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Genießen den Herbst des Lebens im Garten (v. li.): .Hanna-Lisa Strauß, Wolfgang Sikorski, Erika Koczwara, Waltraud Sikorski, Erika Semmelmann, Ingeborg Sebbel, Karin Benda, Angelika Wolfsen, Elisabeth Berkenkamp und Ingrid Röwekamp.

Altwerden mit Freu(n)den

Gemeinsam durch den dritten Lebensabschnitt

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Datteln - Vor zehn Jahren begann ein großes Wohn-Abenteuer für einige Senioren. Sie beschlossen, ihren Lebensabend gemeinsam zu verbringen.

In einem Haus an der Josefskirche starteten sie ein neues Leben. Heute sagen sie: „Wir haben alles richtig gemacht.“

Das Wohnzimmer von Hanna-Lisa Strauß ist rappelvoll mit Menschen. Der Kaffee dampft in den Tassen, ein Teller mit Keksen steht auf dem Tisch. Vergnügtes Gelächter klingt durch den Raum. Es ist Zeit für einen Rückblick: Vor zehn Jahren begann das Wohnabenteuer von Hanna-Lisa Strauß (79) , Wolfgang (82) und Waltraud Sikorski (81), Erika Semmelmann (88), Ingeborg Sebbel (75), Karin Benda (82), Elisabeth Berkenkamp (78) und Ingrid Röwekamp (80). Erika Koczwara und Angelika Wolfsen sind zu Besuch.

Selbstbestimmte Lebensgestaltung

Im Jahr 2002 kam in einigen Seniorenköpfen die Idee auf, in Gemeinschaft zu leben. Der „dritte“ Lebensabschnitt wurde peu à peu entwickelt. Vorrangig blieb der Wunsch nach selbstbestimmter Lebensgestaltung im Alter in einer eigenen Wohnung, aber mit zuverlässiger Nachbarwohngemeinschaft. Nach langem Suchen fand man einen Bauherren, der sich auf das „Experiment“ einließ. Im integrativen Wohnpark Datteln-Hagem entstand das Seniorenhaus mit acht Wohneinheiten. Da die zuverlässige Wohngemeinschaft garantiert bleiben sollte, gründeten die Senioren zeitgleich einen Verein: Altwerden mit Freu(n)den e.V. Der Verein hat in seinen Statuten einige Gewohnheiten aufgenommen, die selbstverständlich bleiben sollen. Ein stabiles Netz ist durch das fürsorgliche Miteinander entstanden. „Wir pflegen uns nicht gegenseitig, aber wir organisieren gerne einen Pflegedienst.“, erzählt Hanna-Lisa Strauß. Einmal im Monat gibt es eine Zusammenkunft, in der alles besprochen wird. Einmal im Monat gibt es auch einen gemeinsamen Ausflug: ins Kino, Theater oder zum Abendessen. Silvester feiern alle gerne miteinander.

Die eigene Familie und Freunde bleiben nie außen vor. Besucherenkelkinder sind in allen Wohnungen gerne gesehen. Und der Nachwuchs hat für sich ausgemacht: „Das ist das Haus der vielen Omas und einem Opa.“ Ein Schlüssel, der von außen in der Tür steckt, lädt ein, Türen ohne Außenschlüssel weisen auf Ruhe hin. Wer verreist oder sich länger absetzen muss, meldet sich ab. Zu den „Abmeldern“ gehört Ingrid Röwekamp, sie hat ihre Jugendliebe wiederentdeckt, die allerdings in Amerika lebt. Jetzt düst die rüstige 80-Jährige regelmäßig in die Staaten.

Herrenbesuch ist erlaubt

Herrenbesuch ist generell erlaubt, Erika Semmelmann überlegt jedoch mit ihren 88 Jahren: Wer nimmt uns denn noch?“ Karin Benda ist eine Zugereiste aus Hamburg. Ihr gefällt es in Datteln sehr gut. Bereut hat sie diesen besonderen Schritt wie alle anderen nicht. Im Nachbarhaus finden sich weitere Seniorenwohnungen von Vereinsmitgliedern. Der Verein hat jetzt 14 Mitglieder, weitere sind herzlich willkommen. Der Mitgliedsbeitrag von 30 Euro im Jahr ist erschwinglich. Wer sich dazugesellt, wird vorweg ein wenig unter die Lupe genommen. „Es muss schon passen.“, sagt Ingeborg Sebbel. Mit dem Hausbesitzer haben sie ein Wohnvorschlagsrecht vereinbart.

Zehn Jahre Hausgemeinschaft sind jetzt geschafft. „Wir sind alle Silberköpfe geworden.“, lacht Waltraud Sikorski. Nur ihr Mann Wolfgang weist noch eine dunkle Haartracht auf. Dass die nicht gefärbt ist, darauf legt der einzige Mann im trauten Kreise wert. Es war für alle ein Kraftakt, diese Modell auf den Weg zu bringen und dabei viele Hürden zu nehmen. „Aber es hat sich gelohnt.“, sagt Hanna-Lisa Strauß und es schwingt ein wenig Stolz in ihrer Stimme mit. Das Motto aller: Wer mit 50 vorausschauend plant, mit 60 mutig den nächsten Schritt macht und seine Ideen in die Tat umsetzt, der kann sein Leben mit 70 gelassen genießen.

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