Hamm-Osterfelder-Bahnlinie

Datteln bleibt im Netz der Bahn ein weißer Fleck

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Datteln - Personenzüge auf der Hamm-Osterfelder-Bahnlinie – diese Idee fand in Datteln parteiübergreifend große Zustimmung. Der VRR und die Landtagsfraktionen der CDU und FDP sehen das anders.

Auch wenn es ein Antrag der NRW-SPD war, der im Verkehrsausschuss des Landes von CDU und FDP mehrheitlich abgelehnt wurde, ist Max Nastula, Vorsitzender der Jungen Union in Datteln, enttäuscht. Sein CDU-Ortsverband unterstützt seit über zwei Jahren die Idee, die seit 1977 für den Personenverkehr stillgelegte Strecke im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zu reaktivieren.

„Wir in Datteln haben immer eine gute Kommunikation zum Landtagsabgeordneten Jürgen Hovenjürgen“, sagt Nustala und will sich bei seinem Parteikollegen genau erkundigen, warum die CDU einem Bahnhof in Datteln den Riegel vorgeschoben hat. „In diesem Zusammenhang werde ich auch auf das große Interesse an der Bahnlinie hier in Datteln hinweisen“, sagt er.

Auch der Dattelner CDU-Chef Thomas Benterbusch ist „schon ein bisschen traurig“, dass die Bahnlinie keine Zustimmung auf Landesebene fand. „Aber das ist noch nicht endgültig“, sagt Benterbusch. Wie Parteikollege Nastula will er das Gespräch mit den Landesvertretern suchen und dem Bestreben nach einer Bahnanbindung in Datteln deutlich mehr Gewicht verleihen. „Es gibt nicht nur in Datteln breite Unterstützung, sondern auch in Waltrop und Lünen“, sagt Benterbusch.

VRR-Machbarkeitsstudie: Kein Bedarf im Ostvest

Der Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen (CDU) teilte derweil mit, dass es nicht Aufgabe des Landtages, sondern in diesem Fall des VRR sei, über neue Bahnstrecken zu befinden. Er erinnerte daran, dass die Verbindung von Recklinghausen Richtung Lünen-Süd bereits überprüft worden sei und dass der VRR keinen echten Bedarf sehe, weil die Pendlerströme anders verliefen und die Bahnhöfe in Datteln und Waltrop nur am Rande der Siedlungsschwerpunkte liegen würden. Doch das hätte die SPD auch wissen müssen.

Wie Bürgermeister André Dora (SPD) nicht nur den Teilnehmern beim Bürgermeisterforum vor zwei Monaten erklärte, unterstütze er die Bemühungen seiner Parteikollegen an vorderster Stelle. „Wenn es eine Liste gebe, stünde ich ganz oben“, sagte Dora beim Termin in Meckinghoven. Im Rathaus wurde die Nachricht mit Bedauern aufgenommen. „Das beeinträchtigt unsere Pläne für die Stadtentwicklung“, sagt auch Stadtsprecher Dirk Lehmanski.

Kabarettist lacht bei Markus Lanz über Datteln

Über die fehlende Bahnverbindung nach Datteln macht man sich seit März nun auch bundesweit lustig. Der Kabarettist Florian Schröder gastierte in der Dattelner Stadthalle und machte sein Publikum schon dort darauf aufmerksam, dass er umständlich mit der Bahn über Dortmund-Mengede anreisen musste.

Was erst wie ein spontaner Gag auf Kosten der Dattelner klang, beschäftigte Schröder doch noch intensiver. Als er nämlich kurz darauf bei Markus Lanz im ZDF zu Gast war und der öffentliche Nahverkehr thematisiert wurde, erinnerte er an seine umständliche Reise nach Datteln. Dabei übermittelte der Kabarettist eine durchaus ernste Botschaft: Es sei eben schwierig, Menschen zum Umstieg vom Auto hin zu Bus und Bahn zu bewegen, wenn es so ein schlechtes Bahnnetz gebe. Sein Beispiel dafür: der lange Weg nach Datteln. Das Lachen konnte sich das Publikum daraufhin nicht mehr verkneifen.

Amsel: Gespräche hätten keinen Erfolg

Für Peter Amsel (FDP) verlief die Abstimmung auf Landesebene „erwartungsgemäß“. Der Fehler wurde laut ihm in den 70er Jahren gemacht, als von Seiten der Bahn beschlossen wurde, die Strecke stillzulegen. „Es wäre schön gewesen, aber es ist einfach nicht gewollt von der Bahn“, sagt Amsel. Er sehe keine Chance, dass Bemühungen um Gespräche in Richtung seiner Landespartei von Erfolg gekrönt wären. Er erinnert an die Zeit, als durch Datteln Richtung Süden noch die Straßenbahn fuhr, die heute gebraucht würde, um den Straßenverkehr zu entlasten. Neue Nahverkehrsprojekte wie E-Busse seien dagegen nun sehr teuer.

Die Aussagen des Vorsitzenden des Landesverkehrsausschusses, Thomas Nückel (FDP), stützen die Befürchtungen von Peter Amsel. „Wir konnten dem Antrag nicht zustimmen, weil damit letztlich nur Stückwerk betrieben werden würde“, erklärte Nückel. Pläne für neue und zu reaktivierende Bahnstrecken gebe es überall in Nordrhein-Westfalen, deswegen sei es viel sinnvoller, diese Ideen erst einmal zu sammeln und dann zu sichten. „Und das Ergebnis sollte dann in ein Vorhaben münden, das das ganze Land betrifft.“ Laut Machbarkeitsstudie des VRR ist die Strecke durch das Ostvest für den Nahverkehr in NRW nicht relevant.

Geprüft wird dagegen zurzeit die Strecke von Recklinghausen in Richtung Bochum. Dort besteht noch Hoffnung, die Landespolitiker zu überzeugen. Aber auch die Dattelner Unterstützer wollen noch nicht aufgeben. Sie kämpfen weiter für die Strecke durchs Ostvest, damit neben Güterzügen bald auch wieder Waggons mit Personen über die Schienen rollen.

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