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Sind ein gutes Team: Daniel König (li.) und Jürgen Neugebauer. :

Arbeitsmarkt

Eine neue Perspektive

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DATTELN - Das Teilhabe-Chancengesetz soll zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit beitragen. Daniel König will diese Chance nutzen.

Wenn Daniel König jetzt auf seine Kontoauszüge guckt, steht dort nicht mehr das Jobcenter als Einzahler hinter den Geldeingängen. Seit Mitte Februar ist er städtischer Angestellter – dank der im Teilhabe-Chancengesetz verankerten Förderung „Teilhabe am Arbeitsmarkt“. Er arbeitet als Hausmeisterassistent an der städtischen Realschule. „Ja“, bestätigt er, „das ist schon ungewohnt, dass da jetzt nicht mehr das Jobcenter steht.“

Arbeitsloser trotz Arbeit

Daniel König stammt gebürtig aus Uslar, in der Nähe von Göttingen. Eine Ausbildung zum Maler und Lackierer konnte er nicht beenden, weil der Ausbildungsbetrieb pleite ging. „Leider habe ich dann keinen Betrieb gefunden, bei dem ich die Ausbildung beenden konnte“, erinnert er sich. Doch faul sei er nie gewesen, erzählt er. „Ich habe viele unterschiedliche Jobs gemacht“, sagt er. „Allerdings waren das meistens nur Teilzeit- oder eben Ein-Euro-Jobs.“ Arbeiten zu gehen und dennoch als Arbeitsloser zu gelten sei oftmals nur schwer zu ertragen gewesen, sagt der Vater von drei Kindern.

Nach Datteln aus Liebe

Vor sieben Jahren kam er der Liebe wegen nach Datteln. Seine Frau hatte er noch in Uslar während einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt, die er als Hausmeister durchführte. „Wie das halt so ist, da hat es zwischen uns gefunkt“, erinnert er sich gern zurück. „Sie stammt gebürtig aus Datteln. Als sie zurück in ihre Heimat wollte, bin ich natürlich mitgegangen.“ Und auch in der neuen Heimat bemühte sich Daniel König darum, einen Job zu bekommen. Doch auch hier wurde es am Ende nur ein Ein-Euro-Job als Hausmeister. Als seine Jobvermittlerin sich bei ihm meldete und ihm berichtete, dass er förderfähig sei, war er sofort begeistert. „Die Aussicht auf einen regulären Job war einfach super“, so König.

An der Realschule habe man ihn gut aufgenommen. Hausmeister Jürgen Neugebauer kann nur Positives über seinen neuen Kollegen berichten. „Daniel König ist wirklich sehr motiviert“, sagt er. „Er hat stets alles im Blick und kümmert sich eigenständig um seine Aufgabenbereiche. Ich bin froh, dass er jetzt bei uns ist.“ Momentan ist Daniel König vor allem für die Grünanlagen auf dem Schulgelände zuständig. In andere Arbeitsbereiche wird er nach und nach eingearbeitet.

9000 Förderberechtigte im Kreis Recklinghausen

Für Nora Janzen, sie ist Teamleiterin für den sozialen Arbeitsmarkt beim Jobcenter des Kreises Recklinghausen, ist das Beispiel von Daniel König der beste Beleg dafür, dass das Förderprogramm funktioniert. Derzeit sind im Kreis, stand Februar, 27.915 Personen arbeitslos gemeldet. 6293 werden bei der Agentur für Arbeit geführt, 21.622 beim Jobcenter. „Davon sind 9000 Personen förderberechtigt“, sagt Nora Janzen. „16 Stellen wurden in Datteln besetzt.“ Die Förderung umfasse jedoch nicht nur eine finanzielle Entlastung für die einstellenden Betriebe. „Die ehemals Langzeitarbeitslosen werden zudem von sogenannten Coaches begleitet“, so Janzen.

Den wöchentlichen Besuchen seines Coaches steht Daniel König skeptisch gegenüber. „Ich mein das gar nicht böse, aber die Besuche empfinde ich eher als störend“, sagt er. Die Besuche würden ihn von seiner eigentlichen Tätigkeit abhalten. „Ich will ja vor allem meine Aufgaben zur Zufriedenheit aller erledigen“, so König. Die nächsten fünf Jahre sind Daniel König erst mal sicher. „Dann liegt es letztendlich in der Hand des Rates der Stadt Datteln“, erklärt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. „Der muss dann darüber entscheiden, ob der Stellenplan der Stadt erweitert wird oder nicht.“

Förderung für fünf Jahre - Gefördert wird, wer älter als 25 Jahre alt ist und länger als zwei oder sechs Jahre arbeitslos war. - Bei der Einstellung von Personen, die mindestens sechs Jahre in den letzten sieben Jahren Arbeitslosengeld II bezogen haben und in dieser Zeit nicht oder nur kurzzeitig beschäftigt waren, erhält der Arbeitgeber eine Förderung in Höhe von 100 Prozent des Mindestlohns. Dieser Zuschuss verringert sich jährlich um 10 Prozent. Die Förderung dauert maximal fünf Jahre. - Unternehmen, die Personen einstellen, die mehr als zwei Jahre arbeitslos waren, erhalten einen Zuschuss für zwei Jahre. Im ersten Jahr werden 75 Prozent des regelmäßig gezahlten Lohns gefördert. Im zweiten Jahr sind es noch 50 Prozent. - Im gesamten Förderzeitraum können Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch genommen werden. - Coaches unterstützen die ehemaligen Langzeitarbeitslosen im Förderungszeitraum.

Ein Video finden Sie unter: www.cityinfo.tv

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