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Nach dem Brand im Dezember 2014 an der Friedrich-Fröbel-Schule wurde in diesem Jahr das Urteil gesprochen. Das Motiv macht fassungslos, möglichst viele Polizisten und Feuerwehrleute sollten ausrücken, damit in Datteln ein Einbruch verübt werden sollte.

Gerichtlicher Jahresrückblick

Perfide Maschen und Unschuldsbeteuerungen

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DATTELN - Das Gerichtsjahr 2018 hatte für Datteln einiges zu bieten. Wir blicken zurück auf die Fälle, die in Erinnerung bleiben werden.

Den Überraschungserfolg des Jahres verbuchte die Stadt Datteln im Streit um die Einführung einer Parksanduhr. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hob im Mai wegen formaler Mängel ein Veto des Kreises Recklinghausen auf. Ob in Datteln aber jemals wirklich an der Uhr gedreht werden kann, ist nach wie vor ungewiss. Zur Frage, ob die pfiffige Sanduhr-Idee in Datteln aus rechtlichen Gründen überhaupt Sinn macht, wagten sich die Gelsenkirchener Richter am Ende doch noch ein Stück weit vor. Mit Blick auf den Umstand, dass die Nutzung einer Parksanduhr an Parkflächen mit Parkscheinautomaten dem Wortlaut der Straßenverkehrsordnung (StVO) klar widerspreche, stuften sie die Einführungschancen für eine Sanduhr wörtlich als „schwierig“ ein.

Freispruch wegen Schuldunfähigkeit

Die größte Erleichterung zeigte vor Gericht eine angeklagte Mutter. Nach einer Mini- Serie von wahnhaften Zwischenfällen vornehmlich mit Kindern ist die Frau aus Datteln im Juni freigesprochen worden. Die psychisch kranke Mutter konnte wegen vorliegender Schuldunfähigkeit nicht verurteilt werden. Die Frau war zwischen Juli 2016 und Juni 2017 offenbar mitunter schlagartig von der wahnhaften Idee besessen, dass es sich bei fremden Kindern, die sie auf der Straße erblickte, um ihre eigene Tochter handelt, für die ihr bereits vor Jahren das Sorgerecht entzogen worden ist. Im Zuge dessen war es mehrfach zu Zwischenfällen gekommen, die die Richter im Urteil unter anderem als „Gerangel“ und „extrem unangenehme Situation“ bezeichneten. Eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie kam für die Richter aber nicht in Betracht.

Ein Motiv, das wütend macht, verriet im Juni ein 27-jähriger Angeklagter. Nur weil er nachts ungestört mit einem Komplizen in Datteln einen Einbruch verüben wollte, musste am 8. Dezember 2014 die Friedrich-Fröbel- Schule in Oer-Erkenschwick brennen. „Die Idee war, möglichst viele Kräfte der Polizei und der Feuerwehr zu binden, sodass wir den Einbruch machen können, ohne erwischt zu werden“, sagte der Angeklagte. „Die Schule lag quasi auf dem Weg. Es hätte auch ein Waldstück oder so sein können.“ Als Strafe kassierte er am Ende sechs Jahre Haft. Außerdem muss er damit rechnen, den angerichteten Schaden an der Schule wiedergutzumachen. Die Versicherung soll damals 360.000 Euro bezahlt haben.

Zahnstocher im Rollo-Schlitz

Eine besonders perfide Masche führte im Oktober zur Verurteilung eines Einbrecher- Trios, das auch in Datteln zugeschlagen hatte. Die Männer hatten gezielt Wohnhäuser mit heruntergelassenen Rollos ausgespäht und einen Zahnstocher im Rollo-Schlitz platziert. Wenn das Stäbchen zwei Tage später noch immer an derselben Stelle war, hatte das Trio kurz danach ungestört eingebrochen und dabei groß abgeräumt. Sogar eine gefrorene Gans und eine Sex-Skulptur zählten zur Beute. Die Richter verhängten bis zu fünf Jahre und acht Monaten Haft.

Die heftigsten Unschuldsbeteuerungen gab ein Angeklagter im Prozess um einen fast vier Jahre zurückliegenden Tresor-Diebstahl in Meckinghoven von sich. Obwohl der Mann bis zuletzt versicherte, dass er „im Leben schon viel gemacht, aber damit nichts zu tun“ hat, wurde er im November zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Richter hatten am Ende keine Zweifel, dass der 47-Jährige bei dem „100.000-Euro- Coup“ seine Finger im Spiel hatte. Sie stützten ihr Urteil im Wesentlichen darauf, dass der Angeklagte von einem Zeugen eindeutig belastet worden war und auch nachweislich mit einer Armbanduhr aus der Beute hantiert hat.

Für den Fauxpas des Jahres zeichnete sich am Bochumer Schwurgericht eine Anwältin verantwortlich. Sie plädierte für den von ihr verteidigten Messerstecher auf fahrlässige Tötung – obwohl gar keiner tot war. Das Opfer war bei einem Stich in die Schulter glücklicherweise nur leicht verletzt worden.

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