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2007 traten erste Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Georgien auf. 2014 traf es mit Litauen erstmals einen EU-Mitgliedsstaat und im September 2018 wurden infizierte Wildschweine aus Belgien gemeldet.

Infektionskrankheit

Wie ein Wurstbrot Existenzen gefährdet

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Datteln - Die Afrikanische Schweinepest ist nicht mehr weit weg. Auch wenn der Mensch nicht gefährdet ist, ist größte Vorsicht geboten.

Bis auf 50 Kilometer ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) auf belgischer Seite an die bundesdeutsche Grenze herangerückt. Dass die für die betroffenen Tiere fast immer tödlich ausgehende Infektionskrankheit früher oder später auch Deutschland ereilen wird, gilt aus der Sicht von Dr. Sigfried Gerwert, Amtstierarzt des Kreises Recklinghausen, als sicher.

„Die größte Gefahrenquelle ist der Mensch“, so Dr. Gerwert. „Schon ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrot reicht aus, um den Ausbruch der ASP auch in unserer Region auszulösen.“ Wie realistisch dieses Beispiel ist, belegt der Hinweis des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). Das fordert Landwirte und verarbeitende Betriebe in einem Merkblatt dazu auf, bei osteuropäischen Gastarbeitern darauf zu achten, ob diese tierische Lebensmittel zum Verzehr aus ihrem Herkunftsland mit in den Betrieb bringen.

Mensch ist die größte Gefahrenquelle

Tritt dieser Fall ein, muss das zuständige Veterinäramt hinzugezogen werden. Dort werden dann durch die Fachleute entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Ein Ausbruch der ASP hätte katastrophale, wirtschaftliche Folgen, auch für Dattelner Betriebe. Etwa 15 Schweinehalter gibt es derzeit in Datteln. Wird in einem der Betriebe ein infiziertes Tier entdeckt, müsste der gesamte Bestand des jeweiligen Betriebes notgekeult werden. In Rumänien waren es zum Beispiel 123.000 Tiere, die getötet werden mussten. Im Falle eines Ausbruchs sind also ganze Existenzen auch in Datteln bedroht.

„Würde es einen Fall von ASP im Hausschweinbestand geben, dann läge der Fall noch relativ einfach. Denn es ließe sich relativ schnell eingrenzen, wie der Infektionsweg aussieht“, erklärt Amtstierarzt Dr. Gerwert. Die Eindämmung der Infektion wäre relativ unproblematisch. Die Behörden würden dann einen Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens drei Kilometern um den Seuchenbetrieb errichten. Dann dürften weder Schweine aus dem Bezirk heraus noch hinein gebracht werden.

Für den Verkauf der Tierprodukte innerhalb der EU hätte der Seuchenfall kaum Folgen, jedoch für die Belieferung von Drittstaaten. „Die „ASP-frei-Deklaration“ ist für die meisten Drittlandstaaten zwingende Liefervoraussetzung“, teilt die Pressestelle der Firma Westfleisch mit. Der wirtschaftliche Schaden sei kaum einzuschätzen, da das Szenario ein Gesamtmarkt-Ereignis wäre.

Kreis sieht sich gut vorbereitet

Anders liegt der Fall bei Wildschweinen. „Wird ein totes, infiziertes Tier entdeckt, muss eine Sperrzone von circa 15 Kilometern errichtet und umzäunt werden und nach einer gewissen Zeit würden wir die toten Tiere aus diesem Gebiet entfernen“, erklärt Georg Ludbrock, Vorsitzender im Hegering Datteln. Die Schonzeit für die Tiere sei zwar landesweit aufgehoben worden, erklärt Ludbrock weiter, die eigentliche Jagdzeit stehe aber erst noch bevor. „Außerdem besteht derzeit noch Mutterschutz. Die Bundesregierung plant aber, diesen im Fall einer Ausbreitung der Infektion aufzuheben“, so Ludbrock.

-Das LANUV bittet darum, dass Spaziergänger und Pilzsammler keine Lebensmittelreste in freier Natur entsorgen. Auch leicht zugängliche Mülleimer sollten möglichst nicht genutzt werden. -Spaziergänger, die ein totes Wildschwein entdecken, sollen dieses nicht anfassen. Wenn dennoch ein Kontakt erfolgt, gilt es Körper und sämtliche, zu diesem Zeitpunkt getragenen Kleidungsstücke möglichst schnell und gründlich zu reinigen. -Tote Tiere müssen direkt dem LANUV oder dem zuständigen Jäger gemeldet werden. -Wer Schweine zuhause hält, darf diese nicht mit Küchen- und Speiseabfällen füttern. Es dürfen ausschließlich verarbeitete Futtermittel genutzt werden. -Zeigt ein solches Heimtier Allgemeinsymptome wie Fieber, Fressunlust oder Atemprobleme, kann dies auf eine Infektion hindeuten. In diesem Fall ist umgehend das Veterinäramt zu verständigen.

„Wichtig ist allerdings zu wissen, dass die ASP für den Menschen absolut ungefährlich ist“, beruhigt Amtstierarzt Dr. Sigfried Gerwert. „Weder durch den Verzehr, noch durch direkten Kontakt zu einem erkrankten Tier kann der Mensch sich anstecken. Je umsichtiger wir uns verhalten, desto schneller lösen wir das Problem. Der Kreis ist gut auf jeden Fall vorbereitet.“

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