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Die lilafarbene Weste mit der Aufschrift Notfallseelsorge trägt Burghard Scislowski nur bei größeren Einsätzen, um inmitten der Einsatzkräfte als Seelsorger erkannt zu werden.

Ehemaliger FBS-Leiter als Notfallseelsorger im Einsatz

21 Mal mit dem Tod konfrontiert -  Dattelner traf ungewöhnliche Entscheidung für Ruhestand

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Dieser Dattelner Retner steht Menschen bei, die gerade einen lieben Angehörigen oder einen ihnen nahestehenden Menschen verloren haben - er ist Notfallseelsorger.

  • Burghard Scislowski war jahrelang Leiter der Familienbildungsstätte in Datteln. 2016 ging der heute 69-Jährige in den Ruhestand.
  • Ein halbes Jahr später meldet sich der dreifache Familienvater für eine, für viele andere ungewöhnliche Ausbildung an: Er ist Notfallseelsorger im Kreis Recklinghausen geworden.
  • Seine erste Bereitschaft hat Scislowski im September 2017. 238 Mal hat er sich seit dieser Zeit für den Bereitschaftsdienst eingetragen. 21 Mal wurde er zu Einsätzen gerufen.

Schon als Leiter der Familienbildungsstätte spürt Burghard Scislowski, dass der Tod ein verdrängtes Thema in der Gesellschaft ist. „Viele tun so, als könnten sie den Tod aus der Familie hinausschieben oder tun so, als könnte man dem entkommen. Aber wir müssen uns der Realität stellen“, sagt der heute 69-Jährige. Schon in seinem aktiven Arbeitsleben wurde er in Trauergruppen oder Hospizbegleiter-Kursen mit dem Tod konfrontiert. 

Datteln: Notfallseelsorger als "Botschafter der Realität"

Sechs Monate dauert die Ausbildung zum Notfallseelsorger, von denen es rund 90 im Kreisgebiet gibt. Es geht bei der Ausbildung auch um Rituale der Trauerbegleitung und auch um die eigene Einstellung bei diesem Thema. Seine erste Bereitschaft hat Scislowski im September 2017. „Egal, wie schlimm es ist, ich bleibe und halte mit aus", beschreibt Scislowski seine Arbeit.

Die Vorstellung, dass man als Seelsorger Trost spende, sei schon mal falsch. „Was geschehen ist, kann niemand ungeschehen machen.“ Er selbst sieht die Notfallseelsorger als „Botschafter der Realität“. Die wichtigste Aufgabe sei es, diese Realität so liebevoll wie möglich und der jeweiligen Situation entsprechend zu vermitteln.

Datteln: "Klappe halten und zuhören" ist manchmal hilfreich

„Manchmal ist es hilfreich, einfach die Klappe zu halten und zuzuhören. Und es ist auch nicht verkehrt, ehrlich die eigene Ratlosigkeit zuzugeben.“ Er erinnert sich an einen schlimmen Verkehrsunfall, bei dem er rund zwei Stunden vor Ort war und gefühlt vielleicht zehn Sätze gesprochen hat.

Wichtig sei, den betroffenen Personen Orientierungshilfe in dieser Ausnahmesituation zu geben. Zum Beispiel im Falle einer unklaren Todesursache, bei der die Kripo übernimmt, den Menschen zu erklären, was gleich passiert. Dass der Leichnam gleich abtransportiert wird für weitere Untersuchungen der Polizei und ob sie sich jetzt verabschieden wollen von ihrem gerade verstorbenen Angehörigen.

Datteln: 21 Mal mit dem Tod konfrontiert - auch an Weihnachten

21 Einsätze, das bedeutet 21 Mal die Konfrontation mit dem Tod. Er hat es sich angewöhnt, den anonym gehaltenen internen Bericht zu dem Einsatz, für den er eigentlich ein bis zwei Wochen Zeit hat, direkt nach dem Einsatz zu schreiben. Dabei hört er oft gregorianische Gesänge. „Das gibt mir das Gefühl, dass der Einsatz für mich jetzt zu Ende ist.“

Gut möglich, dass sich der Dattelner auch an den Weihnachtstagen für den Bereitschaftsdienst einträgt und er raus muss zum Einsatz, während andere ihren Festbraten essen. Der Tod macht eben keine Pause, auch nicht an Weihnachten.

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