Kraftfahrtbundesamt

Verliert der Führerschein an Bedeutung?

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Datteln - Fahrschüler lassen sich für ihren Führerschein immer mehr Zeit. Einigen fehlt es an Motivation. Oft seien laut Fahrschulen die Eltern Schuld.

Laut Kraftfahrtbundesamt fallen immer mehr Jugendliche durch die Führerscheinprüfung oder melden sich erst gar nicht dafür an. Nicht so bei Fahrschullehrer Timo Longen. Bei ihm sind die Anmeldezahlen sogar gestiegen, die Durchfall-Quote hat sich nicht erhöht. Er hat aber andere Veränderungen erkannt.

„Der Führerschein hat nicht mehr einen so hohen Stellenwert wie früher“, sagt der Fahrschullehrer. „Die Schüler lassen sich viel mehr Zeit.“ Die Möglichkeit des Begleiteten Fahrens ab 17 Jahren nehmen zwar weiterhin viele wahr und fangen früh mit ihrem Führerschein an, seien dann aber zum Teil erst mit 21 Jahren fertig.

Für Flüchtlinge wird Sprachbarriere zum Problem

Die Ursache dafür sieht Longen bei den Eltern der Kinder: „Die Eltern tragen ihnen alles hinterher.“ Die Eltern fahren ihre Kinder überall hin, so werde das Bedürfnis nach früher Selbstständigkeit geringer. Es habe Zeiten gegeben, da haben Schüler ihren Schein innerhalb von drei Monaten gehabt. „Das ist heute nicht mehr machbar“, so Longen.

Teilweise brechen die Schüler den Führerschein vorzeitig ab oder erscheinen nicht zur Prüfung. Was der Grund für die bundesweit hohe Durchfallquote sein könnte, da hat Timo Longen eine Vermutung: „Viele Flüchtlinge bekommen den Führerschein bezahlt, was natürlich eine noble Geste ist“, so der Fahrschullehrer. Das Problem sei dann jedoch die Sprachbarriere – und nicht die Motivation.

Michael Poersch, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule, hat den „schleichenden Prozess“ des Desinteresses beobachtet, seitdem Jugendliche ihre Freizeit am Handy verbringen. Er sieht den Grund, ähnlich wie Timo Longen, bei den Eltern. „Wenn die Jugendlichen mit dem Fahrrad überall hinfahren müssten, würden sie eher einen Führerschein machen.“

Mit finanziellen Problemen kommen nur wenige in die Fahrschule

„Über die Anmeldezahlen kann ich mich nicht beschweren – eher im Gegenteil“, sagt Fahrschulinhaber Alexander Griehl zufrieden. Aber auch er habe bemerkt, dass einige Schüler besonders bei der Theorie länger brauchen oder die Prüfung mehrmals nicht bestehen. „Das hat verschiedene Gründe“, weiß er. „Manche sind nicht bereit, etwas zu tun, andere haben privat viel um die Ohren.“

Daria Hecht, eine 17-jährige Fahrschülerin bei Timo Longen, kann die wenige Motivation mancher Gleichaltrigen nicht verstehen, in ihrem Bekanntenkreis haben alle vor, einen Führerschein zu machen. Auch für sie war klar, dass sie möglichst schnell selbst Auto fahren will. „Ich will nicht ständig mit dem Bus fahren müssen“, sagt die 17-Jährige, die Unterricht in der Fahrschule von Timo Longen nimmt

„Außerdem kann ich mir mit einem Führerschein auch eine Arbeit suchen, die weiter weg ist.“ Finanziert bekommen hat sie ihre Fahrstunden von ihrem Vater und ihrem Bruder. Mit finanziellen Problemen kommen nur wenige in die Fahrschule.

Bei den meisten sei eher der Mangel an Motivation der Grund dafür, keinen Führerschein zu machen, so Longen. Diesen Gedanken teilen die meisten befragten Fahrschulen. Einen anderen Eindruck hat dagegen nur Judith Laschke von der Fahrschule Yalcin gemacht. Motiviert seien die Schüler schon, einige von ihnen fangen aber spät mit dem Führerschein an: „Das hat eher finanzielle Gründe. Viele fangen erst während ihrer Ausbildung, bei uns an.“

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