Dennis Horn und Christiane Heidrich in voller Corona-Schutzmontur: Die Stationsleiterin hat ein sogenanntes Sp02-Gerät in der Hand, mit dem der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen wird
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Dennis Horn und Christiane Heidrich in voller Corona-Schutzmontur: Die Stationsleiterin hat ein sogenanntes Sp02-Gerät in der Hand, mit dem der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen wird

Alltag der Pflegekräfte

Keine Prämie für die „Corona-Helden“ - ein Blick in die Corona-Stationen am St.-Vincenz-Krankenhaus

  • Fabian Hollenhorst
    vonFabian Hollenhorst
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  • Uwe Wallkötter
    Uwe Wallkötter
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Im Frühjahr wurden die Pflegekräfte in den Krankenhäusern öffentlich beklatscht und als Corona-Helden gefeiert. Politiker ergossen sich in Lobeshymnen. Was ist davon übrig geblieben?

„Gar nichts“, sagen Christiane Heidrich und Dennis Horn. Eine enttäuschende Entwicklung, da sind sich die zwei Krankenpfleger einig, die quasi an vorderster Corona-Front im St. Vincenz kämpfen. Die Waltroperin leitet die „Corona-Station“ im Erdgeschoss – die E-Station –, wo die bestätigten Covid-19-Fälle behandelt werden.

Dennis Horn leitet die Station 4. Das ist in normalen Zeiten der Wahlleistungsbereich des Krankenhauses. Aktuell ist die Hälfte der Station freigezogen. Das dortige Pflegeteam unterstützt die E-Station personell. In der zweiten Hälfte der Station 4 werden Verdachtsfälle betreut.

Datteln: Corona-Prämie für die Helden - doch nicht am St. Vincenz-Krankenhaus

Für die „Helden“ stellte die Bundesregierung damals eine Corona-Prämie in Aussicht. Jetzt ist diese ausgezahlt worden. Doch der Großteil der Krankenhäuser ging leer aus. Auch das St. Vincenz erreichte nicht die vorgegebene Zahl von 20 Corona-Fällen im Zeitraum 1. Januar bis 31. Mai.

Für Wolfgang Mueller, Geschäftsführer am St. Vincenz, ist das ein trauriges Kapitel, die Prämie sei ein „Rohrkrepierer“. Er kritisiert, dass die Regierung im Vergleich zu den Krankenhäusern für die Pfleger in Altenheimen ein Vielfaches an Prämie zur Verfügung gestellt habe.

Als im November die Fallzahlen nach oben schnellten und die Corona-Station mit mehr als 20 Patienten an ihre Grenzen stieß, wurden Covid-19-Patienten, die zwar keine Symptome mehr zeigten, aber noch positiv getestet wurden, ins Laurentiusstift nach Waltrop verlegt. „Wir mussten für freie Kapazitäten auf der E-Station sorgen“, sagt Wolfgang Mueller. Man wisse nie, wie sich die Situation entwickle.

Datteln: So arbeiten die Krankenpfleger auf der Corona-Station

Die Arbeit auf der „Corona-Station“ sei nicht mit der normalen Arbeit vergleichbar, betonen Dennis Horn und seine Kollegin. Allein schon das ständige An- und Ausziehen der besonderen Schutzkleidung sei zeitaufwendig. Vor jedem Gang in eines der Patientenzimmer muss der Körperschutz angelegt werden und wandert anschließend in den Müll.

„Die Verunsicherung ist bei den Covid-19-Patienten größer als bei anderen Erkrankten. Da müssen wir als Pfleger alles geben“, beschreibt die Waltroperin ihre Arbeitssituation. „Die nötige Zeit für Gespräche mit den Patienten nehmen wir uns. Schließlich sind wir Pflegekräfte mit Leib und Seele.“

Erschwerend komme hinzu, dass die Patienten keinen Besuch empfangen dürfen. Ein extremer Ausnahmezustand auch für die Angehörigen. Deshalb nehmen sich Christiane Heidrich und ihre Kollegen auch viel Zeit, um die Angehörigen über Telefon über den Zustand des Erkrankten umfänglich zu informieren.

Datteln: Die Wertschätzung fehlt - „wie es den Pflegekräften geht, fragt niemand mehr“

Was Dennis Horn ärgert, ist die fehlende Wertschätzung für die Arbeit der Pflegekräfte und ihre besondere Arbeitssituation in Corona-Zeiten. Vom Applaus des Frühjahres ist nichts mehr zu hören. Stattdessen rücken aus seiner Sicht die Zahlen über Bettenkapazitäten und Beatmungsplätze in den öffentlichen Fokus. „Wie es den Pflegekräften geht, fragt niemand mehr.“

Aber er macht die Situation in den Kliniken nicht nur an der Pandemie fest. „Die Pflege hatte schon vor Corona ein Imageproblem. Dabei handelt es sich hier um topausgebildete, multiprofessionelle Fachkräfte mit Staatsexamen. Aber die Leute haben ein ganz anderes Bild von uns.“

Für Dennis Horn gebe es ein ganz einfaches Zeichen für mehr Wertschätzung des Pflegepersonals. „Die Leute sollen sich einfach strikt an die Hygieneregeln halten. Das würde uns die Arbeit schon erleichtern, weil die Infektionszahlen dann sinken.

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