: „Sie bieten Parkplätze an, auf die kein Auto passt und kassieren dann täglich kräftig ab.“ 1,70 Meter sind die Parkstreifen an der Castroper Straße breit. Wie Stadtsprecher Dirk Lehmanski erklärt, habe man im Jahr 2006 im Auftrag des Straßenbau-Landesbetriebes Straßen.NRW die Fahrbahn saniert und Radwege angelegt. Heutzutage seien die Autos größer und breiter.

Stadt Datteln sieht die Parkplätze als Angebot 

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist dieser Fall eindeutig. „Die Parkplätze an der Castroper Straße sind ein Angebot. Wenn die Fahrzeuge nicht hineinpassen, dann darf man dort nicht parken“, sagt Lehmanski. Und die Stadtverwaltung hätte darauf auch öffentlich hingewiesen, bevor Ordnungsgelder verhängt wurden.

Ein geparktes Auto muss laut Lehmanski mit beiden Reifen in die Markierungen des Parkplatzes passen. Kleinwagen wie ein Smart oder ein Renault Clio passen mit ihren Abständen von 1,50 bis 1,60 Metern in die Lücke hinein, der Audi von Ingo Wassermann, wie auch viele der beliebten SUV-Neuwagen nicht.

ADAC-Juristen raten Autofahrer aus Datteln zum Einspruch

„Diese geringfügige Überschreitung um maximal zehn Zentimeter ist als geringfügig und daher nicht ahndungswürdig anzusehen“, urteilt die juristische Abteilung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). Das erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage in München.

Wer sich über eine „kleinliche Behandlung der Behörden“ ärgere, müsse dann Einspruch gegen das Bußgeld einlegen und die Sache so vor Gericht bringen. „Spätestens der Richter erkennt hier, dass das Verfahren aus Gründen der Verhältnismäßigkeit eingestellt wird“, heißt es aus der juristischen Abteilung.

Die Situation an der Castroper Straße kann gefährlich werden: Eine Pedelec-Fahrerin konnte einer Autotür nicht mehr ausweichen und wurde verletzt.

Auch ein Fahrradfahrer konnte auf der Castroper Straße nicht mehr ausweichen.

Beim jährlichen Fahrrad-Klimatest erhielt die Stadt Datteln zuletzt miserable Noten.

"Teuerste Fritten" in Corona-Krise: Darum wird ein Dattelner Autofahrer zur Kasse gebeten.

Unfall mit Notarztwagen: 100.000 Euro Schaden.

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