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Auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer war Thema von Kabarettist Florian Schroeder.

Auftritt in der Stadthalle

Florian Schroeder teilt ordentlich aus

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DATTELN - Der Mephisto der deutschen Kabarett-Szene wurde seinem Ruf voll und ganz gerecht. Gekonnt wechselt er die Seiten zwischen Gut und Böse.

Die Sprache ist ein scharfes Schwert. Wohl dem, der diese Klinge derart gekonnt zu führen weiß, wie der Kabarettist Florian Schroeder. Am Donnerstagabend gastierte Schroeder mit seinem aktuellen Programm „Ausnahmezustand“ in der Stadthalle.

Mit 14 Jahren fing es an

Schon als 14-Jähriger machte Florian Schroeder, als Gast der Harald-Schmidt- Show, erstmalig auf sich aufmerksam, indem er prominente Personen imitierte. Eine Fähigkeit, die er bis heute beibehalten und sogar noch verfeinert hat, wie sich im Laufe des Abends noch herausstellen soll.

Zuerst einmal wird das Publikum mit ein paar Videoeinspielungen auf Betriebstemperatur gebracht. Erdogan, Kim Jong-un und Trump sind dort zu sehen. Die Suggestion ist klar: Sie sehen hier das personifizierte Böse. Gleich darauf betritt der Kabarettist, begleitet vom Applaus des Publikums, die Bühne. Schroeders Eröffnung gerät noch sehr moderat. Ein paar Sprüche über den Umstand, dass Datteln noch nicht mal einen Bahnhof hat. Die Anreise habe daher mit dem Bus über Dortmund-Mengede erfolgen müssen, lässt der das Publikum wissen. Noch ein zwei Kalauer nachgeschoben und Schroeder holt zum ersten Schlag aus.

Der Dieselskandal, die daraus resultierenden Fahrverbote und die damit zusammenhängenden Feinstaubmessungen scheinen ihn in Rage zu bringen. „Folgte man der Argumentation von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer“, so der Kabarettist, „müsste man bei einem Kind dort Fieber messen, wo die Temperatur am niedrigsten ist.“ Das wäre womöglich dann der Teddy des Kindes. Das Publikum johlt, applaudiert laut. Auch die von der Schwedin Greta Thunberg initiierten Freitags-Demos sind natürlich ein Thema an diesem Abend. „Die, die sonst immer wollen, dass man ihre Sorgen ernst nimmt, wollen jetzt die Sorgen einer 16-Jährigen nicht ernst nehmen und versuchen sogar, sie zu diskreditieren“, so Schroeder. „Und warum sollte man freitags etwas über den Widerstand im Dritte Reich lernen, wenn es doch längst Zeit ist, selbst Widerstand zu leisten“, dokumentiert er die Forderung mancher Schulleiter, den Freitags-Demos fern zu bleiben.

Kritik auf globaler Ebene

Die Mauer-Träume von Donald Trump nimmt Schroeder zum Anlass, Kritik auf globaler Ebene zu äußern. „Es gibt mittlerweile 70 Grenzmauern auf der Welt“, so Schroeder. „Das sind fünf Mal mehr, als es 1989 waren. Also dem Jahr, in dem wir die Freiheit noch so groß gefeiert haben.“ Im Zuschauerraum kommt ab und an spürbare Unsicherheit darüber auf, an welcher Stelle man nun klatschen soll. Und genau das ist die Absicht Schroeders, der nicht umsonst als der Mephisto des deutschen Kabaretts bezeichnet wird. In unvorhersehbarer Weise wechselt er Positionen und Ansichten. Dadurch fordert er ein hohes Maß an Aufmerksamkeit vom Publikum ein.

„Geld hat doch nur einen Wert, weil wir daran glauben“, so die kurze aber prägnante Kapitalismuskritik von Florian Schroeder. Das Publikum applaudiert verhalten. Schroeder zieht das Tempo stetig an, redet sich fast schon in Rage. „Mini-Jobs sind doch keine Schnellstraße auf den ersten Arbeitsmarkt“, wettert Schroeder, „das ist die Schotterpiste in die Altersarmut.“

Seine Stimme überschlägt sich immer wieder, einige Wort gehen völlig unter. Schroeder scheint sich auf der Zielgerade zum Finale des Abends zu befinden. „Nur Monotheisten reden vom Bösen, weil sie die Grauzonen des Lebens nicht aushalten.“ Abschließend lässt er seine Zuhörer wissen, dass Konfrontation die Erziehung zur Mündigkeit sei.

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