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Der Caritasverband bietet Müttern und Vätern Kurberatungen an. Angelika Laschke (li), Mutter von drei Kindern, hat sich von Ursula Kuchta, Fachdienstleiterin der Caritas Datteln und Haltern am See e.V. zum Thema Mutter-Kind-Kur beraten lassen.

Erholung

Bei Erschöpfung kann eine Kur helfen

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Datteln - Kur als Vorsorge: Die Caritas bietet Beratungen für Mutter/Vater-Kind-Kuren an. Wir waren bei einem Beratungsgespräch beim Caritasverband dabei.

Beruf, Hausfrau und Mutter: Die Dreifach-Rolle bringt manche Frauen an ihre Grenzen. Vor allem wenn zusätzlich noch Faktoren wie ein erkranktes Kind, Arbeitslosigkeit, ein Todesfall oder Ähnliches hinzukommen. Bei Erschöpfung und Überanstrengung kann eine Auszeit helfen. Der Caritasverband Datteln und Haltern am See e.V. bietet Müttern und Vätern Kur-Beratungen an – mit und ohne Kind.

„Mir war gar nicht bewusst, dass mir so etwas zusteht“, sagt Angelika Laschke, Mutter von drei Kindern. „Ich dachte, es sei nur für Mütter, die wirklich am Limit sind“, so die 52-Jährige. „Man stellt die eigenen Wünsche einfach hinten an und rappelt sich immer wieder auf“, sagt Laschke.

Sie ist Erzieherin im St.-Marien-Kindergarten im Dümmer. Ihre Chefin hat sie auf die Idee mit der Kur gebracht. „Einmal im Jahr stellt jemand von der Caritas das Kur-Angebot im Kindergarten vor“, berichtet Laschke. Ihre Chefin habe sie dazu ermuntert, sich das Angebot anzuhören und durch den Kopf gehen zu lassen.

Kurhaus mit breitem Angebot

Ein halbes Jahr nach dem Erstgespräch war es dann soweit: Angelika Laschke hat mit ihrer zehnjährigen Tochter Sarah für drei Wochen das Kurhaus „Maria am See“ in Bad Salzungen in Thüringen besucht. Ihre Tochter wurde für diese Zeit von der Schule befreit. „Sie war kurz vor dem Schulwechsel und es standen keine wichtigen Klausuren mehr an“, erklärt Laschke. Sarah habe aber trotzdem Hausaufgaben machen müssen, die ihre Lehrerin nach der Kur kontrolliert hat.

Laschke entschied sich bewusst für ein Kurhaus, in dem sie auch viel Zeit mit ihrer Tochter verbringen konnte. Denn die gemeinsame Zeit komme im Alltag oft zu kurz. „Sarah hat die Zeit richtig genossen und würde jederzeit wieder mitfahren“, erzählt Laschke. Es sei schön gewesen, auch spontan mal etwas zusammen unternehmen zu können.

Mutter und Tochter haben während der Kur zusammen gefrühstückt und zu Abend gegessen. Während einiger Pflichttermine, Gespräche und Anwendungen, die bis zum Mittag andauerten, wurde Tochter Sarah betreut. „Es gab ein breites Angebot vom Herz-Kreislauftraining wie Joggen oder Walken über Entspannungstraining, Rückenschule und Unterwassermassagen bis hin zu Kreativarbeiten und Vorträgen“, berichtet die Erzieherin.

Großteil der Kosten übernehmen die Krankenkassen

Ihr Kur-Ziel war es, so viel Zeit wie möglich mit ihrer Tochter zu verbringen und zu sich selbst zu finden. „Die äußeren Gegebenheiten ändern sich nicht, während man weg ist, aber man kann an sich arbeiten und ich habe gelernt, auch mal ´Nein`zu sagen“, erklärt Laschke. Ihr und ihrer Tochter habe die Kur sehr gutgetan: „Ich ärgere mich, es nicht früher gemacht zu haben“ sagt Angelika Laschke im Nachhinein.

Viele positive Rückmeldungen zu den Kuren bekommt auch Ursula Kuchta, Kur-Beraterin und Fachdienstleiterin der Caritas. 417 Beratungsgespräche hat der Caritasverband Datteln und Haltern am See e.V. im vergangenen Jahr durchgeführt. Nur etwa die Hälfte der beantragten Kuren wurden von den Krankenkassen auch bewilligt. 52 Mütter und vier Väter konnten mit ihren Kindern eine Kur machen.

Einen Großteil der Kosten übernehmen die Krankenkassen. „Der Tagessatz liegt bei einer Pauschale von etwa 80 bis 90 Euro“, sagt Kuchta. Dennoch müsse ein Eigenanteil von 220 Euro gezahlt werden, von dem man sich in Ausnahmefällen auch befreien lassen könne. „Bei den Kurhäusern handelt es sich nicht um 3-Sterne-Hotels. Die Zimmer sind zweckmäßig eingerichtet“, betont Kuchta. Gemäß der ärztlichen Indikation gibt es vor Ort medizinisch-therapeutische Anwendungen, themenzentrierte Gespräche und Mutter-Kind-Interaktionen.

-Einmal im Monat bietet der Caritasverband eine Erstinformation an -Wenn der Hausarzt die Kur befürwortet wird nach nach einem indikationsgerechten Kurhaus gesucht -Die Caritas unterstützt Eltern auf Wunsch vor, während und nach der Kur -Kinder erhalten ebenfalls bei Bedarf individuelle Anwendungen, können bis zwölf Jahren aber auch als Begleitkind mitgenommen werden -Als Nachsorge werden Einzel- und Gruppengespräche angeboten -Kosten: Wenn die Kurmaßnahme bewilligt ist, übernimmt die Krankenkasse die Klinikkosten aber es muss ein Eigenanteil von etwa 220 Euro gezahlt werden, eine Befreiung ist möglich .Alle vier Jahre kann eine Kur neu beantragt werden

Nach der Kur werden die Eltern zu einem Nachsorgegespräch eingeladen. Für einen möglichst nachhaltigen Erfolg dieser Vorsorgemaßnahme wird für die Eltern nach geeigneten Therapieplätzen, Beratungsgruppen, Entspannungs- und Sportkursen gesucht — auch wenn die Umsetzung im Alltag bei alleinerziehenden Eltern, in Großfamilien oder bei der Dreifach-Rolle: Beruf, Hausfrau und Mutter – oft schwierig ist.

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