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Am Freitag sagte der Angeklagte vor dem Landgericht Bochum aus. 

Missbrauch

62-facher Missbrauch an Frauen und Kindern: Was weiß die Ex-Frau?  

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Ein 54-jähriger Briefzusteller steht wegen Missbrauch in 62 Fällen vor dem Bochumer Landgericht. Insgesamt habe er sich an elf Opfern vergangenen - überwiegend Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Nun wird seine Ex-Frau vor Gericht erwartet. Dabei wird es sicher auch um die Frage gehen: Wusste sie von den Neigungen ihres Ex-Mannes? 

Update 17. September

Der Prozess gegen den 54-Jährigen wird seit Dienstag, 17. September, am Bochumer Landgericht fortgesetzt. Drei Verhandlungstage sind für diese Woche angesetzt. Am Mittwoch, 18. September, wird unter anderem die Ex-Frau erwartet. 

Angeklagter aus Datteln zeigt sich geständig

Bislang zeige sich der Mann weitestgehend geständig, sagt Katja Nagel, Pressesprecherin am Landgericht Bochum. Jedoch mit leichten Abweichungen. Zwar macht er seine Aussagen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit, trotzdem sind durchgehend zwei Sachverständiger anwesend, die ihn beobachten. 

„Sie sind mit der Erstellung eines Gutachtens hinsichtlich der Anordnung einer Sicherungsverwahrung befasst“, so Nagel. Alle gesammelten Eindrücke würden dann in diese Entscheidung einfließen

Vier weitere Verhandlungstage sind für die nächsten Wochen angesetzt - die Möglichkeit bestehe aber, dass es noch mehr werden.

Update am 6. September

Kurz vor dem Aus stand der Missbrauchs-Prozess um den Briefzusteller aus Datteln. Weil ein Schöffe den Angeklagten voreingenommen als Lügner hingestellt haben soll, stand am Bochumer Landgericht ein Befangenheitsantrag im Raum.

Schöffe wirkte gegenüber Dattelner nicht unparteiisch

Der Schöffe soll sich während des letzten Verhandlungstages außerhalb der Hauptverhandlung einem der Opferanwälte gegenüber abfällig über den Angeklagten ausgelassen haben. „Schon nach den ersten 30 Sekunden war mir klar, dass der lügt.“ So oder so ähnlich soll der Schöffe über den Angeklagten gesprochen haben. 

Dabei ist ein Schöffe dazu verpflichtet, unparteiisch zu sein. Mit einer solchen Aussage, wenn er sie denn getroffen hat, hat er dagegen verstoßen. 

Angeklagter aus Datteln wollte nicht von vorn beginnen

Zur Ablösung des Schöffen folgte seine Äußerung aber nicht. Denn der Angeklagte verzichtete auf einen Befangenheitsantrag und entschied sich ausdrücklich gegen eine Ablehnung des Schöffens. 

Der Angeklagte wollte mit Blick auf die Opfer vermeiden, dass der Prozess "platzt" und möglicherweise in einigen Wochen noch einmal ganz von vorne beginnen muss.


Update am 3. September

Völlig neben der Spur sei ihre elfjährige Tochter gewesen, als sie nach einer Übernachtung im Haus des Angeklagten wieder zu Hause auftauchte. „Als sie wieder zu Hause war, ist meiner Frau und mir sofort aufgefallen, dass unsere Tochter extreme Stimmungsschwankungen hatte“, erinnerte sich der Vater (46) als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht. „Sie kam nach oben und hat mich sofort ganz mürrisch angeschaut“, ergänzte die Mutter (42). „Danach hat sie angefangen, rumzuschreien und nur noch geweint.“

Mehrmals habe das Mädchen seltsam die Augen verdreht und sei getaumelt. 

Eltern hatten Prozess in Datteln ins Rollen gebracht - und damit weitere Missbrauchstaten verhindert

Am Dienstag, 3. September, standen die Zeugen vor dem Bochumer Landgericht, die die Ermittlungen gegen den Angeklagten Ende 2018 in Gang gesetzt haben. Dadurch haben sie mögliche weitere Missbrauchstaten des Dattelners verhindern können. 

Anzeige hatten die Eltern der Elfjährigen erstattet, nachdem in der Kinderklinik in Datteln massiv erhöhte Werte eines starken Beruhigungsmittels im Blut des Mädchens gefunden wurden.  

Es war nicht die erste Nacht in der Wohnung des Angeklagten in Datteln

Eigentlich, so der Vater des Opfers, durfte das Mädchen gar nicht mehr bei dem Sohn des Angeklagten übernachten. "Sie hatte mir schon beim letzten Mal erzählt, dass der Angeklagte ihr so komisch nahegekommen sei“,  erinnert sich der Vater.

Dann habe die Tochter vor dem 29. Dezember 2018 aber zu Hause regelrecht gebettelt, wieder dort übernachten zu dürfen, weil der Angeklagte ihr angeblich ein Paar Schuhe versprochen hatte. Nur deshalb durfte sie dort noch einmal schalfen. 

Das Mädchen weiß bis heute von den Taten nichts.

So ist der Prozess bis jetzt verlaufen:

30. August

Mit einem weitreichenden Geständnis ist am Freitag am Bochumer Landgericht der Missbrauchs-Prozess gegen den Briefzusteller (54) aus Datteln fortgesetzt worden. Das Geständnis wurde jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgelegt. 

"Geheimhaltung erforderlich": Dattelner sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Grund dafür sei, so die Richter der 8. Strafkammer, dass der 54-Jährige Umstände aus der Intimsphäre sowie eventuell auch sexuelle Vorlieben preisgeben werde . Deshalb sei "Geheimhaltung erforderlich", um die Privatsphäre des Mannes zu schützen. 

„Mein Mandant hat umfänglich ausgesagt und dabei weitestgehend geständige Angaben gemacht“,  versichert Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff.

Offenbar wurden auch bereits die ersten Videosequenzen von den sexuellen Übergriffen auf betäubte Frauen und Mädchen durch den Angeklagten abgespielt.

9.August

Am 9. August startete der Prozess gegen den 54-jährigen Briefzusteller aus Datteln. Am Freitag, 30. August, steht der Mann, der wegen des 62-fachen Missbrauchs von elf Frauen und Kindern angeklagt ist, zum zweiten Mal vor dem Landgericht Bochum

Er hat angekündigt, auszusagen. Im Februar wurde er bereits festgenommen. 

Ex-Frau vom Dattelner will im September aussagen

Die Ex-Frau des Angeklagten soll am dritten Prozesstag, am 18. September, aussagen. 

Sie will in einem anderen Verfahren einer Richterin mitgeteilt haben, dass sie auf dem PC des Angeklagten kinderpornografische Inhalte gefunden habe.

Gefundene Datenträger in Wohnung in Datteln konnten Geschädigte identifizieren

Bei einer Durchsuchung der Wohnung haben die Polizisten einen Datenträger mit kinderpornografischen Bildern und Videos entdeckt, durch diese die Geschädigten identifiziert werden konnten. Insgesamt sind es elf Opfer. 

62 schwere Sexualdelikte in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung werden dem Dattelner vorgeworfen. 

Der Dattelner hat seine Opfer erst wehrlos gemacht, um sich an ihnen zu vergehen

Einige der Opfer erfuhren erst durch die Polizei, dass sie von dem Angeklagten missbraucht und misshandelt wurden. 

Er mischte Betäubungsmittel in Cola oder Milchshakes, um sich dann an den wehrlosen Opfern zu vergehen. Dabei soll er Selbstgespräche geführt haben und mit Filetiermessern oder Nadeln hantiert und auch Verstümmelungen im Brust- und Intimbereich seiner Opfer angedeutet haben. Sogar Freundinnen des eigenen Sohnes zählen zu den Opfern. 

Einmal soll die Mutter eines der Opfer dabei zugesehen haben, ohne einzugreifen. 

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