(v.l.n.r.) Christian Wojtys, Phillip-Christian und Janine Giese, Theo Berkel und Bürgermeister André Dora.
+
(v.l.n.r.) Christian Wojtys, Phillip-Christian und Janine Giese, Theo Berkel und Bürgermeister André Dora.

Vorbild

Datteln: Bürgermeister und Feuerwehr loben die "Heldin vom Westrem"

  • Sebastian Balint
    vonSebastian Balint
    schließen

Bürgermeister André Dora war gemeinsam mit Stadtbrandmeister Theo Berkel zu Gast bei Janine Giese. Sie hatte 21 Menschen vor einer möglichen Explosion bewahrt. 

  • Die Feuerwehr rückte zum Westrem in Datteln aus.
  • Im Keller des Hauses brannte es.
  • Eine Frau wurde zur Heldin, weil sie besonnen agierte. 
  • Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie von den Ereignissen.

Update, 4. Juni, 14.44 Uhr: Ihm sei "der Stift gegangen", erinnert sich Rettungssanitäter Philipp-Christian Giese, als er über Funk erfuhr, dass es im Keller des Hauses brennt, in dem er mit seiner Familie wohnt. "Ich habe ständig versucht Janine zu erreichen, aber sie ging einfach nicht ran", sagt Giese. "Da kam schon Panik auf." Als er vor Ort ankam, sei er sofort an den Kollegen von der Feuerwehr vorbeigerannt und habe sich nach seiner Frau erkundigt. 

Dattelnerin sagt, sie habe nur gemacht, was jeder gemacht hätte

Die hatte das Haus zum Glück schon verlassen. Aber erst, nachdem sie zuvor alle Nachbarn über das Feuer im Keller informiert hatte. Seitdem ist es aber nicht ruhiger geworden. Ganz im Gegenteil. Teams verschiedener TV-Sender besuchten die medizinische Fachangestellte aus Datteln, drehten Interviews mit ihr. Immer wieder muss sie ihre Geschichte erzählen. Dabei habe sie doch nur gemacht, was jeder gemacht hätte, sagt sie bescheiden.

Dattelns Bürgermeister dankt der jungen Frau

Dass das nicht so ist, das sagte ihr auch Dattelns Bürgermeister André Dora. Erwar zusammen mit Theo Berkel von der Dattelner Feuerwehr vorbeigekommen, um der jungen Frau für ihr umsichtiges Handeln zu danken. Denn - soviel ist heute klar - die Geschichte hätte auch nach hinten losgehen können. Immerhin brach das Feuer nur wenige Meter von der Gasanlage des Hauses aus.

Blumen und hochprozentiges für die Dattelnerin

Auch Christian Wojtys lobt die 30-Jährige. Wojtys war als Einsatzleiter vor Ort und weiß um die Gefahr, die in dem Keller des Mehrfamilienhauses lauerte. Als Dankeschön überbrachten der Bürgermeister und die beiden Feuerwehrleute der mutigen Frau einen bunten Blumenstrauß und ein Fläschchen hochprozentiges. Ihr Mann Philipp-Christian will Janine erst mal mit einem gemütlichen Essen verwöhnen. 

Unsere bisherige Berichterstattung:

Update, 2. Juni, 19.48 Uhr: Die "Heldin vom Westrem" heiß Janine Giese und ist 30 Jahre alt. Für sie sei es sehr ungewohnt, plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen. Dabei habe sie einfach nur getan, was sich gehöre. Beim Ortstermin an dem Mehrfamilienhaus an der Westremstraße erzählt sie, was sich am 28. Mai in dem Wohnhaus abgespielt hat. 

Sie habe an besagtem Tag in ihrer Wohnung in der ersten Etage des Hauses aufgeräumt und irgendwann einen unangenehmen Geruch wahrgenommen. "Ich hatte Sachen weggeräumt, ein bisschen geputzt, was man halt so macht", erinnert sich die medizinische Fachangestellte lachend. Bei dem von ihr wahrgenommenen Geruch handelte es sich um verbranntes Plastik, da ist sich die 30-Jährige mittlerweile sicher.

Datteln: Diese Frau rettet ihren Nachbarn das Leben | cityInfo.TV

Datteln: Diese Frau rettet ihren Nachbarn das Leben | cityInfo.TV

Beißender Geruch ist der Dattelnerin nicht geheuer

Das sei ihr nicht geheuer gewesen sagt sie. Wenig später öffnet sie die ihre Wohnungstür und sieht sich einer deutlich sichtbaren Rauchwolke gegenüber. Mit ihrem Smartphone in der Hand versucht sie die Queller des Rauchs auszumachen. Die Geruchsspur führt sie schließlich in den Keller des Hauses und, "als ich die Kellertür öffnete, kam mir direkt eine dicke schwarze Wolke entgegen", erinnert sie sich.

Augenblicklich alarmiert sie die Feuerwehr. Doch anstatt sich selbst in Sicherheit zu bringen, läuft Janine von Wohnungstür zu Wohnungstür, um die Nachbarn über das Feuer im Keller zu informieren. Alle Bewohner, die sich zu diesem Zeitpunkt im Haus befinden, folgen der Aufforderung der 30-Jährigen. Das Haus ist geräumt, noch bevor die Feuerwehr eintrifft. 

Einsatzkräfte durchsuchen das Mehrfamilienhaus in Datteln

Sofort starten die Einsatzkräfte mit ihrer Arbeit. Sicherheitshalber überprüft ein mit Atemschutzgeräten ausgestatteter Trupp noch einmal die Wohnungen. "Wir mussten ja sichergehen, dass nicht irgendjemand übersehen wurde", erklärt ein Feuerwehrmann. Das Feuer im Keller haben die Einsatzkräfte schnell im Griff. So schnell, dass die Rauchentwicklung nicht so hoch war, dass die Wohnungen nicht mehr bewohnbar sind. 

Im Haus macht derzeit ein Gerücht die Runde, dass eine Mieterin des Hauses Strom vom Hausstrom "abgezapft" haben soll. Mehrere Elektrogeräte seien über eine Leitung betrieben worden, die dann irgendwann überlastet war und das Feuer ausgelöst haben soll. Ramona Hörst will diese Vermutung mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Aber es gebe erste Hinweise auf einen technischen Defekt.

Schnelles Handeln der 30-Jährigen aus Datteln hat Schlimmeres verhindert

Später erfährt Janine, wie viel Glück sie und die anderen Mieter hatten. Denn das Feuer brach nur wenige Meter entfernt von der Gasanlage des Hauses aus. "Hätte das Feuer darauf übergegriffen, hier würde wohl nur noch die Hälfte des Hauses stehen", sagt Janine. Hätte Janine nicht so schnell gehandelt, nur wenige Minuten später wäre die Katastrophe wohl nicht mehr abzuwenden gewesen.

Unsere bisherige Berichterstattung:

Update, 29. Mai, 15.36 Uhr: Sie habe plötzlich einen penetranten Geruch wahrgenommen, berichtet die Frau, die am Donnerstagabend ihre Nachbarn vielleicht vor schlimmerem bewahrt hat. Die Geruchsspur habe schließlich zur Wohnungstür geführt, erklärt die junge Frau gegenüber unserer Redaktion. Sie habe diese dann geöffnet und da sei der Hausflur schon voller Rauch gewesen. Mutig machte sich die Frau dennoch auf den Weg, um der Ursache für den Qualm auf die Spur zu kommen. Im Keller wird sie schließlich fündig. Mit ihrem Handy ruft sie daraufhin die Feuerwehr hinzu.  

Frau aus Datteln wird als Heldin gefeiert 

Update, 28. Mai, 21.43 Uhr: In einigen Dattelner Facebook-Gruppen wird die Bewohnerin, die 21 Menschen vor möglicherweise Schlimmerem bewahrt hat bereits als Heldin gefeiert. "Du Heldin. Bin stolz auf dich", schreibt eine Nutzerin zum Beispiel. Ein anderer Nutzer vergibt sogar den Titel "Wonderwoman". Doch die angesprochen gibt sich bescheiden und schreibt kurz und knapp, dass ihr Handeln "selbstverständlich" gewesen sei.  

Update, 28. Mai, 20.51 Uhr: Mittlerweile ist der Einsatz am Westrem beendet worden. Keiner der Anwohner des Mehrfamilienhauses wurde verletzt. Das Haus ist nach Angaben der Feuerwehr auch weiterhin bewohnbar. Es sei lediglich noch etwas Rauchgeruch bemerkbar. Zur Ursache des Brandes konnte die Feuerwehr auch nach Beendigung ihres Einsatzes keine Angaben machen. Ob die Polizei ihrerseits Ermittlungen zur Ursache aufnehmen wird, ist noch unklar. 

Datteln: Das ist in dem Mehrfamilienhaus passiert

Um 18.51 Uhr wurde die Feuerwehr in Datteln zu einem Einsatz am Westrem gerufen. Dort brannte es im Keller eines Mehrfamilienhauses mit sechs Mietparteien. "In dem Haus sind 21 Personen gemeldet", berichtet ein Feuerwehrmann auf Nachfrage. Doch schon bei Ankunft der Einsatzkräfte am Ort des Geschehens erwartete die Feuerwehrleute gleich eine gute Nachricht. Eine Bewohnerin des Hauses hatte die den Rauch bemerkt, der durch den Brand im Keller aufstieg.

Datteln: Frau handelt instinktiv richtig

Die Frau hatte augenblicklich gehandelt und sämtliche Bewohner des Hauses alarmiert und somit dafür gesorgt, dass diese das Haus unbeschadet verlassen konnten. Dennoch überprüften die Einsatzkräfte der Dattelner Feuerwehr die Wohneinheiten, um sicherzugehen, dass auch wirklich alle Bewohner oder mögliche Gäste das Haus verlassen hatten. Gleichzeitig hatten mit Atemschutzgeräten ausgestattete Feuerwehrleute den Brand im Keller gelöscht. Zur Ursache konnte noch keine Angabe gemacht werden.

Über weitere Entwicklungen zu diesem Ereignis halten wir Sie hier auf dem Laufenden. Verfolgen Sie auch die weitere Berichterstattung in der Printausgabe der Dattelner Morgenpost oder in unserem ePaper.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Hauptsache, die Pässe sind korrekt...
Hauptsache, die Pässe sind korrekt...
FC Marl und BW Wulfen bündeln die Kräfte
FC Marl und BW Wulfen bündeln die Kräfte
BVB: Kündigung von Dauerkarten droht - wer jetzt die Chance auf das Stadion-Abo hat
BVB: Kündigung von Dauerkarten droht - wer jetzt die Chance auf das Stadion-Abo hat
Aktueller R-Wert: Reproduktionszahl fällt weiter
Aktueller R-Wert: Reproduktionszahl fällt weiter
Corona im Schlachthof: Erstattung von Lohnkosten? Tönnies will sich Geld vom Land zurückholen
Corona im Schlachthof: Erstattung von Lohnkosten? Tönnies will sich Geld vom Land zurückholen

Kommentare