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ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Schüler hält sich während der Arbeit an den Hausaufgaben seinen Kopf. (zu dpa vom 02.01.2018: Kopfschmerztabletten wie Pausenbrot - "Aktion Mütze" geht andere Wege) Foto: Thomas Eisenhuth/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Kopfschmerzen sind Alltag in Dattelns Schulen

Wenn die Schmerztablette zum Pausenbrot wird

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DATTELN - Kopfschmerzen im Unterricht sind ein relevantes Problem, sagt die CHAP-Studie. Mädchen sind deutlich häufiger davon betroffen.

Kopfschmerzen können sich negativ auf alle Lebensbereiche von Jugendlichen auswirken. Zunehmende Schulfehltage, sich verschlechternde Schulnoten oder sozialer Rückzug können die Folgen sein. Um das zu vermeiden, greifen Schüler schnell zur Schmerztablette, aber das muss gar nicht sein, sagt Dr. Julia Wager. Sie hat eine Studie des Dattelner Kinderschmerzzentrums geleitet, die jetzt nachdenklich stimmende Zahlen zutage gefördert hat.

Bei dieser sogenannten CHAP-Studie, die laut Dr. Wager in dieser Form in Deutschland einzigartig ist, wurden im Ostvest 2284 Schüler der Klassen fünf bis zehn und 1660 Eltern befragt. Partnerschulen dieses Projektes waren das Dattelner Comenius-Gymnasium, das Willy-Brandt-Gymnasium in Oer-Erkenschwick sowie in Waltrop das Theodor-Heuss-Gymnasium, die Realschule und die Gesamtschule.

Studie ist einzigartig

Einzigartig macht diese Studie der lange Zeitraum von einem Jahr, alle drei Monate wurden die Schüler dabei befragt. So konnte festgestellt werden, wie sich Schmerzen ändern und welche Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Zu den Ergebnissen: 40 Prozent der Jugendlichen gaben an, unter chronischen Schmerzen zu leiden. Das sind Schmerzen, die mindestens seit drei Monaten und mindestens einmal im Monat auftreten. Über ein Drittel der Schüler leidet mindestens einmal pro Woche darunter, wobei Kopfschmerzen die häufigste Schmerzform bei Schülern sind. Auffällig: Mit 35 Prozent sind Mädchen deutlich häufiger von chronischen Kopfschmerzen betroffen als Jungen (18 Prozent). 80 Prozent der betroffenen Jugendlichen erleben diese Schmerzen mindestens einmal pro Woche und 35 Prozent verpassten deshalb Schulunterricht.

Besonderes dramatisch ist der schnelle Griff zur Tablette. 76 Prozent der Befragten gaben an, Medikamente gegen die Schmerzen genommen zu haben. Da stellt sich die Frage, wie die Kinder und Jugendlichen an diese Tabletten kommen?

Apotheken sind wachsam

Apotheken-Sprecherin Anne Schmitz sagt dazu auf Anfrage, dass die Apotheker schon sehr wachsam seien, was dieses Thema angeht. „Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die wir nicht kennen, fragen wir nach. Kommt das Kind häufiger, fordern wir eine Unterschrift der Eltern und geben sonst kein Medikament heraus.“ Dabei ist eine Schmerztablette oft unnötig. Gerade bei Spannungskopfschmerz reiche es häufig aus, einige Minuten an die frische Luft zu gehen, so Dr. Wager. Anders sehe das natürlich bei Migräne aus.

Wie Dr. Wager berichtet, begünstigen starker Medienkonsum und Schlafprobleme das Auftreten chronischer Schmerzen. Die Befragten gaben an, durchschnittlich fünf Stunden am Tag digitale Medien zu nutzen. Auch Bewegungsmangel fördert die Problematik. Oft stehen diese drei Faktoren auch in einer Wechselbeziehung. Wer wenig Sport treibt, und/oder vor dem Schlafengehen noch mit Handy oder Tablet arbeitet, schläft schlechter. Wer dagegen regelmäßig Sport treibt, reduziert das Schmerzrisiko um 50 Prozent.

Schulen wollen aufklären

Die Schulleiter zeigten sich bei der Präsentation der Ergebnisse schon sehr überrascht über das Ausmaß dieser Problematik. Es ist das erklärte Ziel der Schulen, sich die Resultate zu eigen zu machen und zum Beispiel über zusätzliche Bewegungsangebote oder Kontrolle des Medienkonsums in den Pausen einen Beitrag gegen das Problem zu leisten. Vor allem sollen die Studienergebnisse auch in entsprechend aufbereiteter Form Schülern, Lehrern und Eltern zur Verfügung gestellt werden, um hier weiter Aufklärungsarbeit zu leisten.

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