+
Das Asylbewerberheim an der Markfelder Straße.

Flüchtlings-Unterbringung

Druck ist raus – aber nur kurz

  • schließen

DATTELN - Aufnahmestopp, Notunterkünfte in Turnhallen, Betreuungskräfte am Rande ihrer Leistungsgrenze: In vielen Städten gibt es große Probleme, die Vielzahl der hier ankommenden ausländischen Flüchtlinge unterzubringen. Datteln ist in dieser Sache derzeit eine Ausnahme. Aber Bürgermeister André Dora geht davon aus, das dieser entspannte Zustand hier nur von kurzer Dauer sein wird.

Ursache ist allerdings nicht, dass Datteln weniger Zuweisungen bekommt als andere Städte. 139 Flüchtlinge musste die Stadt in diesem Jahr neu aufnehmen, zur Zeit leben hier rund 250 Flüchtlinge und Asylbewerber. Vielmehr konnte sich die Stadtverwaltung eine Art Wohnraum-Puffer erarbeiten, der Spielraum lässt für neue Flüchtlinge.

Entgegen den bisherigen Planungen kann zum einen die zweite Etage der Sammelunterkunft an der Markfelder Straße doch weiter genutzt werden. Wegen Brandschutzmängeln sollte die komplette Etage eigentlich geschlossen werden. „Wir haben uns das mit einem Brandsachverständigen aus Recklinghausen noch einmal angeschaut und haben einige bauliche Veränderungen vorgenommen, unter anderem ist jetzt eine Brandmeldeanlage aufgeschaltet, sodass uns die komplette Unterkunft weiter zur Verfügung steht“, erläutert Bürgermeister André Dora auf Anfrage unserer Redaktion.

In der zweiten Etage können rund 40 Personen untergebracht werden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Gebäude baulich abgängig ist. Angesichts der Notsituation habe man sich entschieden, hier noch einmal Geld zu investieren, erklärt Dora.

Geholfen habe auch die Anmietung der ehemaligen Verwaltungsstelle Süd an der Wittener Straße. Und noch in diesem Monat steht auch das umgebaute Verwaltungsgebäude des ehemaligen Betriebshofes im Hötting zur Verfügung – und damit Platz für weitere 40 Flüchtlinge. „Hier warten wir nur noch auf einige Bauabnahmen“, so Dora.

Mit Blick auf die Ereignisse in Oer-Erkenschwick – hier wollte die Bezirksregierung eine leer stehende Schule als Notunterkunft beschlagnahmen (wir berichteten) – bestätigt der Bürgermeister, dass Münster auch in Datteln angefragt habe, ob es Kapazitäten für eine solche Notunterkunft gebe. „Wir haben aber keine Gebäude, die der gewünschten Größenordnung für 100 bis 150 Personen entsprechen“, sagt Dora.

Und städtische Turnhallen – wie zuletzt in Marl und Recklinghausen geschehen – möchte Dora nicht mit Flüchtlingen belegen lassen. Dora hält Sporthallen nicht für menschenwürdig. Angesichts der weiter zu erwartenden Zuweisungen wird der Platzpuffer für rund 40 Personen im Oktober aufgebraucht sein.

„Dann werden wir wieder neuen Wohnraum benötigen“, sagt der Verwaltungschef. Deshalb ist man im Rathaus weiter permanent auf der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten. Es ist also schon bald wieder Druck im Kessel. Das gilt auch für die Finanzen. Pro Flüchtling zahlt die Stadt nach Angaben von Bürgermeister Dora 362 Euro im Monat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Hohe Temperaturen: Feuerwehr und Stadt im Einsatz - Bauern und Förster bangen
Hohe Temperaturen: Feuerwehr und Stadt im Einsatz - Bauern und Förster bangen
Die Einsatzfahrzeuge der Waltroper Feuerwehr: Welche sie haben, wofür sie gebraucht werden 
Die Einsatzfahrzeuge der Waltroper Feuerwehr: Welche sie haben, wofür sie gebraucht werden 
Bahnsteig-Mord macht fassungslos: Augenzeuge schildert tödliche Szene
Bahnsteig-Mord macht fassungslos: Augenzeuge schildert tödliche Szene
Schock am frühen Morgen: Diebe machen fette Beute am Kanal
Schock am frühen Morgen: Diebe machen fette Beute am Kanal
Marvin (15) wird seit zwei Jahren vermisst - jetzt beteiligt sich "Aktenzeichen XY" an der Suche 
Marvin (15) wird seit zwei Jahren vermisst - jetzt beteiligt sich "Aktenzeichen XY" an der Suche 

Kommentare