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Marianne Scheer in ihrem Wildgehege. Inmitten der Tier-Herde ist eine weiße Hirschkuh.

Jagdbehörde bewertet Abschuss

Hirsch-Expertin plädiert dafür, dem Jäger zu vertrauen

Waltrop/Datteln - „Der Jäger wird die richtige Entscheidung getroffen haben“, sagt Marianne Scheer vom Wildgehege Grutholz. Es geht um den Abschuss des weißen Hirschs, den nun auch die Untere Jagdbehörde bewertet.

Marianne Scheer ist nicht verdächtig, den Abschuss eines Tieres gutzuheißen, wenn er nicht unbedingt nötig ist. Die Castrop-Rauxelerin betreibt mit viel Tierliebe ein Wildgehege in Waltrops Nachbarstadt und kennt sich bestens mit Hirschen aus. „Unser Hans-Hubert war ja auch so ein weißer“, erzählt sie. Hans-Hubert – ein stattlicher Damhirsch – ist inzwischen verstorben, eine weiße Hirschkuh lebt aber gemeinsam mit anderen Wildtieren noch immer in ihrem Gehege. Auf Bitten unserer Redaktion schätzt Marianne Scheer, die, wie sie sagt, „ebenso traurig“ über die Abschuss-Nachricht war, die Situation ein.

Hirsche sind Fluchttiere

„Ich bin mir sicher: Der Jäger hat sich diese Entscheidung auch nicht leicht gemacht.“ Sie könne letztendlich nicht sicher bewerten, ob der Abschuss wirklich nötig war oder ob es eine andere Möglichkeit gegeben hätte. „Das kann niemand, der nicht dabei war“, sagt Marianne Scheer. Was sie sehr wohl bewerten kann: „Ich kenne keinen Jäger, der ohne Grund ein solches Tier geschossen hätte.“

Hirsche seien Fluchttiere. Wenn sie keine Gefahr wittern, „tun sie niemandem was“, erklärt die Wildtier-Expertin. „Wenn sie aber gejagt werden, zum Beispiel durch einen frei laufenden Hund, dann rennen sie einfach irgendwohin drauf los.“ Und dann kann es eben auch vorkommen, dass ein Hirsch in einen Zaun rennt und sich dabei schwer verletzt.

In genau so einem Zaun soll sich das Tier, das sich jüngst in Waltrop aufhielt, verfangen haben. So berichtet es Hegerings-Leiter Franz-Josef Stratmann, der von dem zuständigen Jagdaufseher über den Abschuss informiert worden war. Zudem sei das Tier verletzt gewesen, schildert Stratmann.

Viele kritische Kommentare

Nachdem wir die Meldung vom Abschuss des Hirschen am Mittwochabend online veröffentlicht hatten, hagelte es kritische Kommentare. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, ob der Abschuss rechtens war. Ebenso hätten sich viele Leser gewünscht, der Hirsch wäre betäubt und einem Gehege oder Zoo übergeben worden.

Zu letzterem Punkt kann Marianne Scheer Aufklärungsarbeit leisten. So sei eine Betäubung zwar möglich, dennoch müsse man weiterdenken: Wo soll der Hirsch dann hin? „Man kann einen zweiten erwachsenen Hirsch nicht einfach zu einem anderen Tier stellen. Das lässt sich kein Platzhirsch gefallen“, erklärt die Expertin. Weil Hirsche Rudeltiere seien, könne man ihn auch nicht einfach alleine irgendwo hinstellen. „Ich verstehe jeden Tierfreund. Aber wenn es stimmt, dass das Tier verletzt war, dann war es so das Beste für den Hirsch.“

Die Untere Jagdbehörde bewerte den Abschuss jetzt noch jagd- und tierschutzrechtlich. Das sagt Kreis-Sprecher Jochem Manz gestern. Damhirsche haben aktuell Schonzeit, verletzte Tiere dürfen allerdings geschossen werden.

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