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Jahresbericht des Frauenhauses

Für ein Leben ohne Gewalt

DATTELN - Wer als Kind häusliche Gewalt erlebt hat, wird später häufig selbst Täter oder Opfer von Gewalt. „Wir haben jetzt schon Frauen in der zweiten Generation aufgenommen“, sagt Andrea Becker, Leiterin des Dattelner Frauenhauses.

Seit 15 Jahren arbeitet sie in der Einrichtung, betreut Frauen, die sie schon als Kinder kennengelernt hat, als sie mit ihren Müttern im Frauenhaus Schutz gesucht haben. Söhne werden die Täter und Töchter die Opfer von morgen“, sagt sie.

Eine Spirale der Gewalt, die durchbrochen werden müsse. Und das gehe nur, wenn man auch die Männer miteinbezieht. „Die Hälfte der Frauen, die zu uns ins Frauenhaus kommen, kehrt zu ihren Männern zurück“, sagt Andrea Becker.

„Aber ich liebe ihn doch“, hört sie dann als Begründung von den Frauen. „Sie hoffen, dass sich ihre Männer oder Partner ändern“, sagt Andrea Becker. Viele der betroffenen Frauen haben Kinder, haben sich mit ihrem Mann ein gemeinsames Leben aufgebaut, möchten wieder als Familie leben. Ohne Gewalt.

Aber das ist schwierig. „Es bleibt ja nicht bei der Ohrfeige oder dem Schubser. Wenn das Tabu zu schlagen einmal gebrochen ist, wird die Gewalt immer massiver“, so Andrea Becker. Im Oktober 2013 hat das Diakonische Werk, das auch Träger des Frauenhauses ist, eine Beratungsstelle in Oer-Erkenschwick eröffnet. Dort wird die ganze Familie betreut – auch die Männer sind dabei. Auch sie sind mit der häuslichen Situation oft überfordert, wissen keinen anderen Weg als Gewalt.

„Natürlich helfen wir in erster Linie den Frauen, aber wenn wir uns auch um die Männer kümmern, ist beiden geholfen“, so Andrea Becker. Ein wichtiges Angebot, dazu noch einzigartig im Kreis Recklinghausen. Die Beratungsstelle ist – dank einer Spende der Aktion Mensch – für drei Jahre gesichert. Landeszuschüsse gibt es nicht. Ohne weitere finanzielle Hilfe muss das Projekt im Oktober 2016 eingestellt werden.

2014 hat das Dattelner Frauenhaus 62 Frauen und 52 Kinder aufgenommen. Die Aufenthaltsdauer reichte von einem Tag bis zu sechs Monaten. 41 Prozent der Frauen waren Deutsche, 54 Prozent waren Migrantinnen aus 19 verschiedenen Ländern

u Aus dem Kreis Recklinghausen haben 24 Frauen und 20 Kinder Schutz gesucht. Davon kamen acht Frauen und vier Kinder aus dem Ostvest, aus Datteln sechs Frauen und vier Kinder, aus Oer-Erkenschwick zwei Frauen. 57 Prozent der Frauen kamen von außerhalb. „Meistens mussten sie sehr weit flüchten, um sich sicher fühlen zu können“, sagt Andrea Becker.

Auch das Frauenhaus Datteln ist auf Spenden angewiesen, es gibt keine Unterstützung vom Land. Der Kreis gewährt einen Zuschuss von 46 000 Euro. Die zwölf Plätze für Frauen und Kinder in Not waren 2014 zu 85 Prozent belegt, aber nicht immer wird bezahlt. „Frauen aus Osteuropa, die bei uns Hilfe suchen, haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Es ist nicht klar, wer für die Kosten aufkommt“, so Andrea Becker.

35 Euro pro Person und Tag kostet die Unterbringung im Frauenhaus. In den meisten Fällen übernehmen das Sozialamt oder das Jobcenter die Zahlungen. Aber nicht bei Frauen aus anderen europäischen Staaten. „Diese Frauen bekommen zwar Kindergeld, aber keine weitere Unterstützung.“ In diesem Jahr, ist Andrea Becker überzeugt, werden vermehrt Flüchtlingsfrauen Zuflucht suchen.

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