Dattelner Hallensportler brauchen einen langen Atem

Streitthema Hallennutzungsgebühren: Vereine müssen bis 2021 durchhalten

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DATTELN - Peter Amsel, Chef des Stadtsportverbandes, macht Hoffnung auf geringere Hallennutzungsgebühren. Er rät den Vereinen zur Geduld.

Der Aufschrei der Hallensportvereine TTC BW Datteln, TTC Horneburg, TSV Datteln, Dattelner Judoclub und DJK SF Datteln (Volleyball) war Ende des vergangenen Jahres groß. Sie fürchten um ihre Existenz, sollten sie weiter einen großen Teil ihrer Einnahmen für die Nutzung der städtischen Sporthallen investieren müssen. Einen Teilerfolg erzielten sie unter anderem mit der Kostensenkung in den Ferien. Während der öffentlichen Diskussion um die Gebühren geriet auch der Stadtsportverband (SSV) um den Vorsitzenden Peter Amsel ins Kreuzfeuer. Als Sportler und zugleich FDP-Ratsherr sieht er sich genau zwischen beiden Lagern. Peter Amsel motiviert die Hallensportvereine, durchzuhalten – bis 2021. „Dann ist der Haushaltssanierungsplan ausgelaufen und wir sind ein bisschen freier“, sagt er. Doch könnten die Hallennutzungsgebühren – wie in anderen Städten bereits geschehen – in diesem Zuge auch wieder abgeschafft werden?

Gebühren-Abschaffung „nicht realistisch“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber dass es realistisch ist, glaube ich nicht. Da fehlt mir die Fantasie“, lautet Amsels Einschätzung. Einer Senkung der Kosten nach 2021 steht er hingegen positiver gegenüber: „Für eine Minderung werden wir als Stadtsportverband kämpfen“, sagt er.

Anfang 2018 war seitens des SSV eine Übernahme der Hallenverantwortung, die bei der Stadt liegt, angedacht. „Die genaue Höhe der Betriebskosten habe ich nie bekommen, aber ich konnte es mir ja schon ausrechnen“, sagt Amsel. Der SSV musste bei der Hallenverantwortung letztendlich passen. Die Gespräche liefen nur sehr schleppend, eine Realisierung bis 2019 wie geplant wäre nicht möglich gewesen. Stadtsprecher Dirk Lehmanski merkt an, dass der SSV neben den reinen Betriebskosten auch zum Beispiel die Verkehrssicherungspflicht hätte übernehmen müssen. „Der Verwaltungsaufwand wäre sehr groß gewesen“, sagt er. Die gescheiterten Verhandlungen sollten aber der Grundstein für den Protest der Hallensportvereine sein.

Vereine fühlten sich im Stich gelassen

Die Vereine machten sich natürlich große Hoffnung auf Entlastung. Als die Verhandlungen dann aber ins Stocken gerieten, „fühlten sich einige von ihnen falsch informiert“, sagt Amsel. Dabei habe der SSV-Vorsitzende „so gut es ging und nach der Auffassung einiger sogar schon zu viel“ informiert. Die Vereine fühlten sich mit ihren Problemen vom SSV und der Stadt im Stich gelassen und machten ihre Not öffentlich: Ein Großteil ihrer Mitgliedsbeiträge fließe allein in die Nutzung der Hallen. Gerade im direkten Wettbewerb mit anderen Städten würde das arg einschränken und die Rücklagen in den Vereinskassen Jahr um Jahr weiter reduzieren. Das Echo lautete: Lange geht der Betrieb so nicht weiter.

Amsel: Vermittler zwischen den Fronten

Peter Amsel kann das Vorpreschen und die Existenzängste der Vereine nachvollziehen. Als FDP-Ratsherr kennt er aber auch den Standpunkt der Politik. Und dort wurde im Haushaltssanierungsplan verankert, dass auch die Sportvereine ihren Teil zur Konsolidierung beitragen müssen, indem sie Beiträge für die Hallennutzung bezahlen. „Ich kann beide Seiten verstehen und hänge genau dazwischen“, sagt Amsel, der seine Rolle auch als Vermittler zwischen beiden Fronten sieht.

Die Vereine erzielten mit ihrer Kritik, die sie unter anderem beim Bürgermeisterforum direkt an André Dora richteten, einen ersten Teilerfolg: Sie zahlen zwar immer noch Nutzungsgebühren, aber gerade in den Ferien sind die Sätze pro Einheit deutlich gesunken, was einen Trainingsbetrieb für viele Vereine in den Ferien überhaupt erst wieder möglich macht.

Neu waren Peter Amsel diese Anliegen nicht, aber ohne Druck der Vereine scheiterte die Umsetzung: „Wir haben Anträge gestellt, die Hallen an Freitagen vor den Ferien und innerhalb der Ferien zu öffnen. Diese wurden abgelehnt“, sagt der SSV-Chef.

Fusion als Option für Sportvereine

Das Durchhaltevermögen der Vereine ist nun also gefragt. Der Fußball habe aber eine weitere Option vorgemacht: „Da war es vor einigen Jahren noch die Höchststrafe, das Wort Fusion in den Mund zu nehmen“, sagt Amsel. SF Germania Datteln und der DJK Eintracht Datteln haben es mittlerweile aber auch in Datteln vorgemacht. Zudem gibt es Kooperationen von Vereinen im Jugendspielbetrieb schon länger. „Das gibt Möglichkeiten, Synergien zu erzielen und Mehrfachkosten zu vermeiden“, stellt Amsel heraus. Bekanntlich liegt den Sportvereinen ihre Tradition aber am Herzen, das weiß auch der SSV-Chef.

Für den Fall, dass ein Verein tatsächlich um seine Existenz bangen müsste, gibt es keinen konkreten Plan. „Wir würden ein Krisengespräch mit Kreis- und Landessportbund vereinbaren“, sagt Amsel, „aber zum Glück ist der Fall noch nicht eingetreten.“

Hinter den Kulissen will die Stadt weitere Schritte auf die Vereine zugehen. „Wir prüfen die Gebühren und das Tarifsystem mit Tagestarifen. Da ist der SSV unser erster Ansprechpartner“, sagt Dirk Lehmanski.

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