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Fast ehrfürchtig stehen Heinz Gröning, der Gewinner des Nachtschnittchenpreises, Ralf Senkel, und Johannes Schröder nach einem fulminanten Abend vor Moderator Helmut Sanftenschneider. Ehrenpreisträger Torsten Sträter war schon verschwunden.

Der Kleinkunstpreis geht an Ralf Senke

400 Zuschauer erleben die Neuauflage von „Best of Nachtschnittchen“

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Datteln - Einmal im Jahr wird im Rahmen des Best of Nachtschnittchen der Dattelner Kleinkunstpreis verliehen. Der Ehrenpreisträger heißt in diesem Jahr Torsten Sträter.

Drei nominierte Comedians, ein Ehrenpreisträger, ein singender Moderator und ein hellauf begeistertes Publikum: Einmal im Jahr wird im Rahmen des Best of Nachtschnittchen der Dattelner Kleinkunstpreis verliehen. Der Ehrenpreisträger heißt in diesem Jahr Torsten Sträter, zum Nachtschnittchenpreisträger wird Ralf Senkel gekürt.

Zum 13. Mal präsentierte Moderator Helmut Sanftenschneider ein wortreiches Programm der Extraklasse. Udo Kullik, Nachtschnittchen-Fan der ersten Stunde, der sonst in der beschaulichen Friedenskirche am Schiffshebewerk die Show verfolgt, sitzt in der ersten Reihe. „Ich kann Helmut doch nicht alleine lassen“, sagte er lachend. Sanftenschneider war aber gar nicht alleine, 400 Zuschauer waren seinem Ruf gefolgt und wurden nicht enttäuscht. Heinz Gröning ist der „Unglaubliche Heinz“ und darf den Wettbewerb starten. Er hat wie alle 20 Minuten Zeit, das Publikum für sich zu gewinnen. Seinen Verbal-Auftritt begleitet Gröning mit der Gitarre. Er kokettiert mit der Frauenwelt, die garantiert auf sein Gesicht mit dem Charme eines russischen Mafiosis abfahren würde. Das weibliche Publikum übt mit ihm, den Namen Heinz erotisch auszusprechen. Das klappt gut und gipfelt in dem Ausspruch: „Ja, ja, ja, das wird wunderbar.“ Sein Dialog mit einem Basilikum treibt die ersten Lachtränen in die Augen des Publikums. „In mir steckt ein Schiller“, stellt Gröning für sich fest und macht die Bühne für Ralf Senkel frei. Der rheinische Comedian ist bereits mit Kleinkunstpreisen dekoriert und von Haus aus „berufsuntätig“. Er spricht zuerst über seine Stoffwechselprobleme, er trage stets dieselbe Jacke. Zu seinen Aussagen kann er herrlich „deppert“ gucken und gelassen warten, bis sein Wortwitz bei den Zuhörern ankommt. „Ich weiß nicht, was er hat, aber er hat was“, sagt Zuschauerin Ulla Herdes später in der Pause und schenkt ihm ihre Stimme.

Sträter quatscht sich fest

Bis zur Pause dauert es aber noch ein wenig, Herr Schröder, der dritte Künstler, hat auch noch was zu sagen. Er heißt mit Vornamen Johannes, ist Kabarettist und Gymnasiallehrer für Englisch und Deutsch mit „Frustrationshintergrund“. Genau diesen Frust lebt er auf der Bühne aus und lästert über die Schüler dieser Welt ab. Es macht Spaß, zuzuhören, der Zwischenapplaus bestätigt seine Ansichten. Dann ist sie da, die Pause und das Publikum ist gefragt, mittels Stimmzetteln den Nachtschnittchen-Vokalakrobaten 2019 zu bestimmen. Bevor der verraten wird, gibt es den Ehrenpreis für den aktuell beliebtesten Künstler des Ruhrgebiets, Torsten Sträter. Der kommt mit Verspätung auf die Bühne, er hat sich in der Künstlergarderobe mit Heinz Gröning festgequatscht. Das Publikum lacht, Sträter ist einer von ihnen, der darf das. Sträter quatscht auf der Bühne weiter, über alles, was ihm auf und unter den Nägeln brennt. Er verflucht im heißen Scheinwerferlicht sein Markenzeichen, die Strickmütze auf dem Kopf. Er kommt von Höcksken auf Stöcksken, trifft immer den Nagel auf Kopf, schießt dabei nie übers Ziel hinaus. Sträter ist dankbar, dass er als „Oppa“ aus Waltrop noch mit Glück eine Kleinkunstkarriere geschafft hat. Von dem Glück gibt er gerne etwas ab, seine Gage von 1000 Euro spendet er an das Dattelner Kinderpalliativzentrum. Dann wird es Zeit, den Gewinner zu verkünden. Mit knapper Mehrheit setzt sich Senkel durch. Bürgermeister André Dora und Peter Schlegel von der Sparkasse Vest überreichen das Nachtschnittchen in Acryl und 444 Euro Preisgeld. Zum Finale erscheinen alle Künstler noch mal auf der Bühne, bis auf Sträter. Der hat sich schon wieder irgendwo festgequatscht und verschwindet ein wenig später in die Nacht nach Waltrop.

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