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Ingrid Töpper (li.) und Christine Maier (re.) helfen Demenzkranken und deren Angehörigen wie (v.li.) Ralf und Vera Reitz sowie Edith und Thomas Velmer.

Demenz

Auch mit Demenz soll man tun, was noch geht

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DATTELN - Oft erkranken auch jüngere Menschen. Für die Betroffenen und deren Angehörige sind die Diagnose und ihre Folgen nicht leicht.

Eineinhalb Jahre hat das Ehepaar Velmer auf eine Diagnose gewartet. „Es hieß immer nur Burnout und es gab Antidepressiva“, erinnert sich Thomas Velmer. „Man wird anfänglich nicht ernst genommen.“ Seine Frau Edith hat im vergangenen Jahr nach vielen Arztbesuchen die richtige Diagnose erhalten: Mit gerade mal Anfang 50 erkrankt sie an einer frühen Form der Demenz.

Seit diesem Tag hat sich im Leben des Ehepaars Velmer einiges geändert: Nach der Diagnose musste Edith Velmer ihren Job aufgeben.

Als Frührentnerin bekomme Edith jetzt nur eine mickrige Rente. „Wir sind eine Patchwork-Familie mit fünf Kindern“, so ihr Ehemann. Thomas Velmer ist Vollverdiener. „Noch geht es“, sagt er. „Aber was machen Menschen, die alleine leben?“ Und bezieht sich dabei nicht nur auf die finanziellen Sorgen, sondern auch auf Behördengänge und Probleme im Alltag.

Hilfe nur von Demenzberatung

Hilfe bekommt das Paar fast ausschließlich von der Demenzberatung der Caritas im Treffpunkt Hachhausen. „Das ist eine ganz große Ausnahme“, sagt Velmer.

Jeden ersten und dritten Dienstag im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe „Aktiv mit Demenz“ bestehend aus acht Mitgliedern. Sie setzen sich mit der Krankheit auseinander, lernen mit der Krankheit zu leben und erfahren Entlastung durch Gemeinsamkeit und Gespräche. Eine dreiviertel Stunde tauschen sich die Mitglieder aus, danach gehen sie oft wandern oder machen andere Ausflüge. „Wichtig ist auch, viel Schönes zu machen“, sagt Ingrid Töpper, Begleiterin der Gruppe. „Das, was man noch kann, soll man tun.“

Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen

Dabei geht Ingrid Töpper auf die einzelnen Bedürfnisse der Gruppenteilnehmer. Ralf Reitz, ebenfalls mit Anfang 50 an Demenz erkrankt, hat bis zur Diagnose im Bergbau gearbeitet. Heute ist er der Kreative in der Gruppe, bastelt und malt und hält sich so fit. In einer Kur hat er für seine Frau ein Halstuch gemacht. „Demenz heißt, ich kann mir nichts mehr merken. Aber es geht noch viel“, weiß Töpper. „Die Fähigkeiten bleiben.“ „Menschen mit Demenz sind nicht blöd, die ziehen nur nicht die richtigen Register“, sagt Thomas Velmer. Zusätzlich zu den regelmäßigen Treffen der Selbsthilfegruppe bietet der Caritasverband Datteln und Haltern am See ein ganzheitliches Gedächtnistraining für erkrankte Menschen an. „Das Gehirn hat 14 Hauptfähigkeiten – wir versuchen sie zu aktivieren“, sagt Christine Maier, die das Gedächtnistraining betreut. „Dabei wollen wir aber ganz viel Leistungsdruck rausnehmen.“

„Es gibt viel zu wenige Angebote für die Art der Krankheit“, sagt Thomas Velmer. Vor allem für die Menschen, die in jungen Jahren erkranken und ihre Angehörigen sei es schwierig, da sie mitten im Berufsleben stecken. Gern würde Thomas Velmer seine Frau zu einer Kur begleiten, weiß aber noch nicht, wie er das beruflich stemmen kann. „Man braucht für alles, was diese Krankheit betrifft, einen langen Atem.“

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