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Bullemänner, Heinz Weißenberg (li) und Augustin Upmann, nahmen von der ersten Bühnensekunde an mächtig Fahrt auf und überzeugten mit ihrem urigen Humor und skurrilen Liedern.

Bullemänner

„Ackerdemiker“ beim Flirtkurs

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DATTELN - Die Bullemänner präsentierten in der Stadthalle ihr neues Programm "Schmacht - ein satter Abend". Das urkomische Programm erntet von der ersten Minute an begeisterte Zustimmung.

Datteln im Speckmantel mögen die Bullemänner besonders gern. So rückte gleich helle Wiedersehensfreude in den Vordergrund, als die Schwergewichte westfälischer Unterhaltungskunst, Heinz Weißenberg und Augustin Upmann, ihr neues Programm „Schmacht – ein satter Abend“ in der Stadthalle präsentierten.

Suchtrup, die fiktive Heimat der beiden skurrilen Sonderlinge, bietet jede Menge Zündstoff für beste Bühnenunterhaltung. Allein das Publikum irritiert sie ein wenig. „Zu uns kommt mehr und mehr bröckelnde Mittelschicht.“, beurteilen Heinz Weißenberg und Augustin Upmann ihre Zuhörer. Die lachen begeistert auf und beschließen das zweifelhafte Kompliment als ersten Witz des Abends hinzunehmen. Witzig bleibt es allemal, alleine die Berichterstattung über den Suchtruper Sommer: Die Kühe gaben in tropischer Hitze nur noch Milchpulver und die zu klein geratenen Kartoffeln entpuppten sich glücklicherweise als Maiskörner. Möglich ist alles im Programm der beiden Kabarettisten, die sich liebend gerne auch selbst durch den Kakao ziehen.

Auf Frauensuche

Ihre Tastenfachkraft Svetlana Svoroba hat sie musikalisch fest im Griff und schmettert mit ihnen gemeinsam sinnfreies Liedgut nach altbekannten Melodien. Das Publikum hat mächtig Spaß bei den Schmachtfetzen, die alles kleine Ohrwürmer sind. Das Internet hat mittlerweile auch im Örtchen Suchtrup Einzug gehalten und die heiße Frauensuche findet bei Flirt-Portalen statt. Weißenberg verzweifelt in seiner Rolle als einsamer Öhm, es beißt keine Frau wirklich bei ihm an. Dabei ist der Suchtruper doch „Ackerdemiker“. Wirkliche Hilfe bietet Upmann mit seinem Flirtkurs nicht, auch Svetlana schafft keine Abhilfe. Philosophisch abgefahren findet Weißenberg Shakespeare. Der große Dramatiker muss bereits vor Jahrhunderten das spannende Feuerwehrleben in dem Bauernörtchen beobachtet haben. Weißenberg findet in den Komödien und Tragödien des englischen Schriftstellers einige Parallelen zu seinem eignen kargen Dasein.

Die Flüchtlingsproblematik ist ein weiterer Unterhaltungspunkt im Programm. „Alle haben Flüchtlinge bekommen, nur wir Suchtruper nicht.“, beschweren sich die beiden. Nicht ohne Eigennutz. Denn sie vermuten das eine oder andere Fußball-Ass unter den Zugereisten, mit denen man die heimische Mannschaft bestens aufwerten könnte. Es wird ruhiger im Saal, als Upmann seinen Traum von der Flucht nach Syrien erzählt, weil die Nordsee übergeschwappt ist und die Holländer bereits den Kahlen Asten besetzen. Ein bisschen stolz ist er schon, als er in Syrien den Westfälischen Frieden findet. „Westfälischer Frieden ist, wenn keiner mehr kann“, erklärt Upmann „Und die Welt ist reif für Westfälischen Frieden, denn es kann doch keiner mehr.“

Schade, dass die kleine gedankliche Perle im Jubel und Trubel der absolut amüsanten Show fast untergeht. Das urkomische Programm erntet von der ersten Minute an begeisterte Zustimmung. Auch wenn die bröckelnde Mittelschicht dann noch ein bisschen älter geworden ist.

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