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SPD, Begehung, Barrierefreiheit

Barrierefreiheit

Mit Rollstuhl und Rollator auf Shopping-Tour

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Datteln - Mitglieder des SPD-Ortsvereins Stadt machen sich auf zum Selbstversuch in der Dattelner Innenstadt. Fazit vorweg: Der Perspektivwechsel hat den Genossen die Augen geöffnet.

Wie ist es um die Barrierefreiheit in der Innenstadt bestellt? Dieser Frage gingen am Samstag Mitglieder des SPD-Ortsvereins Stadt unter Führung der Vorsitzenden Ute Schmitz auf den Grund. Und zwar in Form eines Selbstversuchs mit Rollstuhl und Rollator. Fazit vorweg: Der Perspektivwechsel hat den Genossen die Augen geöffnet. Und es gibt einiges zu verbessern.

Die Idee zu dieser Aktion hatte Neu-Dattelnerin Anja Marten. Sie wohnt seit letztem Jahr in der Kanalstadt, ist Mitglied bei der Stadt-SPD und selber Rolli-Fahrerin. Neben ihr setzen sich Falco Böhlje, Wolfgang Werner und Bernd Flötgen in die Rollstühle, die sich die SPD von der Lebenshilfe ausgeborgt hat. Nicht dabei ist ein Vertreter der Werbegemeinschaft. „Wir haben sie eingeladen, aber es kam keine Rückmeldung“, so Schmitz.

Einige Geschäfte wegen Stufen unerreichbar für Rollstuhlfahrer

Der Start ist am Tigg-Parkplatz. Und gleich zu Beginn gibt es die ersten Probleme mit der Kante zwischen Parkplatz und Fußgängerzone und mit der Bushaltestelle am Tigg. Der Weg zwischen Haltestellen-Kante und Busschild ist zu eng für Anja Marten und Assistenzhund Jule. Sie muss entweder über die Fahrbahn ausweichen oder einen größeren Umweg machen. Einen Mangel gibt es auch im Eingang des Familienbüros Nord. „Als Rollstuhlfahrer allein die Tür zu öffnen, um zum Fahrstuhl zu gelangen, ist sehr schwierig. Dabei habe ich noch Kraft“, lautet das Fazit von „Rolli-Fahrer“ Falco Böhlje.

Es geht weiter in Richtung Hohe Straße. Da tauchen weitere Hürden auf. Gleich mehrere Geschäfte haben Stufen, für Rolli-Fahrer ist es unmöglich, ins Geschäft zu kommen. „Da bin ich wenigstens vor Spielsucht geschützt“, nimmt es Anja Marten mit Humor, dass sie nicht in die Spielhalle kommen kann. Auch der Biergarten von Johnny Canone bleibt für Bernd Flötgen unerreichbar. Auch hier wird eine Stufe zum Hindernis. Anja Marten nennt das für sich Stufenblindheit. „Geschäfte mit Stufen im Eingang nehme ich gar nicht mehr war.“

Aber es gibt auch Positives. Das Café Fischer oder das Schuhhaus Pellmann sind auf den ersten Blick zwar auch unerreichbar. Aber beide Geschäfte haben eine mobile Rampe, die bei Bedarf herausgeholt wird. Das Problem aber ist: Kein Rolli-Fahrer weiß das. „Es wäre sinnvoll, hier mit Aufklebern zu arbeiten, damit die Menschen mit Behinderungen wissen, dass sie hier Zugang haben“ sagt Ute Schmitz. Diese Idee hat sie notiert und will das mit der Werbegemeinschaft besprechen.

Rampe am Schuhhaus Pettrup ist zu steil

Eine weitere Anregung kommt von Anja Marten. „Datteln braucht einen Behindertenwegweiser. Den gibt es hier nicht.“ Dieser Vorschlag wird kurze Zeit später durch ein Aha-Erlebnis von Anja Marten untermauert. Auf dem Neumarkt gibt es eine Behindertentoilette. „Die habe ich jetzt zum ersten Mal gesehen“, so Marten. Wermutstropfen: Die automatische Tür funktioniert nicht einwandfrei. Ein weiterer Punkt auf der Liste der SPD, der angesprochen werden soll.

Auch Falco Böhlje hat noch ein Erlebnis der anderen Art auf seiner Tour durch die City. Die Rampe am Hintereingang des Schuhhauses Pettrup ist viel zu steil. Fast wäre er mit seinem Rolli umgefallen. „Die ist definitiv nicht behindertengerecht“, so das Urteil von Anja Marten.

„Es gibt einiges zu verbessern“, lautet das Fazit von Ute Schmitz. Die SPD will bei diesem Thema am Ball bleiben. Das sagt auch Nina Schlüter vom Quartiersmanagement. Sie hat die Tour der SPD begleitet. „Wir arbeiten an einem Mobilitätskonzept. Da gehört das Thema Barrierefreiheit definitiv dazu.“

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