Ermittlungen laufen

Missbrauchsfall: Zeugin belastet das Jugendamt

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Datteln - Mitte Februar wurde ein 54-jähriger Mann aus Datteln wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs festgenommen. Jetzt gibt es Hinweise, wonach das Jugendamt früheren Hinweisen nicht nachgegangen ist.

Ein anwaltliches Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, deutet darauf hin, dass die Ex-Frau des Tatverdächtigen bereits im Jahr 2014 dem Jugendamt in Datteln mitgeteilt hat, auf dem PC ihres Ex-Mannes Videos und Bilder mit kinderpornografischen Inhalten gefunden zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Bochum bestätigt jetzt, dass auch ihnen diese Information bekannt ist. „Uns liegt eine Zeugenaussage vor, wonach eine Meldung über kinderpornografische Inhalte auf dem PC des Tatverdächtigen bereits im Jahr 2014 an das Jugendamt erfolgt sein soll“, so Oberstaatsanwalt Paul Jansen.

Auf Nachfrage teilt Stadtsprecher Dirk Lehmanski hierzu mit, dass bei der Stadt Datteln ein solcher Vorgang aus dem Jahre 2014 beim Jugendamt nicht dokumentiert sei. Eine Aufklärung werde zudem erschwert, da Mitarbeiter, die damals für einen solchen Fall zuständig gewesen wären, mittlerweile nicht mehr im Dienst des Jugendamtes seien.

Mitte Februar wurde der 54-jährige Tatverdächtige in seiner Wohnung auf der Castroper Straße festgenommen. Der Zugriff der Polizei erfolgte in den frühen Morgenstunden, in dessen Folge auch die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht wurde. Die Beamten konnten dabei diverse Datenträger sicherstellen. Der Oberstaatsanwalt bestätigt, dass auf den Datenträgern kinderpornografische Inhalte in Form von Bildern und Filmen gefunden wurden.

Datensichtung wird einige Wochen in Anspruch nehmen

Das sichergestellte Datenvolumen sei jedoch so groß, dass die Auswertung einige Wochen in Anspruch nehmen werde. „Mehrere Beamte sind damit befasst, die Bilder und Filme zu sichten und zuzuordnen“, so Jansen. Schon auf den ersten Blick habe sich aber gezeigt, dass das gefundene Bildmaterial einen Zeitraum von mehreren Jahren umfasse.

Wichtig sei nun festzustellen, ob es sich bei dem Material um heruntergeladene Dateien handelt, oder ob der Tatverdächtige sogar selber Filme und Fotos erstellt habe, die dem Tatvorwurf entsprechen. Die Ermittler erhoffen sich nun durch die Datenträgerauswertung Erkenntnisse darüber, ob es noch weitere Opfer gibt. Ob der 54-Jährige vielleicht sogar Teil eines Netzwerkes ist, kann Jansen nicht bestätigen. „Es liegen uns bislang keine Hinweise vor, die darauf schließen lassen“, so Jansen.

Es war die Mutter des elfjährigen Opfers, die Verhaltensauffälligkeiten bei ihrem Kind bemerkt hatte. Nachdem sich das Kind schließlich der Mutter anvertraut hatte, erstattete diese Anzeige. Der Tatverdächtige befindet sich seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Er schweigt bis heute beharrlich und äußert sich nicht zu den Vorwürfen, so der Oberstaatsanwalt. Ihm wurde ein Pflichtverteidiger zur Verfügung gestellt.

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