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An Weihnachten ist Rinderfilet für das Festessen sehr beliebt. Ein Discounter lockte nun mit Billig-Preisen.

Angebote vor dem Weihnachtsfest

Rinderfilet zum unschlagbaren Discounter-Preis: Dattelner Bauer schlägt Alarm

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  • Randolf Leyk
    Randolf Leyk
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Mit Rinderfilet  aus Neuseeland zum Billig-Preis warb eine große Discounter-Kette kurz vor dem Weihnachtsfest. Dattelner Bauern können da nicht mitziehen.

  • UPDATE 25.12.18:00

Das Thema polarisiert auch unsere Leser und User. Gerade auf Facebook wird darüber diskutert. Die Meinungen gehen auseinander. Auf der einen Seit wird argumentiert, dass man für gutes Fleisch aus der Region auch etwas mehr bezahlen kann. Auf der anderen Seite beklagen sich Menschen, dass sie sich ansonsten hochwertiges Fleisch nicht leisten könnten. Teils ist sogar die Angst vor der "Planwirtschaft" Inhalt eines Posts.

  • Für 24,99 Euro pro Kilogramm verkaufte eine große Discounter-Kette vor Weihnachten Rinderfilet aus Neuseeland.
  • Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins in Datteln, Heinz Boller, sieht das kritisch. Heimische Landwirte müssten deutlich strengere Auflagen erfüllen und müssten den doppelten Preis pro Kilo nehmen.
  • In Neuseeland sowie südamerikanischen Ländern werde laut Boller stark auf Massentierhaltung gesetzt. Er spricht von Wettbewerbsverzerrung.

Heinz Boller, der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins, staunte aber nicht schlecht, als er ein Prospekt eines Discounters aufschlug: Ein Kilogramm Rinderfilet aus Neuseeland für 24,99 Euro. Der Preis ist unschlagbar und hat laut Boller sicherlich eine Menge Kunden verschiedener gesellschaftlicher Schichten angezogen. 

Doch Boller schlägt nun Alarm. Mit Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder Regionalität habe dieses Angebot nichts zu tun. Denn ein Dattelner Rinder-Bauer kann diese Preise nicht mitgehen. Ein Kilo Filetstück seiner Rinder kostet im Handel zwischen 50 und 55 Euro.

Datteln: Ahsener Bauer verdient kaum etwas an seinen Rindern

Boller erklärt die Misere am Beispiel von Hermann Vockmann. Der hält Mutterkühe in Weidehaltung an der Lippe in Ahsen. Die Kälber verkauft er mit sechs bis acht Monaten an Mäster. Für männliche Tiere erhält er knapp 800 Euro, bei weiblichen sind es 500 Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Verkaufspreis seiner Kühe von knapp 3,50 Euro auf 2,96 Euro gesunken. So erhält Vockmann nun knapp 100 bis 150 Euro weniger für seine Kühe. Für seine Arbeit bekommt der Dattelner Bauer immer weniger Lohn – laut Heinz Boller führt das zu Überlegungen, die Produktion einzustellen.

Der Preisverfall hängt für Boller mit dem Freihandelsabkommen der EU zusammen. „Hier wurde den südamerikanischen Staaten ein bevorzugtes Zollhandelskontingent von 99.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr eingeräumt. Und jetzt noch Billigfleisch aus Neuseeland“, sagt Boller. Dort werde seit Jahren auf Massenproduktion gesetzt – allein in den vergangenen 30 Jahren hat sich der Milchviehbestand verdreifacht. 50 Prozent der Treibhausgasemissionen sollen in Neuseeland aus der Landwirtschaft kommen. Auch in Argentinien ist der Schein von freilaufenden Rindern überholt: Massentierhaltung und Aufzucht mit genmanipuliertem Futter seien hier an der Tagesordnung.

Datteln: "Wettbewerbsverzerrung" - hohe Auflagen für deutsche Bauern

Für Heinz Boller ist das „Wettbewerbsverzerrung“. In Deutschland sei die Erzeugung mit hohen Anforderungen an Tierhaltung und Tiertransporte verbunden. Für Importware gelten hingegen andere, lockerere Anforderungen. „Wer Lebensmittel unterhalb der hiesigen Erzeugungskosten verhökert, handelt unmoralisch und entwürdigt die hiesigen Produzenten“, sagt er. Gerade bei Discountern sei das Bestreben, einen Kompromiss zwischen reinem marktwirtschaftlichen Gewinnstreben und nachhaltiger Lebensmittelerzeugung zu erlangen, längst nicht angekommen.

Ändern werde sich erst etwas, wenn Verbraucher sich für regionale Lebensmittel entscheiden. „Anlass genug, sich in der besinnlichen Zeit einmal Gedanken zu machen“, sagt Heinz Boller.

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