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Sind richtige Viel-Leserinnen: Alice Kaczmarek (10), Lorena Walter (10) und Annika Wilming (10). Die drei Schülerinnen des Comenius-Gymnasiums nutzten die Gelegenheit, in der Stadtbücherei zu stöbern, nur zu gerne.

Bücher

Der Kampf um Leser wird härter

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Datteln - Mangelndes Leseverständnis der Kinder und der Umgang mit den Sozialen Medien sind inzwischen ein Problem für Dattelner Buchhändler.

Der Buchhandel befindet sich inmitten einer ernst zu nehmenden Krise. Doch es sind nicht die rückläufigen Verkaufszahlen allein, die bei Dattelner Buchhändlern Sorge aufkommen lassen. Das abnehmende Leseverständnis, gerade bei Kindern, wird von ihnen als handfestes Problem angesehen. „Bücher, die früher einmal in der Grundschule gelesen wurden, kommen heute nicht mehr zum Einsatz. Sie sind schlichtweg zu schwierig“, erklärt Ines Gerner-Enders, Leiterin der Dattelner Stadtbücherei, ein wenig nachdenklich. Die Branche versucht darauf unter anderem mit Comic-Romanen zu reagieren. „Der Trend geht eindeutig zu Büchern mit weniger Textanteil“, ergänzt die Bibliothekarin.

Es fehlen Lesevorbilder

„Nur noch wenige Eltern lesen ihren Kindern am Abend etwas vor“, bemängelt Wolfgang Tänzer, Inhaber vom Bücherwurm. „Es fehlen einfach die Lesevorbilder. Wie soll Kinder neugierig auf das Lesen werden, wenn sie nicht mal ihre Eltern zu Hause mit einem Buch in der Hand sehen?“ Aus seiner Sicht eine Entwicklung mit fatalen Folgen. „Nichts beflügelt die Fantasie so sehr wie ein gutes Buch“, so der Buchhändler. „Und sich Dinge vorstellen zu können, ist eine Fähigkeit, die später auch im Berufsleben von großer Wichtigkeit sein kann.“ Auch in der Erwachsenenliteratur haben sich die Ansprüche verändert. „Krimis und Thriller laufen zwar immer noch ganz gut“, erläutert Ines Gerner-Enders „Aber es wird vermehrt leichtere Kost angefragt, die nicht unbedingt die volle Aufmerksamkeit des Lesers erfordert.“

Kaum noch Spaß am „schönen Buch“

Eine Entwicklung, der Wolfgang Tänzer mit gemischten Gefühlen gegenüber steht. „Leider ist der Spaß am schönen Buch kaum noch vorhanden“, so der Dattelner Buchhändler. Eine Beobachtung die auch Simone Zijp von der Buchhandlung Deilmann gemacht hat. „Es wird nach wie vor gern gelesen. Aber es ist den Lesern nicht mehr so wichtig, die Bücher später auch im Regal stehen zu haben. Viele Leser greifen mittlerweile auf das E-Book zurück“, so Simone Zijp. Aufgegeben haben die Verlage den Kampf um die Leser aber noch nicht. „Gerade im Sachbuchbereich wird versucht, sehr hochwertige Bücher auf den Markt zu bringen“, so Tänzer.

Das Smartphone hat das Leseverhalten verändert

Größter Konkurrent für das Buch ist das Smartphone. Lesen, nebenher noch schnell ein paar Mails beantworten und auf Freundschaftsanfragen in den Sozialen Medien reagieren, das kann das Buch einfach nicht leisten. Die Stadtbücherei lässt nichts unversucht, jungen Menschen den Spaß am Lesen zu vermitteln. Regelmäßig besuchen die Mitarbeiter Grund- und weiterführende Schulen oder laden Klassen in die Stadtbücherei ein. „Mit kleineren Spielen erklären wir den Kindern dann den Aufbau unseres Hauses, wie die Bücher zugeordnet sind“, erläutert Ines Gerner-Enders „Das Angebot kommt gut an und die meisten Kinder gehen am Ende ihres Besuchs bei uns mit einem Buch nach Hause.“

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