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Fahrradklima-Test

Miserable Noten

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Datteln - Beim Fahrradklima-Test des ADFC landet Datteln bundesweit auf dem viertletzten Platz. In NRW ist die Kanalstadt sogar Schlusslicht. Die Stadt wiegelt ab, das Ergebnis sei nicht repräsentativ.

Die Auswertung des jüngsten Fahrradklima-Testes des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) spricht eine deutliche Sprache. Die Stadt Datteln bekommt von ihren eigenen Radfahrern miserable Noten. In der Stadtkategorie 20.000 bis 50.000 Einwohner landete die Kanalstadt auf dem viertletzten Platz (308 von 311). Und im NRW-Vergleich hat Datteln sogar die rote Laterne übernommen (82 von 82).

Sicherheitsgefühl mangelhaft

90 Bürger hatten an der Umfrage-Aktion des ADFC im Herbst letzten Jahres teilgenommen. Der Aufruf des passionierten Radfahrers Michael Kemper über unsere Zeitung, bei der Aktion mitzumachen, hatte damit Erfolg. Denn die Mindestteilnehmerzahl, um in die Auswertung zu kommen, liegt bei 50. Vor zwei Jahren war Datteln an dieser Hürde noch gescheitert. Und Michael Kemper wundert das miserable Abschneiden Dattelns nicht. Er übt deutliche Kritik an der Radfahr-Politik der Stadtverwaltung. Nach seiner Meinung wird viel zu wenig getan und investiert, um das Radfahren in Datteln attraktiver und vor allem sicherer zu machen. Zwangsläufig kommt für ihn bei der Befragung deshalb auch beim Thema Sicherheitsgefühl die Schulnote fünf heraus. Das beste Beispiel für eine verfehlte Radfahr-Politik ist für Michael Kemper die Castroper Straße. Dort wird seit längerem an der Kanalisation gebuddelt und wenn die Baustelle weiter wandert, ist der gleiche Zustand wie vorher hergestellt. Für Kemper ist es unverständlich, warum hier nicht die Chance genutzt wurde, die Situation für Radfahrer zu verbessern. Auch fehlendes Geld lässt Kemper nicht als Argument gelten. „Da gibt es doch sicherlich Fördertöpfe.“

Auch die Polizei hält bessere Voraussetzungen fürs Radfahren für zwingend notwendig. Die Unfallstatistik spricht da eine deutliche Sprache. Die Zahl der Radfahrunfälle ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 15 auf 56 gestiegen. Eine Radfahrerin verlor sogar ihr Leben.

Stadt hält Umfrage für nicht repräsentativ

Und was sagt die kritisierte Stadtverwaltung zu dem schlechten Abschneiden? Sie wiegelt ab. Man nehme das Thema natürlich ernst, sagt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. Allerdings verweist er auf die Zahl von 90 Teilnehmern in Relation zu 35.000 Einwohnern. „Das wären ca. 0,26 Prozent, wenn nur Dattelner teilgenommen hätten. Auch ist nicht sicher, ob manche Personen mehrfach teilgenommen haben.“ Daraus ergebe sich für die Stadt ein subjektives und nicht repräsentatives Ergebnis.

Onkel Olli:

Egal ob Radfahrer oder Autofahrer. Datteln ist verkehrstechnisch eine einzige Katastrophe. Tino Giering: Ich fahre jeden Tag mit dem Rad, es gibt auch einige gute Strecken. Aber in der Summe ist es teilweise schon grob fahrlässig, was bauseits geboten wird. Ein Top-Beispiel: An der Castroper Straße werden wieder Randsteine genommen, die absolut gefährlich sind. Jan Baron: Eine Stadt kann fahrradfreundlich sein, wenn die Grundvoraussetzungen dafür gegeben sind. In Datteln ist das bedingt durch schmale Straßen und Parkplatznot leider nicht der Fall. Hier ist halt die Harmonie zwischen Rad- und Autofahrer gefordert. Günter Do-Mann: Viele Radfahrer halten sich nicht an Verkehrsregeln oder Vorschriften, teilweise aus Unkenntnis oder absichtlich. Es wird zu wenig kontrolliert und geahndet. Malte Januar: Die Niederlande sind uns, was Verkehrsplanung, Radwege und Städteplanung angeht, um Lichtjahre voraus. Wenn es gewollt wäre, wäre es auch bei uns umsetzbar. Deutschland ist aber leider ein Autofahrerland. Maik Friedrich: Wir sind eine Zeit lang mit dem Fahrrad und Kinderanhänger gefahren, aber inzwischen ist das nicht mehr denkbar. Der Anhänger misst 90 cm in der Breite und das ist gerade in den Baustellen nicht mehr gegeben. Alles in allem ist die Situation alles andere als gut und der letzte Platz in dieser Bewertung ist für meine Begriffe sogar noch geschmeichelt. Andrea Pieper: Die Bewertung ist gerechtfertigt. Radfahren in Datteln ist eine Katastrophe. Radfahrwege zugeparkt mit Autos oder im Außenbezirk voller Äste und hochgewachsener Baumwurzeln. Am Busbahnhof stehen ständig Personen auf dem Radfahrweg. Mike Morgul: Also bei der Baustelle aus Richtung Lukas-Kreuzung zur Innenstadt kann man mit dem Fahrrad gar nicht mehr sicher langfahren. Das ist total riskant in der Baustelle. Datteln gehört noch weiter nach unten in der Wertung. Daniel Toschke: Hier kann man sich bei der Bordsteinkante sauber beide Radiusköpfchen an den Armen brechen. Justin Dohmen: Ich meide viele Nebenstraßen, weil der Zustand der Radwege unterirdisch ist (Wiesenstraße) oder gar keine vorhanden sind. Ich nutze zu 90 Prozent die Wege am Kanal, obwohl die auch am Kraftwerk oder der Kinderklinik zu wünschen übrig lassen. Der schönste Weg ist ab Dattelner Meer in Richtung Ahsen.

Zudem seien die meisten Fahrradunfälle in Datteln auf Eigenverschulden zurückzuführen. Lehmanski verweist darauf, dass zurzeit der Umbau der Einmündung Hafenstraße/Lohstraße und der Kreisverkehr Wiesenstraße/Hagemer Kirchweg insbesondere zur Verbesserung der Schulweg- und Radfahrsicherheit geplant werde.

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