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Fünf Jahre sind ein gutes Alter, um schwimmen zu lernen. Und das möglichst spielerisch, damit die Knirpse keine Angst vorm Wasser entwickeln. Doch als sicherer Schwimmer wird erst bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfüllt.

Immer weniger Kinder können schwimmen

Gefährlicher Sprung ins kalte Wasser

DATTELN - Schwimmen, das kann doch jedes Kind. So sollte es sein. So ist es aber immer häufiger nicht. Tödliche Badeunfälle häufen sich. Die Wartelisten für Schwimmkurse dagegen sind lang - auch in der Kanalstadt.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zeigt: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Auch das Schulschwimmen ab der 3. Klasse kann dies nicht auffangen.

Die Eltern sind gefordert

„Da kann man den Schulen gar keinen Vorwurf machen. Die haben gar nicht das Personal und die Voraussetzungen, um das zu leisten“, sagt DLRG-Bezirksleiter Detlef Meer. Er sieht vor allem die Eltern in der Pflicht. „Ich habe das Schwimmen nicht bei der DLRG gelernt. Das konnte ich schon. Mein Vater hat es mir beigebracht“, erzählt der Leiter der Dattelner DLRG-Ortsgruppe. „Doch heute gehen viele Eltern mit ihren Kindern ins Spaßbad und lassen sie dort einfach spielen, statt ihnen das Schwimmen beizubringen.“ Kein Wunder, dass das Badpersonal immer mehr Kinder mit Schwimmhilfen beobachtet. „Die Eltern verlassen sich zu sehr darauf, und lassen sie unbeaufsichtigt ins Wasser“, berichtet Ibrahim Özcan, Geschäftsführer des Maritimo in Oer-Erkenschwick. Passiert sei in dieser Saison zum Glück noch nichts Schlimmes. In nur zwei Minuten können die Rettungskräfte das Gelände überblicken, „doch die meisten Unfälle passieren, wenn sich die Eltern nur kurz mal umdrehen.“ Auch Detlef Meer warnt davor, sich auf Schwimmhilfen zu verlassen. „Das ist eine trügerische Sicherheit.“

Ein Jahr Wartezeit

Mangelndes Interesse an Anfänger-Kursen gibt es in Datteln nicht. Im Gegenteil: Die Wartelisten sind lang. Mit einem Jahr Wartezeit für die Teilnahme an einem Anfängerkurs ist bei der DLRG-Ortsgruppe zu rechnen. Rund 50 Kinder können dort das Schwimmen lernen. „Uns fehlt es an Kapazitäten, um mehr anbieten zu können.“ Eltern sollten deshalb ihre Kinder frühzeitig anmelden.

Früh Angst vorm Wasser nehmen

Eigentlich sollten Kinder bereits mit der Einschulung schwimmen können. Doch das ist immer häufiger nicht der Fall. „Immer mehr Kinder haben regelrecht Angst vorm Wasser, wenn sie in unsere Kurse kommen“, hat Elisabeth Bogowsky vom Dattelner Schwimmclub beobachtet. „Warum nehmen die Eltern ihnen nicht schon als Kleinkind die Angst?“, fragt sie sich. Vier bis fünf Kurse für jeweils zehn Kinder bietet der Club an. Auch dort beträgt die Wartezeit ein Jahr. Umso ärgerlicher sei es dann, wenn Kinder nicht regelmäßig oder nicht bis zum Ende an dem 20 Übungsstunden dauernden Kurs teilnehmen. „Das kommt leider öfter vor.“

Schwimmen lernen erfordert Geduld

Das Schwimmen lernen erfordert aber Geduld und Ausdauer. Denn: „Ein Seepferdchen-Abzeichen macht aus einem Kind keinen sicheren Schwimmer“, sagt Detlef Meer. Dazu gehören Geduld und üben. Erst mit dem Jugendschwimmabzeichen in Bronze könne man von einem sicheren Schwimmer sprechen. Die Forsa-Umfrage ergab, dass 77 Prozent der Grundschüler zwar das „Seepferdchen“ absolviert haben, aber durchschnittlich nur rund 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen das Jugendschwimmabzeichen besitzt. Viele Schwimm-Kurse bietet auch die Stadt an. „Den Kindern das Schwimmen beizubringen, ist uns wichtig. Das war ja auch einer der Gründe für den Bau des Stadtbads“, erklärt Stadtsprecher Dirk Lehmanski auf Nachfrage. Die Wartezeit ist unterschiedlich. Für manche Kurse beträgt sie ein halbes Jahr. 328 Kinder haben 2017 in den städtischen Kursen das Schwimmen erlernt. An sieben Tagen in der Woche bietet die Stadt solche Kurse an. In den Ferien gibt es zweiwöchige Intensivkurse, in denen die Teilnehmer täglich unterrichtet werden.

Anmeldungen für Schwimmkurse: DLRG-Ortsgruppe, Dattelner Schwimmclub, Tel. 33 888, Stadt Datteln: Tel. 107-360 (Sportamt) oder Tel. 3659890 (Stadtbad),

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