Diesel-Streit

Dattelner Autohändler sehen sich gerüstet

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DATTELN - Die Kunden lassen sich von den drohenden Diesel-Fahrverboten nicht aus der Ruhe bringen. Hybrid-Fahrzeuge und Euro-6d-TEMP-Diesel sind auf dem Vormarsch.

Auf einigen Straßen in Berlin sind die Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge bis zur Schadstoffklasse Euro 5 seit vergangener Woche beschlossene Sache. Noch in diesem Jahr stehen Urteile für Dortmund, Essen und Gelsenkirchen an. Die Autohändler in Datteln sehen derweil noch keinen Grund zur Panik. Die meisten Anbieter sehen sich für eine mögliche Zukunft mit Fahrverboten für Diesel-Autos, die einen hohen Stickstoff-Ausstoß aufweisen, gerüstet, so das Ergebnis einer Morgenpost-Umfrage.

Bei Toyota geht der Trend in Zeiten der Diesel-Debatte zu Hybrid-Fahrzeugen, wie Paul Konstanzak, Inhaber des Autohauses Konstanzak, bestätigt. 50 Prozent seiner Verkaufsabschlüsse seien zurzeit Hybride. Dieselfahrzeuge hingegen würden nur noch knapp zehn Prozent seines Fahrzeugbestandes ausmachen. „Viele Diesel-Kunden warten noch ab und fahren ihr Auto weiterhin. Vom Kauf eines neuen Diesel-Modells nehmen sie aber eher Abstand“, erklärt Konstanzak. Für einen Euro-5-Diesel im Ankauf könne er „im Prinzip nicht viel geben.“ Er sehe einen Wertverfall der in der Kritik stehenden Fahrzeuge.

Stefan Birken, Filialleiter bei Ford Mohag, konnte in den vergangenen Wochen und Monaten eine verstärkte Nachfrage nach der angebotenen Diesel-Prämie des Autohauses feststellen. Für einen Euro-5-Diesel würden sich hingegen derzeit nur wenige seiner Kunden interessieren. „Wichtig ist aber, dass die Autofahrer ihren Bedürfnissen entsprechend beraten werden“, sagt Birken.

Volvo: Trend zu Hybriden geht weiter

Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge seien beispielsweise für Pendler noch nicht geeignet. Die Euro-6d-TEMP-Diesel hingegen, die umweltfreundlicher sind und nicht in der Kritik stehen, dagegen schon. Die Marken Ford und Volvo sieht der Filialleiter dabei allerdings als nicht allzu diesellastig aufgestellt. 30 Prozent der Autos in seinem Fuhrpark seien zurzeit Diesel. Der Trend in Richtung Hybrid-Fahrzeuge werde laut Birken aber insbesondere bei Volvo weiter gehen.

Mazda dagegen lege nach Aussage von Autohaus-Südring-Geschäftsführer Udo Voigt zurzeit sogar wieder im Diesel-Sektor zu: Der Konzern setze dabei auf die umweltfreundlicheren Euro-6d-TEMP-Diesel, die von der Diskussion um mögliche Fahrverbote nicht betroffen sind. Eine Prämie für alte Diesel gebe es dagegen seit Anfang Oktober nicht mehr. „Die Zeiten sind vorbei. Die Nachfrage danach hat einfach zu sehr nachgelassen“, sagt Voigt. Hybride seien bei Mazda aktuell kein Thema, da „die Nachfrage gegen Null läuft.“ Im Bereich der Elektro-Fahrzeuge soll jedoch im Jahr 2019 nachgelegt werden, weil Mazda dort noch etwas zurückliegen würde.

Euro-5-Diesel: Nur noch Altbestände bei Mazda

Die aktuelle Modelpalette bestehe fast ausschließlich nur noch aus Euro-6-Modellen. Voigt habe derweil nur noch Altbestände an Dieseln mit einem höheren Schadstoffausstoß auf seinem Hof stehen. Zusammen machen diese ungefähr 30 Prozent seines Bestandes aus.

Während der Diesel-Streit die Bundesregierung und die Automobil-Branche in Atem hält, bleibt Martin Kochalski, Filialleiter beim Mitsubishi-Händler Westring Automobile „ganz entspannt“. Er fahre selber noch einen Euro-5-Diesel und kann die große Debatte über die Umweltbelastung dieser Modelle nicht verstehen. „Die Schadstoff-Grenzwerte auf den Straßen wurden sehr niedrig festgelegt. Die Grenzwerte für den Arbeitsplatz, einer Küche mit Gasherd oder einem Kaminzimmer sind dagegen um ein Vielfaches höher“, sagt Kochalski. Zudem würden die 15 größten Schiffe der Welt mehr Stickoxide ausstoßen, als 750 Millionen Autos zusammen. Kochalski geht davon aus, dass neue Fahrverbote, auch im Ruhrgebiet, folgen werden. Für Datteln könne er sich dieses Szenario aber nicht vorstellen.

Elektro-Mobilität: „nicht ausgereift“

Die Elektro-Mobilität sieht der Mitsubishi-Händler hingegen aufgrund der kurzen Akku-Laufzeiten und langen Ladezeiten als „nicht ausgereift.“ Im Hybrid-Sektor dagegen sieht Kochalski die Japaner als Vorreiter. Er kaufe auch in Zukunft noch Diesel-Fahrzeuge an, auch wenn der Markt zurzeit schlecht sei. Eine Nachfrage nach Diesel-Autos sei aber bei ihm zurzeit nicht vorhanden, deshalb seien zur Zeit auch nur zwei Diesel-Fahrzeuge in seinem Bestand.

Auch Gordon Timmermann, Verkäufer beim Mercedes-Benz-Händler Fritz Schopp, erkennt einen Wertverlust der Diesel-Modelle mit höherem Schadstoffausstoß. Die Fragen der Kunden über den anhaltenden Streit um die Diesel-Fahrzeuge seien in den letzten zwei Jahren zwar immer wieder aufgetreten, in den letzten Monaten aber weniger geworden. „Der Großteil der Kunden fährt seinen Wagen weiter. Ein oder zwei Kunden informieren sich pro Woche im Schnitt über das Thema bei uns“, erklärt er.

Diesel-Fahrzeuge würde der Mercedes-Händler aber dennoch weiterhin ankaufen. „Ich bin auch für saubere Luft“, sagt Timmermann, „aber wenn um uns herum alle weitermachen wie zuvor und nur Deutschland Fahrverbote einführt, ist das auch keine Lösung.“ Die Nachfrage nach Hybriden sei eher gering. Besonders die geringe Laufleistung sei ein Grund.

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