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Der Herr der Zahlen: Kämmerer Hans-Jürgen Büker wechselt am 30. Juni in den Ruhestand.

470.000 Euro

Der Finanzpuffer wird etwas größer

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Datteln - Der Kreistagsbeschluss von Anfang Januar bringt einen Überschuss von 470.000 Euro. Für den Kämmerer heißt es Abschied nehmen.

Das Finanzjahr 2019 beginnt für Datteln mit einer guten Nachricht. Der Kreistag hatte im Januar beschlossen, die Städte bei der Kreisumlage zu entlasten – und zwar um 30 Mio. Euro. Möglich wurde das, weil SPD und CDU zusätzlich 15 Mio. Euro aus der Rücklage des Kreises freigaben. Für Dattelns Stadtkasse bedeutet das einen zusätzlichen Überschuss von rund 470.000 Euro, sagt Kämmerer Hans-Jürgen Büker im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ein zusätzlicher Puffer, den wir gut gebrauchen können“, so Büker, der mit gemischten Gefühlen auf das Haushaltsjahr 2019 blickt. Denn für den 61-Jährigen heißt es in Kürze Abschied nehmen.

Nachfolge noch offen

Der in Waltrop lebende Kämmerer, quasi der „Finanzminister“ im Dattelner Rathaus, geht zum 30. Juni in die Ruhephase der Altersteilzeit. Wie es mit der Besetzung dieses wichtigen Amts in der Verwaltung weitergeht, dafür arbeitet Büker zusammen mit Personaldezernent Dirk Franke aktuell an einem Konzept. Offen ist die Frage, ob die Stelle extern besetzt wird, oder nur intern ausgeschrieben wird. Auch die Nachfolgeregelung für den Geschäftsführerposten bei der Stadtentwicklungs-Gesellschaft, den Büker innehat, ist noch offen.

2001 wechselte Büker von Köln in die Kanalstadt – zunächst als Kämmereileiter. Und er hat turbulente Zeiten erlebt. Zeiten, in denen zwischen Einnahmen und Ausgaben eine Lücke von rund 20 Mio. Euro klaffte. Er hat die Einführung des Neuen kommunalen Finanzmanagements begleitet, bei der die Finanzführung vom alten System der Kameralistik auf die doppelte Buchführung umgestellt wurde und Datteln erstmals eine exakte Vermögensbilanz aufstellte. Er war treibende Kraft, das neue Finanzzentrum der Städte Datteln und Waltrop an den Start zu bringen. Und er war seit 2012 maßgeblich an der Umsetzung des Stärkungspaktes beteiligt, der inzwischen dazu geführt hat, dass Datteln seit 2016 ohne neue Schulden auskommt – das allerdings durch drastische Steuererhöhungen auch auf dem Rücken der Bürger.

Keine Möglichkeit zur Steuersenkung vor 2021

Büker weiß, dass das harte Eingriffe waren. Und er macht auch kein Hehl daraus, dass er mit Blick auf die Attraktivität der Wohn- und Arbeitsstadt Datteln die Steuersätze liebend gerne wieder senken würde. Aber dafür sieht der Kämmerer noch keine Möglichkeit – zumindest nicht vor 2021, in dem Jahr läuft die Millionenförderung des Landes durch den Stärkungspakt aus. Er räumt selbst ein, dass er am Anfang sehr skeptisch gewesen sei, das Ziel des Stärkungspaktes – ausgeglichene Haushalte – hinzubekommen. Umso mehr freut er sich jetzt darüber, dass Datteln auf einem guten Weg sei. Positiv bewertet er vor allem, dass die kurzfristigen Kassenkredite von 100 auf inzwischen gut 70 Mio. Euro reduziert werden konnten. Für Büker sind diese damit aber immer noch viel zu hoch, weil hier Steuergeld ausgegeben wird, für dass es – anders als bei Investitionskrediten – keinen Gegenwert gibt.

Ein Markenzeichen von Hans-Jürgen Büker war es in den zurückliegenden Jahren stets, bei der Erwartungshaltung der Politik trotz positiver Entwicklung auf die Bremse zu treten. Denn trotz mehrerer ausgeglichener Haushalte in Folge stuft Büker die Finanzlage Dattelns nach wie vor als schwierig ein. „Wir haben von der guten Konjunktur und den extrem niedrigen Zinsen profitiert“, betont der Kämmerer. Da diese Entwicklung aber nicht ewig dauern wird, rät Büker der Politik und auch seinem Nachfolger, mit Bedacht die weiteren Haushaltsjahre zu fahren und spricht sich dafür aus, den jüngsten Überschuss – bedingt durch den Kreistagsbeschluss – als Puffer für finanztechnische Fehlentwicklungen in 2019 bereit zu halten – und, falls nicht benötigt, damit weitere Schulden zu tilgen.

Mit Bürgermeister André Dora ist sich Büker einig: Mit Blick auf den nach wie vor zu großen Schuldenberg benötigt Datteln mittel- und langfristig Hilfe von Land und Bund, um die Altschulden loszuwerden. Aber darum braucht sich Büker als angehender Pensionär dann nicht mehr zu kümmern.

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