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Sind stolz auf die Internatsarbeit (v.li.): Margret Hartmann, Margit Kocnar und Hildegard Schmitz.

Förderschulinternat Horneburg

50 Jahre erfolgreiche Integration

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DATTELN - 50 Jahre Förderschulinternat Schloss Horneburg – das sind fünf Jahrzehnte, in denen innerhalb der Schlossmauern nichts so beständig war, wie der ständige Wandel. Das Klientel hat sich verändert, die Aufgabenstellungen, die Arbeitsschwerpunkte. Das 70-köpfige Internatsteam kümmert sich inzwischen nicht mehr um Menschen aus fremden Krisengebieten, sondern um Krisen vor der eigenen Haustür. Aber der rote Faden der Integration von Kindern und Jugendlichen, die Hilfe benötigen, wurde nie aus der Hand gegeben.

Die heutige Leiterin der Einrichtung, Margit Kocnar, ihre Stellvertreterin Hildegard Schmitz und die frühere „Schlossherrin“ Margret Hartmann erzählen im Gespräch mit unserer Redaktion über die Geschichte und die Arbeit dieser in mehrerer Hinsicht einmaligen Einrichtung.

Von den Anfängen, als polnische Aussiedlerkinder zur sprachlichen Integration aufgenommen wurden. Von den vietnamesischen Flüchtlingskindern – die Boat-People – , die ab 1979 ein vorübergehendes Zuhause in Horneburg fanden. Und von der konzeptionellen Neuausrichtung in den 90er-Jahren, als der Bund die Hilfsmittel für Aussiedler und Flüchtlinge massiv zurückfuhr und sich das Internat immer mehr auf aktuelle Erfordernisse der Jugendhilfe konzentrierte. Und dies bis heute tut.

„Damals gab es nichts zwischen Tagesstätte und Heimunterbringung. Und wir haben uns von je her von der klassischen Heimunterbringung unterschieden“, erzählt Margret Hartmann. Denn oberstes Ziel ist es nach wie vor, die Kinder und Jugendlichen zurück in die Familien zu bringen. „Es gibt keine Alternative zur Familie“, sagen Margit Kocnar und Hildegard Schmitz.

Und deshalb geht es im Internat auch um die ganzheitliche Therapie von Familien, bei der Pädagogen, Therapeuten und Psychologen Hand in Hand arbeiten. Und mit dieser Konzeption zur Erziehungshilfe ist das Haus in Horneburg einmalig in NRW.

Die Probleme der rund 100 Kinder und Jugendliche, die an fünf Tagen in der Woche im Internat betreut werden, sind so vielschichtig wie ihre gesellschaftliche Herkunft. Kinder mit Magersucht wohnen Tür an Tür mit Schulverweigerern. Die Arzttochter arbeitet in den Arbeitsgemeinschaften mit dem Kind aus einer Hartz-IV-Familie zusammen.

Eines haben alle gemeinsam: Sie sind auffällig geworden mit ihrem Verhalten. In der Familie, sehr oft auch in der Schule. Und die Probleme sind so groß, dass das Umfeld – Familie und Schule – mit den jungen Menschen nicht mehr klar kommt und das Jugendamt um Hilfe bittet.

Zwei Jahre dauert im Durchschnitt der Aufenthalt im Internat, bis es zur Rückführung in die Familie kommt, erzählt Margit Kocnar. Und die Erfolgsquote ist hoch. Das liegt nicht nur am hohen Personalschlüssel. Die Internatsleitung ist überzeugt, dass auch das Umfeld des Schlosses viel zum Erfolg beiträgt. Die Kinder erleben hier das Besondere, sie empfinden es als Wertschätzung. Das gilt auch für die Eltern.

Der ständige Wandel im Internat wird weiter gehen. Margret Hartmann und Margit Kocnar befürchten, dass die Folgen der Inklusion dem Internat noch viel Arbeit bereiten wird. „Inklusion ist Augenwischerei. Der Boomerang kommt zurück“, kritisiert Margret Hartmann die Aufgabe von Förderschulen. „Es werden viele Kinder durch das System fallen.“ Und auch diese Kinder werden Integration benötigen, um nach einer problematischen Phase zurück in das Schulsystem zu können. Hilfe, auf die sich das Internat in Horneburg spezialisiert hat.

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