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Häusliche Gewalt findet in allen Schichten der Gesellschaft statt.

Häusliche Gewalt

Frauenhaus: Fluchtpunkt in ein neues Leben

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Datteln - Zum Schutz vor häuslicher Gewalt suchen Frauen mit ihren Kindern Zuflucht im Frauenhaus. Der Bedarf ist groß. Die Auslastung des Dattelner Frauenhauses lag im vergangenen Jahr bei 109 Prozent.

Es reicht! Schluss mit häuslicher Gewalt. Doch die Zeit drängt. Frauen die sich entschließen ins Frauenhaus zu gehen haben oft nur wenige Minuten Zeit um die wichtigsten Sachen zu packen. Manchmal kommen sie in Begleitung von Polizei und Jugendamt zum Frauenhaus. Aus dem Koffer heraus fangen sie dann ein neues Leben an. „Der Bedarf an Frauenhäusern ist groß. Häusliche Gewalt ist nicht weniger geworden und findet in allen Schichten der Gesellschaft statt“, sagt Michael Wiese, Pressesprecher der Diakonie im Kreis Recklinghausen.

„Die Ämter haben zum Glück meist ein Nachsehen, wenn die Frauen statt aller Papiere auf die Schnelle lieber das Lieblingskuscheltier des Kindes eingepackt haben“, sagt Karin Hester, Leiterin des Frauenhauses Datteln. Häufig gibt es für die Frauen dann erst einmal kein Zurück.

Sie verlassen ihren Partner, ihre Freunde und ihre gewohnte Umgebung und ziehen in eine neue Stadt – denn die Frauenhäuser nehmen keine Menschen aus der eigenen Stadt auf, um vor den Nachstellungen der Ehemänner sicher zu sein. So muss für die Kinder dann ein neuer Kindergarten- oder Schulplatz gefunden werden. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung werden Angebote wie Kochkurse, Deutschkurse durch die evangelische Familienbildungsstätte, berufliche Beratung für die Mütter oder Spielangebote für die Kinder gemacht. Morgens und am Wochenende bekommen die Frauen Unterstützung – von insgesamt sechs ehrenamtlichen Helfern.

Projekt Second Stage: Zwischenschritt zwischen Frauenhaus und Wohnung

Das Dattelner Frauenhaus ist auf zwölf Plätze ausgelegt, die sich auf sechs Zimmer verteilen. „Bei Bedarf kann aber auch noch ein Beistellbett aufgestellt werden“, so Hester. Im Vergangenen Jahr habe die Auslastung bei 109 Prozent gelegen. „Es ist schon bitter, wenn wir Frauen absagen müssen“, sagt Hester.

Seit 1983 bietet die Diakonie Plätze im Dattelner Frauenhaus an. Das Frauenhaus wird nicht wie einige andere Frauenhäuser in NRW über das Land, sondern über den Kreis finanziert. Zusätzlich durch das Jobcenter, Eigenmittel und Spenden. „Wir hoffen bei weiteren Projekten wieder berücksichtigt zu werden“, sagt Anna-Lena Kzonsek , aus dem Projekt Second Stage, welches vom Land unterstützt und von den Frauen gut angenommen wird. Es ist ein Zwischenschritt zwischen dem Frauenhaus und der eigenen Wohnung. Die Frauen leben hier in einer Art WG mit anderen Frauen und Kindern zusammen und werden auf dem Weg zur eigenen Wohnung beispielsweise bei Behördengängen unterstützt.

Im Frauenhaus sind die Frauen oft nicht länger als drei Monate

Und Unterstützung und Spenden sind immer willkommen. Seien es Sachspenden oder Geldspenden. Ein Spender zum Beispiel lädt Frauen und Kinder einmal im Monat in eine Trampolinhalle nach Gelsenkirchen ein. „Da freuen sich immer alle und die Stimmung ist gut“, so Hester. Denn: „Die Frauen haben teilweise viel und lange Leid erleben müssen. Da tut so ein Ausflug und ein bisschen Abwechslung schon gut“, sagt Hester.

Im Frauenhaus bleiben die Frauen oft nicht länger als drei Monate. „Wir hatten auch schon Frauen hier, die nur zwei Tage da waren“, so Hester. Im Haus kommen Frauen unterschiedlicher Altersgruppen, Kulturen, Hautfarben und Religionen zusammen. Oft bilden sich Freundschaften, die auch über den Aufenthalt hinaus bestehen bleiben. „Wenn die Frauen mit einem Lächeln hier raus gehen, weil sie wissen das sie autonom und gewaltfrei leben können, ist das für mich der schönste Lohn für die Arbeit“, sagt Anna-Lena Kzonsek.

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