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Michael Petroit in seinem Vorbereitungskurs zum Tagesvater in der Familienbildungsstätte. Der 51-Jährige wagt den Sprung in eine Frauendomäne.

Kindertagespflege

Tagesvater: Auf dem Sprung in eine Frauendomäne

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Datteln - Michael Petroi ist auf dem Weg Dattelns erster offizieller Tagesvater zu werden. Derzeit besucht er einen Qualifizierungskurs.

Der Kurs in der Familienbildungsstätte bietet die Grundlage, auf der der Heil- und Erziehungspflegehelfer eine optimale Betreuung gewährleisten und den Sprung in eine Frauendomäne wagen kann.

Freitagnachmittag: Michael Petroi hat noch keine Zeit über das Wochenende nachzudenken, er besucht den Qualifizierungskurs zur Kindertagespflege in der Familienbildungsstätte. Konzentriert lauscht der angehende Tagesvater mit zwölf weiteren Mitstreitern den Worten von Sarah-Jane Haase. Die Seminarleiterin referiert über Gefahrensituationen im Alltag mit Kindern: essen von giftigen Beeren, Steckdosenschutz, blutende Wunden und offenes Feuer. Die Teilnehmer berichten über Erfahrungen mit den eigenen Kindern und allen wird bewusst, dass sich das Risiko draußen und drinnen nicht immer hundertprozentig ausschließen lässt.

Jeder weiß aber auch, dass Kinder nicht festgehalten werden dürfen, sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Petrois Tochter Elena ist vier Jahre alt, sie besucht einen Kindergarten. Den wird sie weiter aufsuchen, auch wenn ihr Vater mit dem eigenen Betreuungsangebot startet. Ehefrau Cristina ist Krankenschwester auf der Geburtenstation im St.-Vincenz-Krankenhaus. Sie unterstützt die Pläne ihres Mannes, der aktuell noch als Heil- und Erziehungspflegehelfer in einem Waltroper Kindergarten arbeitet. Der befristete Vertrag von Petroi läuft jetzt jedoch aus und er nutzt die Situation für die Selbstständigkeit.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Familie baut sich gerade ihr eigenes Haus in der Kanalstadt und Petroi hat den Dachstuhl für den kindgerechten Betreuungsbereich eingeplant. Der 51-Jährige kann kochen, nähen und stricken und empfindet sich als ruhig und gelassen. „Natürlich renne ich auch in Gefahrensituationen“, sagt er. Wichtig ist ihm, dass Kinder manche Dinge selbst austragen, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Er möchte Hilfe zur Selbsthilfe geben und sich als Assistent des Nachwuchses sehen. Petroi findet, dass Kinder in der Erziehung Anspruch auf beide Geschlechter haben. In dem Waltroper Kindergarten sieht ihn niemand als Exoten, er ist ein gleichberechtigter Ansprechpartner für Kinder und Eltern.

Trotzdem weiß er, dass noch immer das Schubladendenken in den Köpfen mancher Menschen vorhanden ist. Dabei hat er reichlich Erfahrung im Wechseln von Windeln, trösten, Puppen- und Fußballspiel. Ein Blick in die Statistik zeigt: Je jünger Kinder sind, desto seltener treffen sie in der außerfamiliären Situation auf männliche Fachkräfte. Petroi wagt auch den Sprung in die Selbstständigkeit, weil er einige Bereiche anders als in der Kita umsetzen möchte. „Männliche Fachkräfte gehen herausfordernder und explorationsorientierter vor, eine Kombination von der Kinder profitieren können.“ Zweimal in der Woche nimmt er am Unterricht der FBS teil und speichert jede Menge Fachwissen ab.

Vor der Abschlussprüfung hat er keine Angst. Er weiß, dass er sich für den richtigen Berufszweig entschieden hat. Tochter Elena macht die beste Werbung für ihn. Sie verkündet überall stolz: „Mein Papa baut sich seinen eigenen Kindergarten.“

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