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Ellen Kempny aus Datteln hat von ihrer Mutter Fossilien geerbt: einen Fellnashornzahn und eine versteinerte Auster.

Dattelnerin findet Familienerbstück

Historischer Fund im Wohnzimmerschrank - soviel ist das 200.000 Jahre alte Fossil wert

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  • Sarah Kuhlmann
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Die Dattelnerin Ellen Kempny wollte eigentlich nur die Wohnung in Hachhausen ausräumen, da findet sie ein fast vergessenes Familienerbstück wieder.

  • Im Jahr 1927 fanden die Großeltern von Ellen Kempny bei Ausschachtungen für ein Wohnhaus in Hachhausen einen alten, dicken Zahn und eine versteinerte Auster.
  • Er stammte von einem Fellnashorn, das wie Mammuts seit langer Zeit ausgestorben ist.
  • Das ausgestorbene Fellnashorn, auch Wollnashorn genannt, war in der Eiszeit vor etwa 550.000 bis 12.000 Jahren in Asien und Europa verbreitet.

Nashörner in Hachhausen, geht das? Ja, das geht. Die Tiere breiteten sich in der letzten Eiszeit von Asien nach Europa aus und haben offenbar auch auf dem Gebiet des heutigen Dattelns gegrast. Jahrelang war der Zahn zuerst im Besitz ihrer Großeltern. Nun kam es bei einer Räum-Aktion wieder zum Vorschein.

Datteln: Historischer Zahn soll gegen Geschenk eingetauscht werden

Fellnashörner, auch Wollnashörner genannt, besaßen zwei Hörner und im Gegensatz zu den heutigen Nashörnern ein dichtes Fell. Das Nashorn war etwa dreieinhalb Meter lang und ein einhalb Meter hoch und besaß ein Körpergewicht zwischen 1,5 und 2,9 Tonnen.

200.000 Jahre alter Fund in Datteln | cityInfo.TV

200.000 Jahre alter Fund in Datteln | cityInfo.TV

Als Ellen Kempny etwa zwölf Jahre alt war, wollte sie das Familienerbstück auf eigene Faust verkaufen, um ihrer Mutter ein Geschenk zum Muttertag machen zu können. Als der Museumsmitarbeiter aber bei ihren Eltern nachfragte, ob die Zwölfjährige das auch dürfe, flog ihr Plan an schnelles Geld zu kommen auf. 

Datteln: Großer wissenschaftlicher Wert für die Forschung

Viel Geld hätte sie für den Zahn sowieso nicht bekommen - auch heute nicht. Bianca Fialla, Sprecherin des LWL-Naturkundemuseums in Münster, schätzt auf Nachfrage unserer Redaktion den Wert heute auf etwa 30 bis 50 Euro. Der Wert in Euro sei zwar nicht hoch, aber für das Museum ist der Zahn „wissenschaftlich wertvoll“, sagt Bianca Fialla. 

Die Dattelnerin hat sich dazu entschlossen, das 200.000 bis 300.000 Jahre alte Fundstück an das Museum in Münster zu spenden. „Einen solchen Beleg zu bekommen, ist wichtig. Schließlich haben wir den Auftrag, so etwas für die Nachwelt zu erhalten", sagt Museumssprecherin Fialla.

Die versteinerte Auster scheint sogar mehrere Millionen Jahre alt zu sein. Auch sie wird in die Hände des Museums übergeben. Dann werden die Funde für die wissenschaftliche Arbeit genutzt. „Sie werden für die Sammlung aufgearbeitet, die für Forscher bereitgestellt wird“, sagt Fialla. „Wir sind immer froh, wenn sich die Menschen bei uns melden.“ Denn nur so könne Geschichte erhalten bleiben. 

Gehören neben Fellnashörnern und Mammuts auch Wälder bald schon der Geschichte an? Ein Wetterexperte glaubt, dass es schon bald keine mehr geben wird.

Aktuell ist Datteln weniger für seine Fossilien-Funde als für das umstrittene Kraftwerk Datteln 4 deutschlandweit im Fokus - im Sommer 2020 soll das Kohlekraftwerk ans Netz gehen.

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