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Dietmar Paul muss im Winter täglich die Ketten seines Baggers von Erde und Matsch befreien, damit diese nicht einfrieren. Er selber setzt auf die Bagger-Heizung und Heißgetränke, um warm zu bleiben.

Arbeiten in der Kälte

„Zwiebeltechnik“ und Heißgetränke gegen tiefe Temperaturen

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Datteln - Trotz der Minusgrade arbeiten zahlreiche Dattelner im Freien. Wir haben nachgefragt, welche Tipps sie uns gegen die Kälte geben können.

Vorbereitung ist wichtig – das gilt auch für diejenigen, die bei klirrender Kälte im Freien arbeiten müssen. Bei milden Temperaturen bis in den Januar blieb aber allerhand Zeit, sich für den Wintereinbruch einzudecken. Baggerfahrer Dietmar Paul ist seinen Kollegen auf der Baustelle an der Castroper Straße um einiges voraus: In seinem Arbeitsgerät, das täglich die Erdmassen aus dem Boden holt, dreht der 58-Jährige an kalten Tagen gerne die Heizung etwas höher. Diesen Luxus haben seine Kollegen im ausgehobenen Loch in etwa fünf Meter Tiefe nicht. Sie alle bekommen aber von der Borkener Firma Heinrich Walter Bau Stiefel, Jacken und Mützen gestellt, wie Bauleiter Jan Dinkler bestätigt. „Darunter wird Funktionsunterwäsche bevorzugt. Aber da hat jeder seinen eigenen Geschmack“, sagt Dinkler.

So ganz warm wird es im Bagger von Dietmar Paul aber dann auch nicht, da er vorne keine Scheibe hat und somit Kälte und Wind ausgeliefert ist. Im Winter kommt zusätzlich noch die Bagger-Pflege hinzu: Wenn Paul den Motor kurz vor Schichtende abstellt, muss er dieser Tage noch die Ketten säubern. „Sonst bewegt er sich am nächsten Tag keinen Zentimeter“, sagt der erfahrene Mitarbeiter. Der nasse Matsch, den er aus der Erde zieht, setzt sich unter den Antriebsketten fest und würde über Nacht gefrieren.

Rückverfüllung sorgt für Baustopp

Bis Mittwoch hat das Team noch an der Baustelle gearbeitet, für den Rest der Woche ist ein Baustopp angesetzt. „Das größte Problem ist die Rückverfüllung des Materials“, erklärt Jan Dinkler. Das Füllmaterial des ausgehobenen Loches gefriert als aufgeschütteter Haufen an der Oberfläche und dehnt sich aus. „Das ist einfach eine Qualitätsfrage“, so Dinkler.

Nils Sender hingegen wird auch in den kommenden Tagen zu seinen Schichten antreten. Seit Dezember ist der ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Post als Festmacher an der Dattelner Schleuse tätig. Das bedeutet, er leint die Schiffe an, die dort einlaufen. Unter seiner knallgelben Arbeitskluft bevorzugt Sender die „Zwiebeltechnik“. Er zieht also mehrere Lagen übereinander an, um sich warm zu halten. Ist kein Schiff in Sicht, kann er sich in einem Aufenthaltscontainer aufwärmen. Wie oft er in seiner Acht-Stunden-Schicht ins Freie muss, hängt vom Verkehr ab. Zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde braucht er für ein Schiff, bis ihm drinnen bei Kaffee und Tee wieder warm wird.

Eier können bei Kälte platzen

Auf die „Zwiebeltechnik“ schwört ebenfalls Werner Vogt, der auf dem Dattelner Wochenmarkt Eier anbietet. Sechs Lagen Kleidung sorgen dafür, dass es bei den aktuellen Minustemperaturen nicht allzu ungemütlich wird. „Eine Heizung brauche ich hier nicht“, winkt Werner Vogt ab. „Ich zieh mich warm an. Das reicht.“ Für die „innere Wärme“ sorgt zusätzlich noch der ein oder andere Becher heißer Kaffee.

Ähnlich robust sind auch die Eier, die Vogt im Angebot hat. „Die halten bis minus zehn Grad aus“, erklärt er. „Ab dann wird es allerdings kritisch. Und wenn der Wind dann noch ordentlich drunter bläst, dann können die schon mal platzen.“ Werner Vogt lacht, reibt sich die Hände, um diese aufzuwärmen und gießt Kaffee nach. Auf den Friedhöfen gibt es dagegen keine Frostprobleme. Fünf Bestattungen, davon drei Erdbestattungen, stehen in dieser Woche an, gibt Stadt-Pressesprecher Dirk Lemanski an. Spätestens nach zehn Tagen muss eine Leiche bestattet werden. „Wir haben zwar die Möglichkeit, eine Verlängerung zu beantragen, in den letzten 30 Jahren ist das aber nicht vorgekommen“, sagt Lehmanski. Die Bereiche, die dann als Gräber dienen sollen, würden mit Mulch abgedeckt werden, um vor Frost zu schützen.

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