+
„Ich kann was erkennen“, sagt Tim (r.) aus der Schule Oberwiese beim Blick durchs Okular eines Mikroskops. Luis aus der 5 B des Gymnasiums hilft beim Einstellen.

Inklusion

Förderschüler im Gymnasium

  • schließen

DATTELN - Die Lehrerorganisation VBE (Verband Bildung und Erziehung) macht beim Thema Inklusion Druck auf die künftige Landesregierung. Laut Umfrage unter Lehrern im Land hakt es gewaltig beim gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Regina Brautmeier, Direktorin des Dattelner Comenius-Gymnasiums, sieht das anders – zumindest für ihre Schule.

„Das läuft bei uns sehr gut“, sagt sie. Dienstag waren zwölf Kinder aus der Förderschule Oberwiese zu Gast im Gymnasium. Gemeinsamer Biologie-Unterricht mit der Klasse 5 B war angesagt. Gymnasiasten und Förderschüler teilten sich je ein Mikroskop, schauten sich die Strukturen von Watte, Sand, Zucker und Zwiebeln ganz genau an. Vier Lehrer und Betreuer waren aus Oberwiese mitgekommen, unterstützten Lehrerin Yvonne Eifert vom Gymnasium. Auch ein paar Neuntklässler halfen. Für ausreichend Betreuung des gemeinsamen Unterrichts war also gesorgt. Das ist längst nicht immer so, kritisiert der VBE. Die gewünschte Doppelbesetzung von Inklusionsklassen mit Lehrern und Sonderpädagogen bleibe die Ausnahme. „Wir machen so viel Doppelbesetzung, wie möglich“, sagt Comenius-Direktorin Brautmeier. Wenn Sonderpädagogen fehlen, müssen Gymnasiallehrer einspringen. Die seien fortgebildet worden, um der Arbeit mit Kindern mit besonderem Förderbedarf gerecht werden zu können.

Zurzeit besuchen 27 Förderkinder (überwiegend Förderschwerpunkt Lernen) Dattelns Gymnasium. Im Sommer werden es mindestens 30 sein. Im Sport sei der gemeinsame Unterricht kein Problem, in anderen Fächern dagegen schon, vor allem, wenn es in die Oberstufe geht, gibt die Schulleiterin zu. „Man darf nicht verschweigen, dass es Probleme gibt.“ Doch für jedes Problem gebe es Lösungen.

Schulen arbeiten zusammen

Dattelns weiterführende Schulen – Gymnasium, Realschule und Hauptschule – kooperieren längst in Sachen Inklusion. Neu ist die Kooperation des Gymnasiums mit dem Berufskolleg Ostvest (wir berichteten). Regina Brautmeier ist davon überzeugt, dass Schüler vom gemeinsamen Unterricht profitieren. Regelschüler könnten „menschlich reifen“ und einen „ungezwungenen Umgang mit Menschen mit Behinderung lernen“. Auch die Förderkinder fühlten sich am Gymnasium wohl.

Den zwölf Oberwieser Schülern gefiel der Besuch des Gymnasiums offensichtlich. „Solche Fachräume wie hier haben wir in Oberwiese nicht“, sagt Sonderpädagogin Milena Wohlgemuth. „Für unsere Schüler ist das ein besonderes Erlebnis, eine Chance, Neues zu lernen und zu erfahren.“

Seit Jahren kooperieren die Schule Oberwiese und das Dattelner Gymnasium. Man besucht sich gegenseitig bei Schulfesten, es gibt einen gemeinsamen Wendo-Kursus für Schüler sowie Aktionstage wie den Mikroskop-Führerschein am Dienstag.

"Aufgabe für alle Schulen"

„Wir sind ein Inklusions-Gymnasium“, betont Regina Brautmeier. „Das ist eine Aufgabe für alle Schulen. Wir brauchen Inklusion.“ Für alle Kinder sei der gemeinsame Unterricht aber nicht geeignet. „Selbstverständlich brauchen wir auch weiterhin Förderschulen“, sagt sie.

Eine Forderung, die auch die Lehrerorganisation VBE erhebt und die auch der designierte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) unterstreicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben
Jäger warnt vor mehreren Wildschweinen in Suderwich: Tiere können gefährlich werden
Jäger warnt vor mehreren Wildschweinen in Suderwich: Tiere können gefährlich werden
Stürzender Baum zerstört vorbeifahrendes Auto komplett - Insassen hatten Riesenglück
Stürzender Baum zerstört vorbeifahrendes Auto komplett - Insassen hatten Riesenglück
Einbrecher in Herten verschanzt sich im Badezimmer - und ist plötzlich veschwunden
Einbrecher in Herten verschanzt sich im Badezimmer - und ist plötzlich veschwunden
Besondere Boutique füllt Leerstand in Herten: So lief die Eröffnung
Besondere Boutique füllt Leerstand in Herten: So lief die Eröffnung

Kommentare