Können in ihren Kleingärten auch Urlaub machen: (hinten v. li.) Antje Stolpmann, Heike Jaschke, Ilona Augustin, Bülent Dogan, (vorne v. li.) Dieter Schmoller, Heinrich Pellinger, Renate Brand und Frank Schwindling.
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Können in ihren Kleingärten auch Urlaub machen: (hinten v. li.) Antje Stolpmann, Heike Jaschke, Ilona Augustin, Bülent Dogan, (vorne v. li.) Dieter Schmoller, Heinrich Pellinger, Renate Brand und Frank Schwindling.

Gärten am Neuen Weg

Höllische Nachbarn - Kleingärtner wehren sich gegen Vorwürfe: "Wir sind kein Drogen-Umschlagplatz"

  • Fabian Hollenhorst
    vonFabian Hollenhorst
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Der Ärger an der Kleingarten-Anlage am Neuen Weg geht weiter: Jetzt erheben Nachbarn schwere Vorwürfe - Die Pächter sind erschüttert.

  • Die Kleingarten-Parzellen am Neuen Weg dürfte es offiziell gar nicht geben
  • Bei der Stadt Datteln ist die Fläche als Grabeland eingetragen
  • Nach dem Besuch von städtischen Mitarbeitern haben die Pächter nun Angst um ihr Idyll

Update, 3. Juli 15.55 Uhr: Die Kritik der anonymen Nachbarn hat die Kleingarten-Gemeinschaft wie ein Schlag getroffen. Heike Jaschke kann nicht verstehen, warum die anonyme Nachberin nicht in einen offenen Dialog tritt. Die Nachbarin nenne die Kinder und ihr Auto als Grund. "Aber wir sind doch keine Halunken, die jetzt mutwillig etwas zerstören oder Kindern angst machen", sagt Jaschke. Und als Drogen-Umschlagsplatz will sie ihren Kleingarten nicht abstempeln lassen. Seitdem dem dafür verantwortlichen Pächter gekündigt worden sei, habe es keine Probleme mehr in der Kleingarten-Anlage gegeben.

Datteln: Kleingarten-Gegner zum Gespräch bei Bürgermeister André Dora

Die Kleingarten-Gegner haben derweil einen Termin bei Bürgermeister André Dora, um ihre Sicht der Dinge darzustellen, bestätigt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. Man wolle eine Lösung finden, die "alle Beteiligten zufrieden stellt", hatte der Bürgermeister zu dem Kleingarten-Streit gesagt. Das Gesrpäch wollen nun auch Heike Jaschke und ihre Mit-Pächter suchen, sagen sie.

Update, 3. Juli, 14 Uhr: Nach Beschwerden von Nachbarn wurde die Stadt Datteln auf das rechtlich nicht genehmigte Kleingarten-Idyll am Neuen Weg in Meckinghoven aufmerksam. Im Zuge der Berichterstattung haben sich diese Nachbarn aus den angrenzenden Häusern nun zu Wort gemeldet. 

Datteln: Kleingarten-Parzelle wird zum Drogen-Umschlagplatz

Und die erheben schwere Vorwürfe: Auch seitdem der Pächter, der als Ursprung der Probleme mit der Stadt gilt, gekündigt wurde, gibt es weiterhin Lärm- und Geruchsbelästigung. Die Pächter-Gemeinschaft hält dagegen.

Einer der Pächter hat die Kleingarten-Anlage wohl jahrelang als Drogenversteck genutzt und von dort aus Deals abgeschlossen, beklagen die Kleingarten-Gegner. Als sie sich bei der Polizei über den süßlichen Geruch beschwerten, der aus dem Grundstück aufstieg, fanden die Beamten den Pächter in seiner Parzelle. Dort rauchte er gerade gemütlich einen Joint mit einem seiner Kunden. 

Datteln: Belästigung durch Kiffer-Gartenlaube - Probleme gehen weiter

Im späteren Prozess ging es dann um insgesamt sechs verkaufte Kilo Marihuana - das Urteil steht mittlerweile fest. Doch die Lärm- und Geruchsbelästigungen haben seitdem nicht aufgehört, beklagen die Nachbarn. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. "Wir haben Kinder, unserer Autos stehen an der Straße und wir wohnen hier", nennen sie ihre Gründe. Sie klagen über laute Feiern bis in die frühen Morgenstunden. Auch zum Räuchern würden die Kleingarten-Parzellen "missbraucht" werden, sagen sie.

Datteln: Laute Feiern bis tief in die Nacht - Kleingärtner halten dagegen

"Von 100 Freitagen wird dort 98 Mal gefeiert", lautet der Vorwurf. Und diese Feiern würden bis tief in die Nacht gehen. Bei der Polizei sind Dauer-Einsätze an der Kleingarten-Anlage derweil nicht bekannt. Man sei aber schon einmal wegen lauter Musik am Neuen Weg gewesen, bestätigt Polizei-Sprecherin Ramona Hörst. 

Laut Heike Jaschke von den Kleingärtnern käme dieser Lärm aber aus den Häusern am Neuen Weg und nicht aus der Gartenanlage. Sie und ihre Mit-Pächter würden sich über einen offenen Dialog mit den Nachbarn freuen, den es bis jetzt nicht gegeben habe. Schließlich wohnt der Großteil der Kleingärtner ebenfalls in den angrenzenden Häusern.

Unsere Erstberichterstattung: Seit 30 Jahren stehen die Parzellen hinter Mehrfamilienhäusern am Neuen Weg zwischen Meckinghoven und Horneburg. Erst jetzt stellte sich heraus, dass sie das überhaupt nicht dürfen. Die Kleingärtner haben Angst, ihre schönen Anlagen zu verlieren.

Datteln: Personen inspizieren die Anlage - Pächter in Sorge

"Wir sind eine Gemeinschaft“, sagt Pächterin Heike Jaschke. Doch nicht das schöne Wetter hat den Großteil der Kleingärtner einem sonnigen Tag im Garten von Heike Jaschke zusammengeführt – sie suchen nach Lösungen, ihre „grüne Oase“ behalten zu dürfen. Seit Anfang März hatten die Pächter immer wieder Personen bemerkt, die die Anlage genaustens inspiziert haben. 

Wie sich herausstellte, waren es städtische Mitarbeiter. Hintergrund ist, dass die Parzellen auf den Plänen der Stadt Datteln überhaupt nicht auftauchen. Aufmerksam wurde die Stadt auf die Kleingärtner erst, weil es Beschwerden aufgrund von Lärm- und Geruchsbelästigung gab. Dem verantwortlichen Mieter sei seitens des Verpächters schon lange gekündigt worden, beteuern die Kleingärtner, doch die Probleme fingen damit erst an.

Datteln: 30 Jahre Arbeit wären für die Kleingärtner dahin

Das Problem: Bei der Stadt ist der schmale Streifen, auf dem die Kleingarten-Anlage steht, als Grabeland eingetragen. Das schließt eine Kleingartennutzung aus – es dürften keine Überdachungen oder Holzhütten gebaut werden und bei der Bepflanzung müssten sich die Pächter an striktere Regeln halten. Das bedeutet: Laut Gesetz müssten die Kleingärtner ihre Parzellen zurückbauen – 30 Jahre Arbeit wären dahin.

Datteln: Stadtverwaltung arbeitet an Lösungen

Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an einer Lösung, „die alle Beteiligten zufriedenstellt“, erklärt Bürgermeister André Dora. Genauere Angaben könne die Stadtverwaltung zurzeit allerdings noch nicht machen. Aktuell ist man bei der Stadt auch auf der Suche nach einem Müll-Sünder.

Nach einer Besichtigung vor Ort pocht vor allem die Wählergemeinschaft Die Grünen auf einen Erhalt der „grünen Oase“. Zahlreiche Campingplätze habe man auch erst im Nachhinein rechtlich genehmigt - das solle jetzt auch bei den Kleingarten-Anlagen geschehen.

Die Geschichte des Jungen (9), der am Straßenrand um Futtergeld für seine Hündin bettelte, könnte derweil schon jetzt ein Happy-End nehmen.

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