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In der Sonne sitzen, Kaffee trinken und die gute Musik von dem Duo „Die Zwei“ hören, das genossen die Dattelner. Einkaufsgedanken kamen da weniger auf.

Einzelhandel

Gähnende Leere beim "Heimat shoppen"

Datteln - Für den Handel wurde „Heimat shoppen“ zum Flop. Die begleitende KuMu-Szene dagegen zeigte sich zufrieden.

Die Aktion „Heimat shoppen“ hat Dattelns Einzelhändler nicht zufriedengestellt. Die Werbegemeinschaft machte zum dritten Mal bei der von der IHK initiierten Aktion mit und hoffte, verstärkt auf den stationären Handel aufmerksam zu machen. Die begleitende KuMu-Szene dagegen zeigte sich zufrieden, ihr Kultur- und Musik-Programm zog Passanten an.

„Und wo ist jetzt was los?“ fragen sich drei ältere Damen am Freitagnachmittag auf dem leeren Neumarkt und finden keine Antwort. Das „Heimat shoppen“ unter dem Motto „Innenstadt bewegt (sich)“ hat die Werbegemeinschaft Datteln organisiert und es soll direkt in ihre Geschäfte führen. Tut es aber nicht. „Nur mit Werbeflyern und Tüten zum Heimatshoppen ausgestattet, locken wir niemanden hinter dem Ofen hervor.“, sagt Verkaufsberaterin Christiane Becht-Baran vom Reformhaus Kaubisch an der Castroper Straße. Ihr verkaufsstärkster Tag der Woche ist völlig unabhängig von der Aktion der Donnerstag.

Die KuMu-Szene hat sich erneut eingeklinkt und ihre Künstler auf drei Bühnen vom Tigg über die Hohe Straße/Ecke Kolpingstraße rüber zu Danielsmeier positioniert. Im Gegensatz zum letzten Jahr spielt der Wettergott mit, die Kunden jedoch nicht. Vor dem Eingang des Bücherwurms liegt ein roter Teppich. Die Teppich-Aktion haben sich bereits im letzten Jahr die Macher der KuMu-Szene, Sonja Choyka, Karsten Schulte und Christoph „Stoffel“ Dördelmann erdacht.

Als optimale Spielfläche entpuppt sich der Tigg

Die Botschaft: „Die KuMu-Szene rollte Geschäftsleuten den roten Teppich aus.“ Wolfgang Tänzer wirft zwei Lesungen ins Kultur-Rennen, zu der ersten finden sich knapp zehn Zuhörer in seinem Kaminzimmer ein. Die zweite Lesung wird kurzerhand auf die Bühne vor dem Kaufhaus Danielsmeier verlegt. An der eilen die Passanten vorbei oder bleiben kurz stehen. Songwriter Carsten Kollmeier und Kalle Moosherr sowie Vorleser Stephan Sandkühler geben trotzdem alles.

Zuhörerin Anne Robran versteht das Anliegen, die Künstler gleichmäßig in der Stadt zu verteilen, findet jedoch die Lautstärke der vorbeifahrenden Autos an der Castroper-Straße absolut störend. Tänzers Resümee: „Alles wie immer, keinen Kunden mehr gewonnen.“ Als optimale Spielfläche entpuppt sich der Tigg. Die Bühne vor Kösters Kaffeehaus wird Freitag von dem Duo „Die Zwei“ erobert. Andreas Koll und Beate Lucas inszenieren einen vergnüglichen Zuhör-Nachmittag, trotzdem sind nur wenige Zuhörer da.

Am Samstagvormittag tröpfeln nur wenige Besucher am Tigg vorbei

„Viele sind zu dieser Uhrzeit noch arbeiten.“, erklärt Zuschauerin Andrea Bruttler. Sie mag recht haben, am Abend füllt sich der Platz merklich. Max Buskohl singt und fängt die Menschen mit seiner Musik ein. Im Schein der untergehenden Abendsonne entwickelt der Tigg eine besondere Atmosphäre. Die ist am Samstagvormittag schon wieder vorbei, nur wenige Besucher tröpfeln zu den weiteren Künstlern ein.

Ulrike Köster stellt zum Abschluss des Heimatshoppings fest: „Wir hatten nicht mehr Besucher als sonst. Im Vergleich zum Sommernachts-Shopping sogar weniger.“ Das Ehepaar Schade schiebt seine Fahrräder durch die Hohe Straße und bleibt stehen, um dem Duo „Pütt-Portal Formidabel“ zu lauschen. „Wir kaufen bewusst in Datteln ein, mit und ohne Musik“, lautet ihr Einkaufsstatement. Monika Bohland vom Handarbeitsgeschäft Fadenspiel kann dem „Heimat shoppen“ nichts abgewinnen.

„Wir haben schon so vieles versucht, aber weder durch verlängerte noch durchgehende Öffnungszeiten das Kaufverhalten der Kunden verändern können.“ Das Juweliergeschäft Sternemann ist sehr gut besucht. Das ist jedoch unabhängig von der Aktion zu sehen. „Wir haben am Samstag immer sehr gut zu tun“, sagt das Verkaufspersonal unisono.

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