Besuch aus Mexiko

10.000 Kilometer und ein Happy End

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DATTELN - Aline Tolentino Alvarez kam als Au-pair nach Deutschland. Jetzt arbeitet sie bei der Evangelischen Jugend in Datteln und hat hier eine Liebesbeziehung begonnen.

Für die Mexikanerin Aline Tolentino Alvarez war Reisen immer schon ein großer Traum: Knapp 10.000 Kilometer Luftlinie entfernt von ihrer Heimatstadt Mexiko-Stadt – alleine in einem fremden Land – musste die 22-Jährige auch die Kehrseiten dieses Traums kennenlernen. Erst in Datteln nahm ihre Odyssee wieder eine positive Wendung. Bei der Familie von Robin Michalke fand Alvarez ein neues Zuhause und in der Evangelischen Jugend auch endlich den lang ersehnten Job.

Es war ein Abenteuer, zu dem Aline Tolentino Alvarez im März des vergangenen Jahres aufgebrochen war. Um ihrem Ziel, als Dolmetscherin arbeiten zu können, näher zu kommen, studierte sie drei Jahre lang an der Universität, jobbte in zwei Museen der Stadt. Aline spricht fließend Spanisch, Englisch und auch etwas Französisch. Bald entschied sie sich, ihrer Reise-Leidenschaft und ihrem Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, nachzugehen und wagte den nächsten Schritt. Über das Internet suchte sie eine Stelle als Au-pair, ihr Ziel: Deutschland. Fündig wurde sie in Bochum. Ein Jahr Aufenthalt war dort geplant. Ihre Anstellung fand ein jähes Ende: Ein Vorfall mit dem Vater ihrer Au-pair-Familie veranlasste die Mexikanerin, mitten in der Nacht das Haus zu verlassen. Doch wohin? Ein Kapitel ihres Lebens, über das sie nicht gern spricht.

Über eine App kennengelernt

Ihr einziger Kontakt in Deutschland war ein junger Mann aus Dortmund, den sie über eine App auf ihrem Handy kennengelernt hatte. Erst einmal hatte sie ihn getroffen. Der junge Mann, auf dem nun alle Hoffnungen ruhten, war der gebürtige Dattelner Robin Michalke. Er war bei seinen Eltern Petra und Gerd zu Besuch, als ihn der Hilferuf aus Bochum ereilte. Familie Michalke erkannte sofort die Not, in der sich die hilflose Mexikanerin befand und reagierte prompt: Sie holten Aline Tolentino Alvarez augenblicklich in Bochum ab und boten ihr vorerst das Gästezimmer im Haus der Michalkes an.

Damit waren die Probleme der 22-Jährigen aber noch längst nicht gelöst: Ohne eine Arbeit hätte sie Deutschland wieder verlassen müssen. Ihr ursprünglicher Plan lief Gefahr, zu platzen. „Ich wollte nicht schon nach einem Jahr nach Mexiko zurückkehren“, sagt Alvarez. Sie wollte im Anschluss eine Ausbildung oder ein Studium beginnen und später hier Fuß fassen. „Damit ich meine Familie unterstützen kann“, sagt sie.

Im direkten Vergleich ist Datteln ein Dorf

Die Zeit drängte. Doch nun war Alvarez nicht mehr allein. „Petra hat sich so um mich gekümmert, als wäre ich ihre eigene Tochter“, sagt Alvarez. „Ich glaube, jeder hätte in der Situation so gehandelt“, erwidert Petra Michalke. Für sie war es selbstverständlich, unzählige Telefonate für die damals nicht gut Deutsch sprechende Alvarez zu führen – und sie wurde fündig: In Dortmund bekam die Mexikanerin eine neue Anstellung als Au-pair. Doch auch dort machte sie keine guten Erfahrungen: „Aline musste sehr hart arbeiten. Musste Steine schleppen und Hoftiere versorgen“, sagt Petra Michalke. Als dann die Zahlungen ausblieben, entschied sie sich, auch dort einen Schlussstrich zu ziehen.

Timo Henkel, Evangelischer Jugendreferent, suchte derweil schon knapp ein Jahr lang nach einer Besetzung für die offene FSJ-Stelle im Etienne-Bach-Haus. Der Anruf von Petra Michalke überraschte ihn. Aber spätestens beim Wort „Mexiko“ wurde er auch hellhörig: Seit Januar ist Aline Tolentino Alvarez nun die neue freiwillige Sozialdienstleistende in der Evangelischen Jugend. „Hätten wir den Arbeitsvertrag nicht direkt mit zur Ausländerbehörde gebracht, hätten sie Aline direkt dabehalten müssen, wurde uns von der zuständigen Mitarbeiterin gesagt“, erklärt Petra Michalke.

In neuem Zuhause eingelebt

Jetzt, zwei Monate nach ihrem Dienstantritt in Datteln, hat sich Aline im Job und in ihrem neuen Zuhause eingelebt, ist endlich angekommen. Zwischen ihr und dem 30-jährigen Robin hat sich eine Liebesbeziehung entwickelt. Robin ist sogar wieder nach Datteln gezogen. Er lebt mit einem Freund in einer WG, während die 22-jährige Mexikanerin weiterhin bei seinen Eltern wohnt.

Im Alltag ist sie entweder beim Sprachkurs oder bei ihrer neuen Arbeit eingespannt. Zusammen mit Timo Henkel plant sie die nächsten Projekte der Evangelischen Jugend. Unter anderem wird sie bei der ersten Dattelner Kriminacht eine kleine Rolle spielen. Viel von ihrer neuen Heimat Datteln konnte sie allerdings noch nicht sehen. „Datteln ist keine Stadt“, stellt sie im direkten Vergleich zu ihrer Heimatmetropole Mexiko Stadt lachend fest: In der Hauptstadt Mexikos leben knapp neun Millionen Menschen. Dattelns 35.000 Einwohner haben daher für sie verständlicherweise eher Dorf-Charakter.

Ihren Aufgabenbereich in Datteln weiß die 22-Jährige zu schätzen: „Ich kann hier Projekte mit Kindern machen. Wir planen hier viele Aktivitäten und investieren unsere Arbeitszeit in gute Dinge.“ Auch Timo Henkel ist mehr als zufrieden: „Bei den Kindern kommt Aline super an. Direkt am ersten Tag wurde sie von zwei Mädchen über ihr ganzes Leben ausgefragt.“ Dass sie sich mit der neuen FSJ-Dienstleistenden momentan vorwiegend auf Englisch unterhalten müssen, könne nur förderlich sein.

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