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Blick vom Dach des Kraftwerks-Kesselhauses Richtung Süden.

Kraftwerk Datteln 4

Uniper kommt voran

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DATTELN - Zehn Jahre nach dem ersten Spatenstich wird auf der Datteln-4-Großbaustelle mit Hochdruck am Feintuning des umstrittenen Steinkohlekraftwerks gearbeitet, damit ab 2018 Strom produziert werden kann. Ein Besuch auf der Baustelle.

Hinter zwei Dutzend Flachbildschirmen in der „Warte“, der Kraftwerks-Schaltzentrale, sitzen Techniker, beobachten und steuern Systemabläufe. Die allermeisten Anlagenteile sind fertig gebaut. Seit Wochen ist der Inbetriebsetzungsprozess in vollem Gange. „Später können wir das Kraftwerk komplett von hier aus steuern“, sagt Marco Eidner, Leiter des Inbetriebssetzungsteams von Uniper. Nur beim An- und Abfahren oder bei einem Schaden müssen die Kraftwerker an den Maschinen, Rohren oder Transportbändern Hand anlegen.

Stromproduktion ab 2018

Ziel sei es, so schnell wie möglich Strom zu produzieren, sagt Baustellenleiter Ingo Telöken. Aber der Inbetriebsetzungsprozess, bei dem die einzelnen Anlagenkomponenten nach und nach getestet und aufeinander abgestimmt werden, dauert seine Zeit. „Im ersten Halbjahr 2018 wollen wir den Probebetrieb abschließen“, sagt Telöken.

150 Aufträge für den Bau einzelner Anlagenteile hatte E.ON (jetzt Uniper) an Firmen vergeben. Der gigantische Kessel beispielsweise stammt von Hitachi. Jetzt ist die Zeit der Bauabnahme. Das laufe im Prinzip nicht anders als nach einem Hausbau, sagt Telöken. Dass die Zukunft des Milliardenbaus wegen mehrerer vor dem Oberverwaltungsgericht NRW in Münster anhängiger Klagen gegen den neuen Bebauungsplan sowie die Betriebserlaubnis noch nicht abschließend geklärt ist, beschäftige ihn schon, gibt der Baustellenleiter zu. Aber die Gerichtsverfahren sind nicht seine Baustelle. „Wir bauen fertig“, sagt Telöken. „Solange wir nichts anderes aus Düsseldorf hören.“ Dort sitzt die Uniper-Zentrale.

In Maasvlakte gelernt

Der Hilfskessel ist bereits in Betrieb genommen worden. Das erste Kohleschiff hatte schon vor Wochen angelegt. Werksstraßen sind frisch asphaltiert. Einige Kollegen aus dem Team von Marco Eidner haben zuvor das weitgehend baugleiche niederländische „Schwesterkraftwerk“ Maasvlakte bei Rotterdam in Betrieb genommen. Dort habe man wertvolle Erfahrungen gesammelt, sagt Eidner.

Wir fahren mit dem Fahrstuhl rauf aufs Kesselhaus. 122 Meter hoch. Das Dach der Region. Fünf Kraftwerke, einige davon stillgelegt, sind von hier zu sehen und jede Menge Windräder. „Und da hinten in der Ferne ist der Tempel der blau-weißen Götter“, sagt Telöken und outet sich als Schalke-Fan.

Bereit für die Kraftwerkstaufe

Im September soll erstmals das große Kohlefeuer im Kesselhaus entfacht werden. „Das ist wie die Taufe fürs Kraftwerk“, sagt Eidner. Das sei auch für erfahrene Kraftwerksbauer ein besonderer Moment. Kommende Woche dürfte es erstmals qualmen aus dem 178 Meter hohen Kühlturm. Dann soll der große Dampferzeuger, der Kessel, mit Öl befeuert werden. Die Feuerung und der Kühlkreislauf werden dafür sorgen, dass erstmals Rauchgas- und Wasserdampfschwaden aus Dattelns grauer Landmarke aufsteigen. Dann laufe Datteln 4 in etwa so wie ein Auto im Standgas, sagt Telöken.

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