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Landwirtschaft, Hitze, Mais, Milchbauer, Kühe

Hitzewelle

Kühe werden durch die Hitze zu Schluckspechten

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DATTELN - 150 Liter Wasser trinken die Tiere von Bauer Wilhelm Schulte-Hubbert wegen der Hitze pro Tag. 60 Liter sind normal.

Mit Ernteeinbußen bis hin zu Totalausfällen müssen Landwirte wegen der Hitzewelle rechnen. „Die letztendlichen Auswirkungen sind noch gar nicht abzusehen“, sagt Heinz Boller, Ortslandwirt aus Datteln. Die Ertragseinbußen bei Mais schätzt er auf 30 bis 40 Prozent. Einige Maisbestände würden sogar schon jetzt – acht Wochen früher – gehäckselt. In so einem Fall würden übergangsweise manchmal Zwischenfrüchte wie Feldgras oder Futterraps angebaut.

Aber auch das sei bei der Hitze nicht möglich, da die Böden zu stark verhärtet und ausgetrocknet seien. Zudem werden viele Maispflanzen von Pilzen befallen, die sich auf den Kolben setzen und diesen von innen heraus zerlegen. „Das ist besonders fatal für die Viehhalter, da sie schon jetzt wegen des fehlenden Grünlandaufwuchses auf die angelegten Winterfuttervorräte zurückgreifen müssen, die dann später fehlen werden“, sagt Boller. In letzter Konsequenz müssten dann Rinderbestände geschlachtet werden, was schon jetzt zu einem drastischen Verfall der Schlachtpreise führe.

Wilhelm Schulte-Hubbert greift schon schon auf Vorräte zurück

So weit ist es bei Milchbauer Wilhelm Schulte-Hubbert zum Glück noch nicht. Die Hitzewelle trifft ihn aber dennoch hart: Bis zu einem Drittel weniger Milch produzieren seine knapp 60 Milchkühe zurzeit. „Ich bekomme die Kühe schon gar nicht mehr aus dem Stall, weil es auf der Weide zu warm ist“, sagt Schulte-Hubbert. Zu seinem Bestand zählen neben den Milchkühen noch 80 Mastbullen und 60 Tiere aus der Nachzucht. Statt normalerweise 60 Liter Wasser am Tag trinken die Kühe derzeit bis zu 150 Liter, was für den Bauern weitere Kosten nach sich zieht.

Denn, wie Heinz Boller erklärt, beträgt der Grundpreis, der pro Liter Milch an die Bauern gezahlt wird, 31 Cent. Die Grundkosten für die Produktion eines Liters belaufen sich allein aber schon auf knapp 23 Cent. „Deshalb setzen die Milchbauern auf Massenproduktion, um überhaupt Gewinn zu erzielen“, sagt Boller. Beim Futter greift Wilhelm Schulte-Hubbert schon auf seine Vorräte zurück. Sein zweiter Schnitt brachte dem Bauern aus zehn Hektar Fläche gerade einmal drei Wagenladungen Heu ein.

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