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Günstige Lebensmittel, Kleidung und Rat gibt es für Bedürftige in der Dattelner Tafel.

Dattelner Tafel

„Das schadet unserer Integrationsarbeit“

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DATTELN - Einen Aufnahmestopp gibt es auch in der Dattelner Tafel – aber nicht explizit für Flüchtlinge.

Dienstagvormittag – Verkaufstag in der Dattelner Tafel an der Heibeckstraße 20. Sechs Kunden, darunter augenscheinlich Flüchtlinge, lassen sich in der ehemaligen Bäckerei Vollmer von Tafel-Helfern bedienen. Draußen warten einige in der Kälte. Von Gedränge keine Spur. „Unser System funktioniert super“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Tanja Schürmann.

Vor zwei Jahren, als Hunderte Flüchtlinge nach Datteln kamen und der Kundenkreis von rund 1200 nachweislich Bedürftigen auf 1800 in die Höhe geschnellt war – was zu langen Schlangen und Wartezeiten geführt hatte – verlängerte Dattelns Tafelteam die Öffnungszeiten und führte ein Nummernsystem ein. Das regelt seitdem, wer wann in der Tafel einkaufen darf. Alle halbe Stunde kommen 15 neue Kunden an die Reihe. Wer seine Zeit verpasst, hat Pech gehabt.

„Daran mussten sich einige erst gewöhnen“, sagt Hedi Hoppe, die ehrenamtlich mithilft. Einige ältere Kundinnen habe der Anblick von Gruppen fremd aussehender Männer damals erschreckt. Manchmal ging es laut und hektisch zu. „Das hat sich aber alles eingependelt. Die Flüchtlinge mussten ja auch erst lernen, wie das hier läuft“, sagt Hedi Hoppe.

Einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge, wie ihn die Essener Tafel beschlossen hatte und dafür viel Kritik hat einstecken müssen (die Tafel in Marl verfährt übrigens ebenso), ist in Dattelns Tafel kein Thema, betont Projektleiterin Ursula Kuchta. Ein Aufnahmestopp gilt indes auch in Datteln. Der gilt aber nicht explizit für Flüchtlinge, sondern vielmehr für Neukunden aus Nachbarstädten. „Wir sind am Ende unserer Möglichkeiten angekommen“, sagt Kuchta. 140 bis 180 Menschen kommen dienstags und donnerstags – den Verkaufstagen. „Zum Monatsende hin sind es immer mehr“, sagt Tanja Schürmann. Aktuell hat die Tafel rund 1500 Kunden, darunter viele Kinder.

Die Vorgänge in Essen will Ursula Kuchta nicht kommentieren, „weil ich die Situation dort nicht einschätzen kann“. In Datteln gelte jedenfalls der Grundsatz, dass Menschen unabhängig von ihrer Konfession oder Nationalität geholfen wird. Nur, wer sich nicht benimmt, bekommt Einkaufsverbot. „Leute, die sich daneben benehmen, gibt es überall“, sagt Tanja Schürmann.

Die Dattelner Tafel ist von der Caritas im Jahr 2000 gegründet worden. Seitdem ist der Kundenkreis stetig gewachsen. Kunden sind Menschen, die mit Arbeitslosengeld II plus maximal 10 Prozent klarkommen müssen. In der Tafel gibt es Lebensmittel, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, für 10 Prozent des ursprünglichen Verkaufspreises. Die Waren werden von Geschäften in der Region gespendet. Auch Gebrauchtkleidung, Kinderspielzeug und Haushaltswaren – Spenden von Bürgern – werden zu günstigen Preisen angeboten.

Helfer und Spender sind in der Dattelner Tafel jederzeit willkommen. Kontakt: Ursula Kuchta, Tel. 02363 / 565616

Die Kritik, die die Essener Tafel bundesweit erntete, bewertet Ursula Kuchta dann aber doch: „Das schadet unserer Integrationsarbeit der letzten Jahre.“ Etwa 70 Helfer hat die Tafel, rund ein Drittel sind selbst Kunden. Auch mehrere Flüchtlinge packen ehrenamtlich mit an oder helfen als Dolmetscher.

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