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Wilhelm Schulte-Hubbert im Stall seiner Milchkühe - für ihre Milch bekommt er immer weniger Geld.

Preise sollen weiter fallen

Hintergrund der Bauern-Demo: Der letzte Milchbauer in Datteln bangt um seine Existenz

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Der letzte Dattelner Milchbauer führt seinen Hof in 20. Generation - doch nun soll er noch weniger Geld für seine Milch bekommen.

  • 60 Milchkühe stehen auf dem Hof von Wilhelm Schulte-Hubbert am Oelmühlenweg
  • 200.000 Liter produziert der letzte Milchbauer im Jahr
  • Discounter wie Aldi wollen mit ihren Lieferanten niedrigere Einkaufspreise für Milch verhandeln - Bauern demonstrieren

33 Cent bekommt Wilhelm Schulte-Hubbert ungefähr für einen Liter seiner Milch - laut dem Dattelner Milchbauern müssten es knapp 40 Cent sein, damit er die Betriebskosten decken und von dem Gewinn leben könnte.

Discounter wollen Preise senken - Bauern in Datteln demonstrieren

Von mehr Geld ist aber keine Spur: Die Discounter verhandeln aktuell über eine Senkung des Einkaufspreises für Milch. 

Sie argumentieren mit einem Überangebot am Markt. Dagegen protestierten landesweit am Sonntag, 8. Mai, Bauern mit Treckern vor Aldi-Zentrallagern. Auch in Datteln an der Emscher-Lippe-Straße fuhren knapp 50 Bauern vor.

In Deutschland gebe es strenge Auflagen für die Milchqualität. In Polen sei das beispielsweise nicht so - folglich sparen die Bauern dort in der Produktion ein und können die geringen Einkaufspreise eher tragen, kritisiert Schulte-Hubbert.

„Ich fühle mich richtig allein gelassen“, sagt Wilhelm Schulte-Hubbert, „man kann einfach nichts tun.“ Wenn der Milchpreis nun noch weiter in den Keller fällt, muss auch der letzte Milchbauer in Datteln irgendwann aufgeben.

Bauern-Chef aus Datteln mit Appell: "Investiert 30 Cent mehr für den Liter"

Laut Heinz Boller, Chef des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, handeln die Discounter aus marktwirtschaftlichen Gründen: In Folge der Coronavirus-Gefahr, bestehen auf den Weltmärkten wie Chicago und Paris zurzeit Unsicherheiten. 

Weil Deutschland der fünftgrößte Milchproduzent der Welt ist und 31 Millionen Tonnen Milch produziert, besteht ein Überangebot. Jeder Deutsche - von Kleinkind bis Senior - müsste am Tag einen Liter Milch in Form von Trinkmilch, Käse, Joghurt etc. verbrauchen.

Weil das Angebot groß ist, die Nachfrage aber nur begrenzt, führt das in der Marktwirtschaft zu niedrigeren Preisen. Bollers Appell: „Liebe Verbraucher, kaufen Sie nicht die Billigmilch. Geben Sie 30 Cent mehr für den Liter aus, dann kommt auch mehr beim Erzeuger an.“

Nachversorgung in Datteln wichtig - leere Regale in Supermärkten

Und nur dann gebe es in bisher noch unvorhersehbaren Fällen eine funktionierende Nahversorgung. Die aktuellen Ereignisse rund um das Coronavirus würden die Notwendigkeit dafür unterstreichen, damit Regale in Supermärkten nicht leer bleiben.

Auch beim Thema Rinderfilet schlug Heinz Boller kurz vor Weihnachten Alarm - das Fleisch gab es im Discounter zum unschlagbaren Preis.

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