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Seit zehn Jahren arbeitet Katy Axt ehrenamtlich im Sortierbereich der Dattelner Tafel. Sie kam damals als Kundin regelmäßig zur Tafel, sie hatte schlichtweg nicht genügend Geld, um über die Runden zu kommen. Heute schätzt sie vor allem den Zusammenhalt im Team.

Dattelner Tafel

Durch Schicksalsschlag ins Ehrenamt

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DATTELN - Ruth Domic und Katy Axt arbeiten beide als Sortierer bei der Tafel. Sie kamen auf unterschiedliche Weise zu ihrem Ehrenamt.

Wenn die Fahrer der Dattelner Tafel von ihrer Sammel-Tour zurückkehren, beginnt die Arbeit von Ruth Domic (63) und ihrer Kollegin Katy Axt (75).

Das Klappern der Rollbretter, auf denen die grünen Plastikkisten angeliefert werden, ist fast im ganzen Gebäude zu hören. Ruth Domic und Katy Axt wissen: Jetzt kommt Arbeit auf uns zu.

Der Weg ins Ehrenamt

Zur Tafel sind beide auf unterschiedlichen Wegen gestoßen. Ruth Domic hatte zehn Jahre lang ihren Mann gepflegt. Als er schließlich verstarb, musste Ruth feststellen, dass sämtliche Ersparnisse aufgebraucht waren. „Ich musste also noch etwas für meine Rente tun“, erinnert sie sich. Das Maßnahmenangebot des Jobcenters kam ihr daher gelegen und sie nahm es dankend an. Dass sie sich gleichzeitig sozial engagieren konnte, kam ihr entgegen. „Daher bin ich auch nach dem Ende der Maßnahme als Ehrenamtlerin hiergeblieben“, bekennt sich die Rentnerin zu ihrer Tätigkeit.

Katy Axt kam als Kundin regelmäßig zur Tafel, sie hatte schlichtweg nicht genügend Geld, um über die Runden zu kommen. Das gibt sie freizügig zu. Bei einem ihrer Besuche wurde die redselige Rentnerin gefragt, ob sie nicht Lust hätte, mitzumachen. Katy überlegte nicht lange und sagte zu. „Das war vor zehn Jahren“, erinnert sie sich „Seitdem bin ich hier im Ehrenamt tätig.“ Sie schätzt vor allem den Zusammenhalt im Team. „Wenn irgendjemandem irgendwo der Schuh drückt, sind die anderen für ihn da“, so Katy „Außerdem können die Kollegen die Sorgen und Nöte des Anderen besser verstehen als Außenstehende.“

Arbeiten im Sortierbereich

Und so stehen die beiden regelmäßig in dem kleinen Sortierbereich der Tafel und sichten die angelieferten Waren. „Die Fahrer sortieren zwar schon grob vor“, erzählt Katy Axt „Aber wir gucken dann noch mal genauer hin und ordnen Obst und Gemüse nach Sorten für den Verkauf.“

Auf ihr Alter angesprochen winkt Katy Axt ab. „Ja was soll ich denn machen? Zu Hause rumhocken? „Nein, das kommt für mich nicht in Frage.“ Ruth Domic pflichtet ihr bei. „Hier habe ich eine Aufgabe und werde gebraucht“, erklärt sie ihr Engagement „Und wenn ich dann Feierabend habe, weiß ich, dass ich etwas geschafft habe.“

Sich mit den beiden Damen zu unterhalten ist ein Erlebnis mit Langzeitwirkung. Trotz ihrer unterschiedlichen Biografien, trotz unabweisbarer Schicksalsschläge geben beide nicht auf. Sie haben ihr Leben selbst in die Hand genommen und sind so in der Lage, anderen in Not geratenen Menschen zu helfen. Ein Charakterzug, der zwar gern eingefordert wird, aber in der Regel nicht mehr oft zu finden ist. Vorbilder sind sie allemal.

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